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Ausbildungsstation ADAC GT-Masters

Talent-Schuppen und Rennfahrer-Sprungbrett

ADAC GT Masters Hockenheim 2009 Foto: ADAC GT Masters 33 Bilder

Sieben blutjunge Eisenfüße wollen in der ADAC GT Masters-Serie ihrer Karriere als Rennfahrer den letzten Feinschliff verpassen. Ein Überblick der Junioren, die sich für höhere Aufgaben empfehlen wollen.

13.10.2009 Marcus Schurig Powered by

Wir werde ich bloß Rennfahrer? Die große Frage treibt viele junge Piloten um, die aus den Gokart- und Formelklassen nach oben stürmen. Wer die Starterfelder der deutschen Rennserien durchforstet, die an der Nahtstelle zwischen Profitum und Amateursport liegen, muss festhalten: Ein ganzes Rudel junger Talente hat sich für die ADAC GT Masters als Ausbildungsstation und Sprungbrett entschieden.

Beim fünften Saisonlauf der deutschen GT-Serie am Nürburgring verteilten sich sieben Nachwuchsfahrer auf das 22 Wagen starke Feld. Alle können für sich in Anspruch nehmen, die Zukunft noch vor sich zu haben und nicht älter als 25 Jahre zu sein. Und sie haben fraglos den Speed, es ganz weit nach oben zu schaffen - wie weit nach oben wird freilich erst die Zeit erweisen.
 
Sieben Youngster am Karriere-Anfang
 
Zwei der sieben Youngster glänzten am Nürburgring mit Rennsiegen: Jens Klingmann, der für das Alpina BMW-Team einen B6 GT3 zum Sieg steuerte, ist mit 19 Jahren einer der Jüngsten. Der baumlange Schlacks holte im Zeittraining mit sieben Zehntelsekunden Vorsprung die Pole. Im Rennen konnte er binnen 18 Runden einen Vorsprung von 20 Sekunden herausfahren, den sein Teamkollege Andreas Wirth nur noch heimfahren musste. Nach unzähligen Titeln im Kartsport sattelte Klingmann 2006 in die Formel BMW um - und wurde auf Anhieb Rookie of the Year. Im folgenden Jahr doppelte er mit dem Titelgewinn nach. Nach einer durchwachsenen Saison in der Formel 3 - als Volkswagen-Werksfahrer in einem neuen Team mit wenig Erfahrung - folgte der Schwenk in Richtung Rennwagen mit Dach: Klingmann startet in der GT3-EM sowie im ADAC GT Masters für das Alpina-Team.
 
„Ich halte die GT-Serie für eine gute Ausbildungsstation, um sich als Rennfahrer zu etablieren“, so der Abiturient, der Fahrzeugtechnik studieren will. „Hier fahren viele gute Profis und junge Nachwuchspiloten. Wer sich hier durchsetzt, hat Chancen, es vielleicht nach ganz oben zu schaffen.“ Sein Traum ist klar: „Ich würde am liebsten in der DTM fahren.“
 
Auch im zweiten Siegerwagen des Nürburgring-Wochenendes saß ein junger Pilot mit großen Ambitionen - und einem klangvollen Nachnamen: Luca Ludwig, Sohn von Tourenwagenlegende und Le Mans-Sieger Klaus Ludwig. Er konnte zusammen mit seinem Teamkollegen Marc Hennerici in der Callaway-Corvette von Ernst Wöhr bereits den dritten Sieg in der Saison 2009 einfahren. Der 20-Jährige aus Bonn reduzierte damit den Rückstand auf Tabellenführer Christian Abt (Audi R8) auf fünf Punkte - und hat somit in seinem ersten Jahr im professionellen Rennsport intakte Titelchancen. Erstaunlich: Erst am 5. Oktober 2008 gab Ludwig sein Renndebüt in der Langstrecken-Meisterschaft auf der Nürburgring Nordschleife. Warum der späte Einstieg?
 
