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Datensicherheit im Auto

Hersteller sammeln reichlich Daten

Renault Zoe Intens, Infotainment Foto: Achim Hartmann

Moderne Pkw sind fahrende Computer, die ständig Daten erheben, speichern und senden. Eine ADAC-Untersuchung zeigt: die Hersteller sammeln Informationen in großer Menge, für Verbraucher gibt es allerdings keine Transparenz.

31.05.2016 Uli Baumann

Der ADAC wollte wissen welcher Hersteller in welchem Modell welche Daten erhebt und hat deshalb eine Mercedes B-Klasse, einen Renault Zoe, einen BMW 320d und einen BMW i3 untersucht. Das Ergebnis: Die Hersteller sammeln vielfältige Daten, die unter anderem Rückschlüsse auf den technischen Zustand des Pkw oder das Nutzungsprofil des Fahrers zulassen.

ADAC DatenFoto: ADAC
Diese Steuergeräte erheben Daten im Auto.

Ferndiagnose und Fahrprofile

Bei der Mercedes B-Klasse, die mit dem System me-connect ausgestattet ist, fanden die vom ADAC beauftragten Experten beispielsweise heraus, dass das System etwa alle zwei Minuten die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Kilometerstand, Verbrauch oder Reifendruck an den Hersteller übermittelt. Auch die Zahl der Gurtstraffungen wird gespeichert, etwa aufgrund starken Bremsens.

Beim Elektroauto Renault Zoe fiel auf, dass der Hersteller via Mobilfunkverbindung beliebige Informationen auslesen und im Pannenfall Ferndiagnosen vornehmen kann. Außerdem kann Renault das Aufladen der Batterie verhindern, etwa aufgrund nicht bezahlter Leasing-Rechnungen.

Bei den BMW-Fahrzeugen, die bereits im August 2015 untersucht wurden, konnten die IT-Experten im Datensatz unter anderem die Anzahl der eingelegten CDs und DVDs (320d) bzw. die 100 letzten Abstellpositionen des Autos (i3) auslesen.

Kunde sollte selbst über Daten entscheiden können

Der Datentransfer birgt sowohl Chancen als auch Risiken. Es kann ein Vorteil sein, an Wartungsintervalle erinnert zu werden oder den in einer fremden Stadt geparkten Wagen wiederzufinden. Nachteilig kann sich auswirken, dass die Autokonzerne und die nachgelagerten Versicherungen oder Finanzdienstleister Informationen über den Fahrstil eines Autolenkers bekommen und entsprechend ihre Prämien anpassen.

Entscheidend ist, dass Verbraucher detailliert Kenntnis über die Art des Datenaustausches erhalten und diesem aktiv zustimmen. "Der Verbraucher hat nicht nur einen Anspruch auf Datentransparenz. Er muss auch frei wählen können, ob und welche Daten er dem Hersteller zur Verfügung stellt. Er braucht Wahlfreiheit für den Datentransfer“, betont Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik.

Dies beinhaltet, dass der Nutzer auch anderen Anbietern als herstellereigenen Werkstätten oder Pannendiensten freien Zugang zu allen Daten im Auto erteilen können muss. Die Sicherheit der Daten muss ebenfalls gewährleistet sein.

Ergebnisse im Detail

Bei der Mercedes B-Klasse wurden folgende auffällige Daten gefunden:

  • etwa alle zwei Minuten werden die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Statusdaten an das Mercedes-Backend übertragen (z.B. Kilometerstand, Verbrauch, Tankfüllung, Reifendruck und Füllstände von Kühlmittel, Wischwasser oder Bremsflüssigkeit)
  • Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen wird gespeichert, etwa aufgrund starken Bremsens (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil)
  • Fehlerspeicher-Einträge werden teilweise mit Informationen über zu hohe Motodrehzahl oder -temperatur abgelegt (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil)
  • gefahrene Kilometer auf Autobahnen, Landstraßen und in der Stadt („highway-conditions“, „road-conditions“ und „urban-conditions“) werden getrennt gespeichert (erlaubt Rückschlüsse auf das Nutzungsprofil)
  • Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung werden gespeichert
  • die letzten 100 Lade- und Entladezyklen der Starterbatterie werden mit Uhrzeit und Datum sowie Kilometerstand gespeichert, woraus sich Fahr- und Standzeiten ergeben

Beim Renault Zoe wurden folgende auffällige Daten gefunden:

