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ADAC GT Masters Hockenheim

Master-Stück beim Saisonfinale 2011

ADAC GT Masters 2011 Foto: Hersteller 6 Bilder

Mit einer lediglich zehnköpfigen Mannschaft holte Alpina den Titel in der ADAC GT Masters 2011. Für das kleine Team, dessen Engagement zu Saisonbeginn auf der Kippe stand, ging damit ein Traum in Erfüllung. Und die Stuck-Brüder sicherten sich beim dramatischen Finale in Hockenheim den Vizetitel

26.10.2011 Powered by

Lurchi hat es geschafft. Er ist der neue Meister im ADAC GT Masters. Sein Kutscher Alex Margaritis trampelt in Hockenheim auf seiner Motorhaube herum und jubelt. Er legt seine linke Faust in die rechte Ellenbeuge und reckt die Hand in die Höhe. Will sagen: „Wir haben es allen gezeigt!“ Mit wir meint er sich, seinen Teamkollegen Dino Lunardi, das Team – und natürlich Lurchi. Es ist der Spitzname des grünen Alpina B6 GT3, der in Form eines kleinen Schriftzugs auf der Seite prangt. „Irgendwann habe ich den Aufkleber gesehen und mich gewundert“, erläutert Teamchef Andreas Bovensiepen. „Meine Mechaniker haben gefragt, ob sie den Schriftzug drauflassen dürfen. Die Bitte konnte ich ihnen nicht abschlagen.“

Die Mechaniker haben eine besondere Bindung zu ihrem Auto. Schließlich ist die Rohkarosse mit der Fahrgestellnummer 1 bereits seit dem Jahr 2009 im Einsatz. Sie hat sogar schon ein 24h-Rennen auf dem Nürburgring hinter sich gebracht. Nach gut 20 000 Kilometern hat Lurchi sein Ziel nun endlich erreicht – GT3-Meister!

Mit 28 Punkten Vorsprung auf Ferdinand und Johannes Stuck bei noch 50 zu vergebenden Zählern reisten Dino Lunardi und Alex Margaritis zum Saisonfinale nach Hockenheim. Mit der schnellsten Runde in beiden Qualifyings zeigten sie bereits am Freitag, wo der Hammer hängt. Am Samstag machten sie mit einem Sieg vor den Stuck-Brüdern den Titelsack zu. So souverän die Vorführung auf der Strecke auch ausgesehen haben mag, so nervös war Margaritis vor dem entscheidenden Wochenende. „Endlich war dieses Kopfkino der letzten drei Wochen weg“, sagt er. Wie bei einem großen Puzzle setzte er immer wieder die verschiedenen Teile zusammen und rechnete sich aus, wann und wie es zur Meisterschaft reichen könnte. Dieser Titel bedeutete für das ganze Team mehr als eine weitere Trophäe im Regal. Erst kurz vor dem Saisonstart schrieb sich die Alpina-Mannschaft ein. Zunächst waren nur die ersten drei Rennen geplant. „Wir haben von Rennen zu Rennen gedacht. Das Geld war einfach nicht da. Deshalb war klar, dass bei ausbleibenden Erfolgen Fahrer mit Geld hinters Steuer kommen würden“, rekapituliert der ehemalige DTM-Pilot Margaritis.

Der Erfolg kam schneller als gedacht. Lunardi und Margaritis gewannen das Auftaktrennen, drei weitere Siege sollten folgen. Nachdem es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um Margaritis wurde, katapultierte sich der Deutsch-Grieche wieder in die Köpfe der Motorsport-Entscheider zurück. Seinen Teamkollegen Dino Lunardi hält nun längst keiner mehr für eine ausgestorbene Saurier-Gattung. „Dino ist sehr hilfsbereit. Wir haben keine Geheimnisse voreinander. Dass er schnell ist, wusste ich. Aber dass er auch so fehlerlos fährt, hat mich begeistert“, lobt Margaritis.

Für Teamchef Andreas Bovensiepen gab es gleich mehrere Schlüssel zum Erfolg. Einer davon war die gleichwertige Fahrerpaarung. Dazu kam die komplette Überarbeitung des Alpina B6 GT3 über den Winter und die akribische Vorbereitung. Stand ein Bauteil zur Debatte, wurde es getauscht. „Wir waren vor allem bei den Hitze-Rennen mit mehr als 25 Grad an der Spitze“, analysiert Margaritis. „Da hat sich unser Vorteil beim Reifenverschleiß bemerkbar gemacht. All diese Rennen haben wir in den letzten 20 Minuten entschieden. Wenn es jedoch kälter war, hingen wir im Mittelfeld fest.“ Beim Finale in Hockenheim hatte es auch am Sonntag mehr als 25 Grad Celsius, doch ein Sieg zum Abschluss der Saison war den Alpina-Jungs nicht vergönnt: Bereits am Start quetschte sich Johannes Stuck mit dem Lamborghini Gallardo des Reiter-Teams an Margaritis vorbei. Später rollte Lurchi wegen eines Getriebeschadens in die Box. Den Söhnen von Hans-Joachim Stuck sollte der sicher geglaubte Sieg ebenfalls noch durch die Lappen gehen. Johannes saß bereits mit Goldkrönchen in der Box und freute sich über den Titel für Reiter in der Teamwertung, da kroch Ferdinand zwei Kurven vor Rennende im Motodrom langsam dahin und fiel bis auf Platz fünf zurück.

