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ADAC GT Masters 2013

Ruhige Zeiten zur Halbzeit

ADAC GT Masters, Start, Fahrerfeld Foto: BR-Foto 13 Bilder

Das ADAC GT Masters steuert in ruhigere Gewässer. Politik-Scharaden neben der Strecke Strecke gehören der Vergangenheit an, der Sport rückt in den Vordergrund. In der Meisterschaft gibt es zur Saisonhalbzeit noch keinen klaren Favoriten - vielmehr wird noch um jeden einzelnen Punkt hart gekämpft.

05.09.2013 Bianca Leppert Powered by

Kein klarer Favorit beim ADAC GT Masters

Das ADAC GT Masters scheint ein neues Trendgetränk für sich entdeckt zu haben: Baldrian-Tee. Vermutlich köchelt die braune Flüssigkeit, die nachweislich entspannend und beruhigend wirkt, in den Zelten der Teams, in der ADAC Hospitality und bei den DMSB-Verantwortlichen im Truck. Anders ist die Stimmung zur Halbzeit der acht Rennwochenenden umfassenden Serie nicht zu erklären. Kein großes Gezeter der Teams, wenig Aufregung im Fahrerlager, nur ein bisschen Geblöke über die Balance of Performance – ohne das wäre es fast schon unheimlich.

Das spricht für die Serie, die in dieser Saison mit halbiertem Starterfeld vor einer Bewährungsprobe stand. Weniger Autos auf der Strecke haben dem Wettbewerb keinesfalls geschadet. Die Experten sind sich allesamt einig: Das ADAC GT Masters ist so hochkarätig besetzt, dass das Niveau kaum zu toppen ist. Umso interessanter ist das sportliche Geschehen auf der Strecke. Selbst zur Halbzeit ist es schwierig, einen Favoriten auszumachen. Zieht man Siege, Pole-Positions und Podiumsplätze als Bewertungskriterium heran, gibt es keine Ausreißer. Lediglich die BMW-Piloten durften schon öfter auf das Treppchen steigen als die Konkurrenz.

DB Motorsport überrascht

Das verdanken die Bayern den Teams Schubert Motorsport und DB Motorsport. Während Schubert schon zum BMW-Inventar gehört, denken wir beim Namen DB eher an verspätete Züge als an ein erfolgreiches Motorsport-Team. Man könnte die Mannschaft als Phantom des Fahrerlagers bezeichnen – vor dieser Saison hatte die Holländer keiner auf der Rechnung. Die beiden Kutscher Jeroen den Boer und Simon Knap sind zweifelsohne schnell, aber ihre Namen sind selbst eingefleischten ADAC GT-Fans nicht geläufig. Mit nur acht Leuten an der Strecke und nur einem Auto wird das Team gerne mal übersehen.

Ein Fehler, wie sich gleich beim Saisonauftakt in Oschersleben herausstellte. Das Duo den Boer/Knap stahl Schubert Motorsport mit dem zweiten Platz ausgerechnet auf der Heimstrecke die Show. In Spa sackten die Jungs erneut zwei Pokale ein. „Wir wussten am Anfang nicht, wo wir stehen würden”, sagt Teammanager Dennis Bus, der das Team erst seit dieser Saison leitet. „Im vergangenen Jahr waren viele Strecken neu für uns, über den Winter haben wir deshalb viel getestet. Wir wissen nun viel mehr über das Auto, aber es ist immer noch ein Nachteil, mit nur einem Auto zu starten. Uns fehlt manchmal die Zeit, noch mehr Dinge zu testen. Deshalb planen wir im nächsten Jahr mit zwei Autos.”

Während den Boer, dessen Vater das Team gegründet hat, eher als Spezialist für das Setup gilt, gehört es zu Knaps Spezialität, bei schwierigen Streckenbedingungen die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Die Aufgaben neben der Strecke sind ebenfalls gut verteilt: Die meisten der acht Teammitglieder erfüllen gleich zwei Jobs.

Am Sachsenring und am Nürburgring wurde es etwas ruhiger um die fliegenden Holländer, dafür machte Schubert mit einem Sieg in Spa, am Sachsenring und am Nürburgring auf sich aufmerksam. „Bei den ersten beiden Siegen hat uns der Regen sicher geholfen”, meint Schubert-Teammanager Stefan Wendl. „Insgesamt müssen wir noch an der Quali-Performance für das erste Rennen arbeiten. Wenn du im Pulk startest, ist es schwierig, nach vorn zu kommen.” Im internen Teamduell zwischen Claudia Hürtgen und Youngster Dominik Baumann, die sich den Titel Halbzeitmeister anheften dürfen, gingen im Zeittraining bis auf ein Remis alle Punkte auf das Konto von Baumann.

Und wieder Mercedes

Ein Name, den man sich ebenso merken sollte, wie Maximilian Buhk. Gemeinsam wurden Buhk und Baumann im vergangenen Jahr GT3-Europameister. Beide setzten nach einem Intermezzo in der Formel ADAC ganz bewusst auf eine Karriere im GT-Sport, statt sich der Illusion von der Formel-1-Karriere hinzugeben. In dieser Saison gehen sie im ADAC GT Masters getrennte Wege.

Buhk startet mit dem amtierenden Meister Maximilian Götz für HTP Motorsport auf einem Mercedes SLS. Ein Dreigestirn, das für viele im Fahrerlager zum Favoritenkreis auf den Titel gehört – nach dem Gewinn des 24h-Rennens in Spa erst recht.

Die erste Saisonhälfte verlief allerdings etwas holprig. Nach acht Rennen standen ein Sieg und drei Strafen zu Buche. Eine wegen zu aggressiver Fahrweise in Oschersleben, eine hagelte es für einen zu schnellen Boxenstopp und die nächste, weil bei einem weiteren Stopp ein Mechaniker zu viel am Auto arbeitete.

