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Adler Standard 6 und 8 von Walter Gropius - Verkannte Genies

Foto: Archiv Hanus, Bauhaus-Archiv Berlin, AKG-Images 11 Bilder

Bauhaus-Gründer Walter Gropius entwarf für Adler hochkarätige Luxuswagen von dezenter Eleganz. Leider blieb es nur bei einer Handvoll dieser Prestige-Automobile, von denen keines überlebte. Eine Spurensuche von Egon R. Hanus.

11.09.2007 Powered by

Ich war keine fünfzehn und trug kurze Hosen, und dennoch erinnere ich mich noch heute an den starken Eindruck, den ein Adler Cabriolet im Jahr 1932 bei einem Concours d’Elégance bei mir hinterließ, nämlich eines der von dem Architekten Walter Gropius für das Frankfurter Unternehmen gezeichneten Modelle. Die Adler Gropius waren ästhetisch hochinteressante Elite-Produkte, aber weder wurden sie jemals richtig verstanden noch erreichten sie einen wirtschaftlichen Erfolg. Ihre Bedeutung blieb zeitlich beschränkt und kein einziges Exemplar hat überlebt. Eine verblasste Erinnerung an sie kann man in wenigen schriftlichen Erwähnungen und in noch weniger Fotos finden. Das ist alles, was übrig geblieben ist.

Ein Leben mit Adler, Gropius und Reuters

Doch dieser Aufsatz wird nicht nur von Adler, sondern auch von meinem Leben handeln. Wie kam ich als Schüler ausgerechnet auf die Marke Adler? Nun, mein Klassenkamerad und Banknachbar im damaligen Jugoslawien war der Enkel des Adler-Vertragshändlers, und das Werbematerial, das er mir regelmäßig mitbrachte, hat neben den Zeitschriften, Katalogen und Fotos meine Vorliebe zur Marke Adler geweckt. Meine Materialsammlung wuchs ständig und mit ihr auch mein Interesse für das Automobil und seine Geschichte.

Weiterhin interessierte ich mich für die zeitgenössische Werbegrafik auf dem Automobilsektor, und so konnte es nicht ausbleiben, dass ich auf die Anzeigen von Bernd Reuters aufmerksam wurde und sie aus Magazinen zu sammeln begann. Auch habe ich es Reuters zu verdanken, dass ich selbst Autos zu zeichnen begann, indem ich seinen Stil zu kopieren versuchte.

Als ich mit dem Schreiben über Autos begann, widmete ich ihm einen langen Artikel mit zahlreichen Reproduktionen seiner Werke. Von einer seiner Bildtafeln angeregt, ging ich das Thema Gropius 1956 zum ersten Mal an. Nach Recherchen in Bibliotheken und bei Antiquaren entdeckte ich 1956 endlich in Stuttgart einen größeren Posten Zeitschriften der 30er Jahre. Darin befanden sich auch zwei von Bernd Reuters gestaltete Adler-Anzeigen, eine davon zeigte das von Gropius gezeichnete Adler Cabriolet.

50 Jahre Vorbereitung für diesen Artikel

Diese Reuters-Zeichnung war mithin der Auslöser für die Idee, in Erinnerung an damals etwas darüber zu schreiben. Nun, seit 1956 sind gut 50 Jahre vergangen, für die Vorbereitung eines Artikels sicher eine Zeitspanne, die rekordverdächtig ist. Im Telefonbuch von Rom fand ich damals die Telefonnummer des Kunsthistorikers Giulio Carlo Argan, den ich um Gropius’ Adresse in den USA bat.

Ich schrieb dem berühmten Architekten einen Brief und erhielt, zusammen mit seiner Antwort, acht Originalfotos. Es ist mir nicht ganz klar, warum ich das Thema seinerzeit nicht vertieft habe, obwohl Gropius anscheinend bereit war, von seinen Adler-Entwürfen zu sprechen. Wie auch immer, die Briefe blieben fast 50 Jahre in einem Ordner und die Fotos in einer Schublade. Vergessen wurden sie allerdings nie.