  • das Aufladen der Antriebsbatterie kann von Renault via Mobilfunkverbindung jederzeit unterbunden werden (etwa aufgrund nicht bezahlter Leasing-Rechnung für die Antriebs-Batterie)
  • Renault kann via RemDiag beliebige Informationen vom CAN-Datenbus des Fahrzeugs via Mobilfunkverbindung mitlesen. Diese Ferndiagnose ist standardmäßig ausgeschaltet, kann aber vom Hersteller jederzeit aktiviert werden
  • bei jeder Fahrt, spätestens jedoch alle 30 Minuten, wird ein Datenpaket an Renault gesendet, das mindestens enthält: VIN, div. Seriennummern, Datum, Uhrzeit, GPS-Position, Temperatur, Ladung und Zellspannung der Hochvolt-Antriebsbatterie; diese Informationen können von Renault auch jederzeit angefordert werden
  • neben den fest einprogrammierten Funktionen der Kommunikation zwischen dem Renault-Server und dem Renault Zoe können diese Funktionen via Mobilfunkverbindung beliebig erweitert werden

Vergleich zur 2015er-Untersuchung von BMW 320d und BMW i3

Im Vorjahr wurden vom ADAC im Auftrag der FIA ein BMW 320d und in Auszügen ein BMW i3 untersucht. Im Großen und Ganzen sind die Ergebnisse von BMW 320d und Mercedes B-Klasse vergleichbar, auch wenn es Unterschiede im Detail gibt, was sich teilweise durch die unterschiedliche Ausstattung der Fahrzeuge erklärt. Verschleiß- und Nutzungsdaten werden hauptsächlich bei entsprechend belasteten oder in der Lebensdauer beschränkten Teilen erhoben. Speziell Motor und Getriebe nehmen dabei eine besondere Rolle ein. Persönliche Daten fallen in der Headunit (zentrales Infotainment-Bedienteil) an, insbesondere wenn bei per Bluetooth gekoppeltem Telefon die Telefonkontakte mit der Headunit synchronisiert werden. Über die Mobilfunk-Schnittstelle des Telematik-Steuergerät werden ähnliche Daten zum jeweiligen Hersteller übertragen, auch wenn sich die Funktionalität beider Fahrzeuge hier stark unterscheidet, da viele Möglichkeiten von ConnectedDrive des BMW beim Mercedes-Benz in der vorgegebenen Ausstattung nicht vorhanden sind.

Die Untersuchungsumfänge von BMW 320d, i3, Mercedes B-Klasse und Renault Zoe sind nicht identisch und können daher nicht direkt verglichen werden.

Beim BMW 320d wurden im Jahr 2015 folgende auffällige Daten gefunden:

• erreichte Maximal-Drehzahl des Motors mit jeweiligem Kilometerstand (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil)

• Anzahl der Fahrtstrecken zwischen null und fünf, fünf und 20, 20 und 100 sowie über 100 Kilometer (erlaubt Rückschlüsse auf das Nutzungsprofil)

• Dauer, wie lange der Fahrer in verschiedenen Modi des Automatikgetriebes (Dauer/Manuell/Sport) unterwegs war (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil)

• Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung, getrennt nach einzelnen Lichtquellen

• Zahl der Verstellvorgänge des elektrischen Fahrersitzes (erlaubt Rückschlüsse auf Anzahl der Fahrer)

• Anzahl der eingelegten Medien des CD-/DVD-Laufwerks (erlaubt Rückschlüsse auf Intensität der Nutzung der Baugruppe)

• Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen, etwa aufgrund starken Bremsens (erlaubt Rückschlüsse auf den Fahrstil)

Das Elektro-Auto BMW i3 übermittelt per sogenanntem "Last State Call“ (automatisch nach jedem Ausschalten der Zündung und Absperren des Fahrzeuges) unter anderem folgende auffällige Daten an den Hersteller:

• Inhalt der Fehlerspeicher

• detaillierte Daten der Antriebsbatterie (Ladezustand, Zelltemperaturen usw.)

• Intermodale Verbindungspunkte (an denen in andere Verkehrsmittel wie Bus und Bahn umgestiegen wurde)

• gewählter Fahrmodus ECO/ECOPLUS/SPORT

• Einsatzdaten des benzingetriebenen Reichweiten-Verlängerers (REX)

• wie oft wurde der Ladestecker eingesteckt

• wie und wo wurde geladen (schnell, teilweise usw.), wie stark war die Antriebsbatterie zuvor entladen worden

• Kilometerstand bei verschiedenen Bedien-Vorgängen wie Laden etc.

• Qualität der Ladespannung, Ausfälle

• Position der 16 zuvor benutzten Ladestationen

• rund 100 letzte Abstellpositionen des Fahrzeuges (nur direkt aus Steuergerät auslesbar)

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