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ADAC GT Masters Finale 2012

Entscheidung auf den letzten Metern

ADAC GT Masters, Maxi Götz, Sebastian Asch Foto: ADAC GT 12 Bilder

Das Finale der ADAC GT Masters in Hockenheim 2012 war an Dramatik kaum zu überbieten. Erst auf den letzten Metern sicherten sich Maximilian Götz und Sebastian Asch im Mercedes SLS AMG GT3 mit ihrem ersten Saisonsieg den Titel. Während die Meister jubelten, brodelte es ordentlich hinter den Kulissen.

11.11.2012 Bianca Leppert Powered by

Es war ein Ende mit Kawumm. Ein Ende mit Stoßgebeten an den Yokohama-Reifengott. Ein Ende mit Zwist über die Balance of Performance und ein Ende mit zwei Helden, die niemand so richtig auf dem Radar hatte. Schließlich gab es vor dem Saisonfinale der GT Masters noch vier Titelanwärter von vier verschiedenen Herstellern - der italienische Jurist Diego Alessi und Daniel Keilwitz in der Callaway Corvette, der Porsche von Supercup-Pilot Christian Engelhart, der Mercedes SLS von Maxi Götz und Sebastian Asch sowie das Alpina-Meisterteam aus dem Vorjahr mit Dino Lunardi und Maxime Martin.

ADAC GT Masters-Finale wurde nachgewürzt

Neben dieser explosiven Ausgangslage sorgte der DMSB mit einer Neueinstufung durch die Balance of Performance für weitere Aufregung. Offenbar hatte man sich gedacht: Da würzen wir fürs Finale nochmal ein bisschen nach. Ein bisschen war allerdings untertrieben. Der BMW Alpina bekam bei gleichem Gewicht einen um drei Millimeter (!) kleineren Restriktor, bei Corvette schrumpfte der Luftschnorchel für den Motor um einen Millimeter. Porsche durfte 15 Kilogramm ausladen. Ein um 0,8 Millimeter größerer Restriktor ließ dagegen die Mercedes-Armada jubeln.

Das Ziel lautete wohl ursprünglich, die Balance of Performance ab Saisonmitte nicht mehr zu verändern. Da hat es einen Beigeschmack, wenn bei einem so knappen Saisonfinale das Ruder nochmal herumgerissen wird. Böse Zungen fragten: War die Einstufung während der Saison denn womöglich immer schon im Ungleichgewicht?

Teams fühlen sich wie ein Spielball

Das Finale in Hockenheim stand unter dem Motto Grande Casino. Warnschilder im Fahrerlager mit dem Hinweis „Achtung, Explosionsgefahr“ wären durchaus angebracht gewesen. Callaway-Teamchef Ernst Wöhr fand deutliche Worte für die BOP-Änderung: „Das ist total manipulativ“, meinte der Schwabe. Auch Alpina-Teamchef Andreas Bovensiepen war verärgert. „Enger als beim letzten Rennen am Nürburgring hätte man das Feld nicht zusammenbekommen können“, so sein Statement. „Und nun wird das halbe Feld durchgerührt. Solche Entscheidungen sind für uns nicht nachvollziehbar. Da fühlt man sich wie ein Spielball.“ Als Konsequenz wird Alpina 2013 nicht mehr werksseitig dabei sein.
 
Ein Faktor für die Einstufung war laut ADAC die neue Reifenkonstruktion, die ab dem zweiten Nürburgring-Wochenende zum Einsatz kam. Seit diesem Rennen fahren alle Autos mit der ursprünglich für Porsche ausgelegten Entwicklung des Yokohama-GT-Pneus. Diese zeichnet sich durch eine steifere Seitenwand aus. Porsche ist seit Saisonbeginn damit unterwegs, Alpina bekam die steifere Alternative nach mehreren Reifenschäden aus Sicherheitsgründen zugesprochen. Die Konkurrenz fürchtete einen Wettbewerbsvorteil und wollte ebenfalls die Porsche-Konstruktion. Der ADAC machte diese daraufhin ab dem Nürburgring-Rennen zur Pflicht.
 
Ergo sollte diese laut ADAC in die Balance of Performance eingehen. Fragt man Yokohama-Motorsportchef Manfred Theisen, ob bestimmte Hersteller durch diese Reifen-Konstruktion mehr profitieren als andere, so kann er sich das jedoch nicht vorstellen. Die Teams berichten, der DMSB hätte die neue Einstufung mit einer Simulation vor dem Hockenheim-Rennen erklärt. Andererseits ist es mehr als natürlich, dass unterschiedliche Strecken auch verschiedene Stärken und Schwächen der Autos hervorbringen.

Renngott hatte ein Einsehen

Ernst Wöhr glaubt mittlerweile sogar an übersinnliche Kräfte. „Der Renngott hat es glücklicherweise eingesehen und am Samstag im ersten Rennen die Reifen kaputt gemacht“, sagte er lachend. Sowohl der Mercedes von Götz/Asch als auch der Porsche von Engelhart/Edwards blieben mit Reifenschäden liegen. Die Corvette schied nach einer Kollision am Start mit Aufhängungsschaden aus. Der BMW Alpina zuckelte beim Anfahren nach dem Boxenstopp nur vor sich hin und fiel auf Rang 18 zurück. Die Tabelle vor dem ersten Rennen in Hockenheim entsprach damit exakt dem Stand nach dem Rennen. Kein Titelaspirant konnte Punkte erhaschen, und Callaway führte die Meisterschaft weiterhin an.