Buhk, der mit seiner Zahnspange und seiner pfiffigen Art in Erinnerung bleibt, zieht insgesamt ein positives Fazit: „Wir haben viele Punkte liegenlassen und gezeigt, wie man es nicht machen sollte. Aber ich denke, die Fehler haben uns noch nicht extrem geschadet. Wir haben daraus gelernt und gezeigt, dass wir auf jeder Strecke den nötigen Speed haben.”

Corvette sorgt für Gesprächsstoff

Das Corvette-Lager kam erst zum vierten Rennwochenende des ADAC GT Masters am Nürburgring richtig in Schwung. Mit dem ersten Startplatz für beide Läufe setzte Callaway ein großes Ausrufezeichen. Der Speed im Rennen war ebenfalls beeindruckend, auch wenn verschiedene Rangeleien den Traum vom Sieg zerplatzen ließen. Die Konkurrenz schob die Wiederauferstehung des US-Schlittens auf den vier Millimeter größeren Restriktor, den der DMSB der Corvette zugestand. „Wir können auf der Geraden nicht so viel aufholen, wie wir in den Kurven verlieren”, verteidigte sich Callaway-Teamchef Giovanni Ciccone.

Zudem begründet er die Dominanz am Nürburgring mit den hohen Temperaturen. „Wir hatten schon seit Beginn der Saison Schwierigkeiten, den Reifen auf Temperatur zu bekommen”, sagt Ciccone. „Bei Testfahrten haben wir einige Lösungsansätze wie Sturz- und Dämpfereinstellung gefunden.” Im Qualifying lag die Asphalttemperatur bei 37 Grad Celsius – ein Umstand, der den Corvette-Piloten zusätzlich in die Karten spielte. Das Thema Restriktor ist trotzdem sicher noch nicht gegessen.

Wie die Corvette gehört der Ford GT zur Saisonmitte nicht gerade zu den beliebtesten Zeitgenossen auf der Strecke. So mancher hält das über den Winter komplett renovierte Auto für zu muskulös. Immer wieder kann das kleine Team Lambda Performance den Großen in die Suppe spucken. „Wir haben uns bisher deutlich unter unseren Möglichkeiten geschlagen”, sagt Frank Kechele. „Wenn wir eine Quartalsanalyse bis zum Rennen in Spa gemacht hätten, wären wir happy. Aber so haben wir noch Verbesserungspotenzial.”

Oft machten technische Probleme den ehrgeizigen Underdogs einen Strich durch die Rechnung. Im Qualifying gelingt es noch nicht, den Peak des Reifens voll auszunutzen.

Abt als Audi-Speerspitze

Am Anfang der Saison drehten Frank Kechele und Nico Verdonck am Lenkrad, doch seit dem Sachsenring ist Dominik Schwager für Verdonck an Bord, weil der Belgier mit einem anderen Engagement liebäugelte, das sich allerdings wieder in Luft auflöste. „Wenn wir zu dritt fahren könnten, würde ich Nico wieder ins Boot holen”, meint Kechele.

Bei Audi glich die erste Saisonhälfte des ADAC GT Masters einer Berg- und Talfahrt. Die Speerspitze bilden René Rast und Christopher Mies im Team von Christian Abt. Bis zum zweiten Rennen am Nürburgring führten die beiden GT-Profis die Tabelle dank zwei Siegen noch an, doch dann ging Rast etwas ungestüm ans Werk und räumte nicht nur das eigene Auto, sondern gleich mehrere mit von der Piste. Es war der dritte Ausfall im achten Rennen.

„Die erste Saisonhälfte war schwierig”, fasst Rast zusammen. Vor allem der Groll über die letzte BOP-Einstufung, bei der Audi zehn Kilogramm Gewicht einladen musste, saß tief. „Die letzte Einstufung hätte man sich sparen können”, ächzte Teamchef Abt. Offensichtlich bekam dem R8 aber auch das heiße Wetter nicht so gut. Es wurde gemunkelt, dass der Motor bei Temperaturen über 30 Grad Celsius, wie sie am Freitag zum Qualifying in der Eifel herrschten, Probleme macht.

Rätselraten bei Porsche

Eher durchwachsen fällt die Bilanz für die Porsche-Teams aus. Unter den sechs Fahrerpaarungen im Feld gehören Robert Renauer/Martin Ragginger, Christian Engelhart/Nicolas Armindo und Mario Farnbacher/Philipp Frommenwiler sicherlich zu den stärksten Duos, doch keinem dieser Fahrerpaarungen gelangen bisher konstant gute Ergebnisse.

Eine Erklärung dafür sucht man vergeblich. Die meisten Gesichter der Porsche-Fraktion bleiben ratlos. „Uns fehlt der Topspeed auf der Geraden”, sagt Horst Farnbacher. Ist der GT3 womöglich nach den Umbaumaßnahmen doch zu breit geraten?
Kleiner Exkurs ins Ausland: In England, Italien und Frankreich führt der Elfer die GT-Meisterschaften an – allerdings sind sich die Experten einig, dass das ADAC GT Masters die am besten besetzte GT3-Serie in Europa ist. Zudem sollten die Strecken in der zweiten Saisonhälfte den Stuttgartern eher entgegenkommen.

Nicht zu vergessen: Im vergangenen Jahr wurde die Meisterschaft am letzten Rennwochenende im letzten Lauf entschieden. Bis dahin weiter die Nerven zu behalten und das eine oder andere Schlückchen Baldrian-Tee zu trinken, kann also nicht schaden.

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