Die Bilder sprachen für sich: Das Benzin war ausgegangen. „In all der Euphorie haben wir vergessen, am Ende das Tempo etwas rauszunehmen“, erklärt Teamchef Hans Reiter das Missgeschick. Des einen Leid, des anderen Freud: Zum ersten Mal in dieser Saison fuhren René Rast und Stefan Landmann mit ihrem Audi R8 von Phoenix Racing als Erste über die Ziellinie. Reiter blieb aber ein lachendes Auge: Immerhin durfte er sich trotzdem über den Titel in der Teamwertung, die Vizemeisterschaft sowie den Amateurtitel für Marc Hayek und Peter Kox freuen. Selbst den sichtlich geknickten Stuck-Brüdern blieb ein Trostpflaster. Sie sicherten sich in Hockenheim die serienübergreifende Deutsche GT3-Meisterschaft. Ohnehin hätten sie zu Beginn der Saison nicht von solchen Erfolgen zu träumen gewagt: „Wir sind zwar mit Hoffnungen auf den Titel nach Hockenheim gekommen, aber dass wir im ersten Jahr Vizemeister werden ist grandios und keinesfalls enttäuschend“, so Ferdinand, der jüngere Bruder. 

„Ich hätte niemals gedacht, dass uns dieses gemeinsame Jahr so eng miteinander verschweißt und kann mir gar nicht mehr vorstellen, alleine zu fahren.“ Selbst Teamchef Reiter war überrascht. Vor der Saison hieß die Zielsetzung, bis Mitte der Saison einen Podiumsplatz mit den Stucks zu holen. Am Ende der Saison stehen vier Siege und der Vizetitel in der Erfolgsbilanz der GT-Masters-Neulinge. Nicht selten mussten sie sich Kritik anhören, der Gallardo sei in der Balance of Performance zu gut eingestuft. Doch Reiter verteidigt seine Piloten: „Johannes hat vor der Saison rund 2000 Testkilometer abgespult, Ferdinand etwas weniger. Es ist wie in jeder Sportart – das Training ist entscheidend. Die beiden fahren einfach gut.“ Das gilt zweifelsohne auch für die Jungspunde des Abt-Teams. Luca Ludwig und Christopher Mies, die vor der siebten Veranstaltung in Assen noch intakte Meisterschaftschancen hatten, splitteten sich auf zwei Autos auf, um größere Erfolgsaussichten zu haben.

Am Ende sprang für Mies der dritte Platz in der Tabelle heraus, für Ludwig reichte es gar nur zu Rang vier. Teamchef Christian Abt war in Hockenheim leicht gereizt. Mies‘ neuer Partner Christer Jöns bekam in Assen eine Strafe, weil er nach dem Boxenstopp mit weniger als den vorgeschriebenen 40 km/h durch die Boxengasse zuckelte – angeblich, um die vorgeschriebene Mindestzeit des Boxenstopps nicht zu unterbieten. Abt hält diese Strafe für nicht berechtigt: „Das war eine Fehlentscheidung, und die hat uns einen Teil der Meisterschaftschancen gekostet“, ärgert er sich. Sein Groll auf die Rennleitung erreichte am Sonntag in Hockenheim den Höhepunkt. Weil Mies vorgeworfen wurde, in der Nordkurve mehrmals mit allen vier Rädern die Streckenbegrenzung verlassen zu haben, erhielt er eine Durchfahrtsstrafe. Abt befand diese abermals nicht für berechtigt und beschwerte sich bei der Rennleitung. Nach dem Fahrerwechsel trat sein Teamkollege Christer Jöns die Durchfahrtsstrafe wegen der Meinungsverschiedenheit gar nicht erst an. Daraufhin folgte eine 30-Sekunden-Strafe. Christian Abt platzte der Kragen, er beorderte seine Jungs an die Box. „Wir hatten allerdings auch Probleme mit der Bremse und waren am absoluten Limit“, beschwichtigte Jöns. Für seine Aussage spricht, dass er im Zweikampf mit Mario Farnbacher wegen der Bremsprobleme wild durchs Kiesbett ritt.

Farnbacher versetzte nicht nur Jöns ins Staunen. Der jüngste Sohn von Teamchef Horst Farnbacher saß zum ersten Mal bei einem GT Masters Wochenende im Ferrari 458 und vertrat seinen älteren Bruder Dominik, der in Road Atlanta beim Petit-Le-Mans-Rennen startete. Wie ein routinierter Profi stellte Farnbacher Junior das Auto im Qualifying auf Rang vier und landete im ersten Rennen mit Teamkollege Niclas Kentenich auf Platz sechs. Im Finale am Sonntag startete er in der zweiten Rennhälfte eine furiose Aufholjagd und bescherte dem Team nach dem ersten Sieg beim Regenrennen in Assen Platz zwei in Hockenheim. Kaum vom Treppchen herabgestiegen sprintete der 19-Jährige ins Fahrerlager der ADAC Formel Masters, weil er nebenbei auch in dieser Serie noch drei Rennen auf dem Terminplan hatte. Vater Horst hatte allen Grund, stolz zu sein: „Wir haben das Auto im Lauf der Saison in vielen Bereichen verbessert. Wir konnten die Traktionskontrolle, die Dämpfer und das ABS weiterentwickeln. Zudem fahren wir jetzt mit einer anderen Fahrzeughöhe und mit anderen Regenreifen. Seit Assen verwenden wir an der Hinterachse eine weichere Mischung, die vorher nicht lieferbar war.“

Das Gastspiel des ADAC GT Masters in Assen gehört in Zukunft allerdings der Vergangenheit an: 2012 sieht der neue Kalender stattdessen ein Rennen in Zandvoort vor. Die Strecke im belgischen Zolder fliegt ebenfalls raus und wird durch ein zweites Rennen auf dem Nürburgring ersetzt. Das Finale bleibt aber weiterhin in Hockenheim. Und wer weiß: Vielleicht jubelt Lurchi dort 2012 ein weiteres Mal?

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