Fortan zog nicht mehr nur die Balance of Performance den Groll der Teams auf sich, sondern auch Reifen-Ausrüster Yokohama. Bereits im freien Training am Freitag war es zu mehreren Reifenschäden gekommen. In den meisten Fällen löste sich das Gummi am linken Hinterrad auf. „Dieses Rad wird in Hockenheim am stärksten belastet“, erklärt Theisen.

Finale auf einer Reifen mordende Strecke

Weil Hockenheim mit seinem rauen Asphalt als Reifen mordende Strecke bekannt ist, erinnerte Yokohama die Teams am Freitag mit Bildmaterial nochmals an die heiklen Stellen. Vor allem die Curbs fordern ihren Tribut. Beim Herunterfahren zurück auf die Strecke besteht das größte Risiko, Schaden anzurichten. Für Yokohama war die Ursache der Reifenschäden klar: „Es war eine Mischung aus dem Überfahren der Curbs und zu wenig Reifenluftdruck in kaltem Zustand“, analysierte Theisen.
 
Kein Wunder, dass vor dem zweiten Rennen am Sonntag alle Titelaspiranten Stoßgebete gen Himmel sandten: Möge das schwarze Gold mit uns sein. Schließlich waren aber nicht die Reifen das Zünglein an der Waage, sondern vielmehr etwas unfreiwillig der am Samstag frisch gekürte Amateur-Meister Swen Dolenc im Porsche. Asch überholte den in Führung liegenden Porsche in der zweiten Rennhälfte und sicherte sich damit den ersten Schritt zum Titel. Der Sieg sollte für das Mercedes-Duo Asch/Götz aber nicht reichen. Engelhart und Alessi/Keilwitz hatten ebenfalls noch Kohlen im Feuer. Doch daraus wurde nichts. Sowohl Engelhart als auch Alessi balgten sich bei ihrer Aufholjagd mit Dolenc. Für die jeweiligen Manöver im Kampf um Platz zwei setzte es für beide eine Durchfahrtsstrafe - Game over. Vor allem im Porsche-Lager dürfte die Rauferei der Markenkollegen Dolenc und Engelhart für Diskussionen sorgen.

Als lachende Dritte durften sich Götz und Asch vom Team MS Racing über ihren ersten Sieg der Saison und zugleich über den Gewinn der Meisterschaft freuen. „Wir mussten unserem Teamchef Harald Böttner die ganze Saison versprechen, dass er endlich diese Blancpain-Sieger-Uhr erhält,“ sagte Götz, der nach der Zieldurchfahrt noch etwas durch den Wind war. „Im letzten Rennen haben wir das nun endlich geschafft.“ Die letzten 15 Minuten wurden im wahrsten Sinne des Wortes zur Zerreißprobe. Die Boxencrew drückte bis zum Schluss die Daumen, dass die Reifen halten. Das ganze Rennen über kämpften die Sternen-Krieger mit starken Vibrationen. „Da hörst du alles im Auto“, seufzte Asch.

Familienbande holt Titel in der Teamwertung

Hinter dem Team MS Racing, das sich zugleich auch den Titel in der Teamwertung sicherte, steckt eine Familienbande - eine, die man nicht unterschätzen sollte. Schon im Porsche Carrera Cup gönnte man sich erst ein Lehrjahr, in der zweiten Saison holten die Schwarzwälder mit Thomas Jäger 2009 dann den Titel. Im GT Masters ging der Plan erneut auf - in der zweiten Saison griffen sich Asch und Götz die Meisterschale.
 
Die Herzen des Teams schlagen im gleichen Takt. Es besteht aus zwei Familien, die sich bei der VLN-Langstreckenmeisterschaft kennengelernt haben. Mittlerweile sind sie zu einer Familie zusammengewachsen. Harald Böttner hat die Rolle des Teamchefs übernommen, seine Söhne Pascal und Andreas kümmern sich um das Teammanagement und die Pressearbeit. Ralf Stoll ist leitender Ingenieur, sein Bruder Florian sitzt im zweiten SLS als Pilot. Schwester Simone Stoll ergänzt die Jungs als technische Assistentin. Und der jüngste Nachwuchs des Teams bastelte Götz und Asch sogar Glücksarmb.nder aus Holzperlen für das Rennen, die sie bei der Siegerehrung stolz am Handgelenk trugen.
 
„Ich denke, es war ein Vorteil, dass wir uns auf nur zwei Autos konzentriert und vor allem auf Konstanz gesetzt haben“, erklärt Böttner das Erfolgsgeheimnis. „Natürlich dürfen wir unsere Fahrer nicht vergessen. Maxi ist eher der Iceman, man merkt ihm seine Coolness und Cleverness an. Sebastian ist außerhalb des Autos eher schüchtern, im Auto aber ein wahres Pulverfass. Trotz seines Temperaments leidet sein fahrerisches Können nicht darunter.“

Beide waren hungrig auf den Erfolg

Maximilian Götz, der seine Brötchen als Instruktor verdient, fuhr seinen letzten Titel in der Formel BMW vor neun Jahren ein und hatte damals Sebastian Vettel im Griff. Danach wurde es ziemlich ruhig um den 26-Jährigen. Sebastian Asch feierte nach der Vizemeisterschaft im Seat Leon Supercopa vor einigen Jahren nun seinen ersten richtigen Titelgewinn. „Auch beim Seat-Finale hatte ich damals in Hockenheim die Chance, die Meisterschaft zu holen. Damals habe ich mir geschworen, dass mir in Hockenheim nicht ein zweites Mal ein Titel durch die Lappen geht“, sagte der 26-jährige Fahrzeugtechnik-Student. Job well done.

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