Motorsport nicht als einziger Lebensinhalt
 
„Ich war immer ein Motorsportfan, aber meine Priorität Nummer eins war das Abitur. Deshalb habe ich halt spät angefangen.“ Nach dem VLN-Einsatz fuhr Ludwig einen Test in Hockenheim auf der Corvette von Ernst Wöhr, die auch sein Vater zuvor schon in der GT Masters pilotierte. Der Test war ein voller Erfolg. „Ich bin 15 Runden gefahren, und mir fehlten nur ein paar Zehntel auf meinen Vater. Erst da wurde überhaupt die Idee geboren, weiterzumachen.“ Ludwig unterscheidet sich in einer Hinsicht von den anderen Küken im GT-Masters-Zirkus: Zwar liegt sein Fokus hartnäckig auf dem Sport und natürlich will auch er Profirennfahrer werden, aber Ludwig studiert auch Jura in Bonn - was darauf hindeutet, dass der Motorsport nicht mit Biegen und Brechen zum einzigen Lebensinhalt werden muss. „Ich will auf jeden Fall den dritten Platz in der GT Masters halten, vielleicht geht ja sogar noch was in Richtung Titel“, so Ludwig, der dem GT-Sport die Treue halten will: „Ich sehe eine große Zukunft im GT-Sport, nicht umsonst boomt ja auch die deutsche GT-Serie.“
 
Im Titelgefecht trifft Ludwig auf einen weiteren erfolgreichen Youngster im GT-Fahrerlager: Jan Seyffarth steuert bei Abt Sportsline zusammen mit Ex-DTM-Pilot Christian Abt einen Audi R8. Zwar hat Seyffarth zwei Punkte weniger auf dem Konto als sein erfahrener Teamkollege, weil er die beiden ersten Rennen in Oschersleben ausließ, doch seither erwies sich der 23-Jährige als optimale Ergänzung zu Routinier Abt. Die solide Performance kann Insider kaum verwundern: Seyffarth durchlief bereits die Porsche-Nachwuchsförderung und turnt aktuell auch an der Spitze des deutschen Porsche Carrera Cups herum. Die ausgeglichenste Fahrerpaarung im GT Masters-Feld sorgt daher auch immer wieder für Kritik. Nicht wenige im Fahrerlager argumentieren, dass vom Status her dort zwei sogenannte Gold-Piloten zusammenspannen - was eigentlich nicht sein soll. Das macht Seyffarth nicht kirre.
 
Der gelernte Automobilkaufmann hat sein Ziel klar abgesteckt: „Ich will Profi werden.“ Als ganz heißer Tipp gilt in der Szene auch Christopher Mies, mit Jahrgang 1989 ebenfalls einer der Super-Jungen, der sich den Ruf als Eisenfuß jedoch hart erarbeitet hat. So fuhr der Heiligenhauser beim zweiten VLN-Rennen 2009 bei wechselhaften Bedingungen einen wundervollen Dreieinhalb-Stunden-Turn auf dem Cup-Porsche seines Vaters und ackerte sich bis auf Platz drei im Gesamtklassement nach vorn. Seither steht sein Name bei vielen Teamchefs ganz oben im Notizheft. Mittlerweile hat das Phoenix-Team seine Schwingen schützend über das Talent gelegt: Christopher Mies fährt für das Meuspather Vorzeigeteam in der ADAC GT Masters sowie in der GT3-EM. Im Gokart-Sport reichte es bei Mies nur zum Kart-Slalom - aus finanziellen Gründen. Daher wechselte er schnurstracks in Autos mit Dach und fuhr erst im Toyota Yaris Cup und dann im Ford Fiesta Cup. 2008 stieg er in die ADAC Procar Serie auf und wurde in der Division 2 Meister.
 
Neue Generation Rennfahrer
 
Der Industrie-Kaufmann bekommt von Phoenix-Teammanager Dirk Theimann gute Noten: „Er hat uns beim ersten Test in Monteblanco mit dem R8 auf Anhieb überzeugt. Er gehört zur neuen Generation Rennfahrer, die akribisch mit Daten und Videoanalyse arbeiten.“ Gokart und Formelwagen als Rennfahrerschule sind böhmische Dörfer für Christopher Haase, der die wohl außergewöhnlichste Karriere aller Junioren aufweist: Der 21-jährige Kulmbacher betreibt überhaupt erst seit 2006 aktiv Motorsport und stieg - man höre und staune - im Dacia Logan Cup in den Rennsport ein. Dort wurde er auf Anhieb Dritter. Am Ende der Debütsaison gab es einen Test für das GT-Team von Hans Reiter, den Haase mit Bravour meisterte. Weil er mit dem Online-Broker flatex einen zahlungskräftigen Sponsor an Bord hat, übersprang Haase das ganze Kleinwagengedöns und fuhr fortan mit einem 500 PS starken Gallardo in der deutschen GT-Serie.
 
Der Umstieg von Dacia auf Lambo bereitete dem Franken offenbar nicht die geringste Mühe - ein halbes Jahr später war er bereits GT-Champion, im Folgejahr doppelte er mit dem Vizetitel nach. 2009 fährt Haase für Phoenix Racing, eines der besten Teams im GT-Geschäft. Der gelernte Kfz-Mechatroniker hat klare Ziele vor Augen: „Ich will mit dem Motorsport mein Geld zu verdienen und Werksfahrer werden.“ Christopher Haase wohnt in der Eifel und arbeitet bei Phoenix Racing als Kfz-Mechatroniker am Aufbau der Rennwagen - die er dann am Wochenende selbst pilotiert. Sein technisches Verständnis wird von Teammanager Theimann gelobt: „Die Mechaniker hören natürlich sehr stark auf ihn. Wenn er sagt, das Auto ist gut, dann ist das auch so.“ Viele Teammitglieder halten Haase für einen der absolut schnellsten Piloten im Audi R8 und prophezeien ihm eine große Zukunft. „Er gehört zweifellos zu den jungen Piloten mit dem größten Potenzial, denn er betreibt Motorsport ja erst seit vier Jahren - und das auch noch als Quereinsteiger“, bilanziert Teammanager Dirk Theimann.
 
Spätstarter können sich behaupten
 
Haase fährt 2009 mit einem weiteren Überflieger der Szene: Der Schweizer Henri Moser zählt gerade mal 21 Lenze, ist aber schon ein ganz Abgebrühter. 2007 siegte er in der FIA GT3 Europameisterschaft auf einem Ferrari 430 GT3 von Kessel Racing. Wie Haase ist Moser ein Spätstarter und fährt erst seit vier Jahren Rennen. Über die Ferrari Challenge kam er in den GT-Rennsport. Moser, der Jura in Genf studiert und ein exzellenter Golfspieler ist, überzeugt seine Teamchefs mit viel Einsatz: Weil er die Strecke in Spa nicht kannte, aber 2009 bei Phoenix das 24h-Rennen fahren durfte, mietete er sich bei einem 24h-Rennen des Beetle-Cups ein, um die Strecke kennenzulernen. „Er ist ein äußerst intelligenter Fahrer, sehr analytisch“, sagt Theimann. „Sein Speed passt, und die Fehlerquote ist auffallend gering.“
 
Und schließlich wäre da noch einer im ADAC GT Masters-Feld, von dem viele sagen, er gehöre da eigentlich gar nicht hin: Frank Kechele. Der junge Mann gehörte einst zur Garde der hoffnungsvollen Formel-Aspiranten, gewann im Gokart Meisterschaften, siegte auch in den unteren Formelklassen und gewann Rennen in der Formel 3. Doch eine längere Krankheit sowie der Mangel an randvoll gefüllten Geldspeichern ließen die Hoffnungen auf die ultimative Formel-Karriere versanden. „Die Topteams in der Formel 3 rufen bis zu 500.000 Euro pro Saison auf - da war das Ende der Fahnenstange für mich erreicht“, so Kechele. Der 23-Jährige aus Nördlingen suchte einen Ausweg - und wechselte 2008 in die deutsche GT-Serie, wo er die Saison prompt auf Platz drei beenden konnte. 2009 pilotiert er bei Argo Racing einen Audi R8. Der begeisterte Biathlet bereut den Umstieg nicht: „Die guten Ergebnisse haben Interesse geweckt. Ich hoffe, dass ich mein Berufsziel, Werksfahrer zu werden, über die GT-Schiene erreichen kann.“ Sowohl für Kechele als auch die anderen Junioren soll also die GT-Serie ihre drängendste Frage lösen: Wie werde ich bloß Rennfahrer?

DatumStrecke
11.04.- 13.04.2009Oschersleben (D)
08.05.- 10.05.2009Assen (NL)
05.06.- 07.06.2009Hockenheim (D)
03.07.- 05.07.2009EuroSpeedway (D)
21.08.- 23.08.2009Nürburgring (D)
18.09.- 20.09.2009Sachsenring (D)
16.10.- 18.10.2009Oschersleben (D)
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