Sie wurden bei mehreren Gelegenheiten benutzt, jedoch nie als Grundlage jenes Aufsatzes, den ich zu schreiben vorhatte. Als mir 1969 ein Artikel für meine Zeitschrift La Manovella fehlte, schrieb ich etwas über Adler und veröffentlichte einige der Fotos. Um das Kapitel über den Karosseriebauer Neuss in meinem Lexikon Mille Ruote zu illustrieren, veröffentlichte ich ein Foto des Cabriolets.

Raymond Loewy zitiert und Gropius’ Adler-Entwürfe?

1977 erschien von dem bekannten Automobil-Historiker und ehemaligem auto motor und sport-Redakteur Werner Oswald der Band "Deutsche Autos 1920-1945", der auch ein Kapitel über Adler und einen kurzen Passus über Gropius enthielt. Gerade zur rechten Zeit, um meinen Vortrag für die Tagung "Carrozzeria italiana, cultura e progresso" im November 1978 im Palazzo delle Esposizioni in Rom vorzubereiten.

Basierend auf Oswalds Text sprach ich über Gropius und seine Adler, wobei ich aber im Gegensatz zu Oswald behauptete, dass Gropius Wichtigeres zu tun gehabt habe und deshalb von den Karosseriebauern ferngeblieben sei. Als Freund Heinrich Kleyers, des Gründers der Adler-Werke, habe er sich nämlich darauf beschränkt, einer Reihe von Wagen seinen Namen zu geben, die jedoch von Mitarbeitern gezeichnet worden seien. Bei der Gelegenheit stellte ich fest, dass der französisch-amerikanische Designer Raymond Loewy, der in seinem Namen den Achtzylinder Hupmobile entworfen hat, Gropius’ Adler-Entwürfe vor Augen gehabt haben könnte.

In der Tat wies das Modell 1932 das gleiche Gesamtbild auf: Kotflügel, Trittbretter und die vertikale Struktur des Entwurfs erinnerten sehr an Gropius’ Adler. Zu den Extras zählten riesige, verchromte Radkappen, die sowohl für den Adler als auch für den Hupmobile typisch, aber bestimmt nicht sehr funktional waren. Auf jeden Fall schien Loewys Entwurf ein stilles Kompliment an den deutschen Architekten zu sein.

Widersprechende Angaben zu den Produktionszahlen

Abgesehen von der Polemik, mit Werner Oswald über die eigentliche Urheberschaft der Adler Gropius zu argumentieren, wurde der vorliegende Artikel auch von einem Satz seines Buchs von 1977 veranlasst, der die Produktionszahl angibt: drei Limousinen und drei Karmann Cabriolets. Da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass sich ein bedeutender Hersteller wie Adler auf wenige Limousinen und einige Cabrios beschränkt haben sollte, begann ich meine Recherchen.

Beim zufälligen Durchblättern der deutschen Zeitschrift Motor, Jahrgang 1931, fand ich das Foto eines Wiesbadener Concours, das nicht weniger als fünf Adler mit Neuss-Karosserie zeigte. Die Zahlen variieren fatalerweise je nach Autor und dem Jahr der Veröffentlichung. In Oswalds "Deutsche Autos 1920-1945" von 1977 werden drei Limousinen (Neuss) und drei Cabriolets (Karmann) genannt; in seinem Buch "Adler Automobile 1900-1945" von 1981 nennt er drei Limousinen (Neuss) und ein Cabriolet (Neuss) sowie ungefähr 20 Cabriolets (Karmann). In Rupert Stuhlemmers "85 Jahre Berliner Automobilausstellungen 1897-1982" von 2001 liest man, dass die Gesamtzahl der Adler Gropius (Neuss plus Karmann) 30 Exemplare betragen haben soll.

In einem Datenblatt des Bauhaus-Archivs, datiert 27. Oktober 1998, ist von den Karmann-Versionen absolut keine Rede. Das gleiche Datenblatt in Englisch sagt aus, dass von den Adler Gropius je ein Exemplar gebaut worden sei, d.h. je eine Sechszylinder- und eine Achtzylinderlimousine. Im Dokument selber ist allerdings von sechs- und achtsitzigen Fahrzeugen und einem nicht näher bezeichneten Sportwagen von 1931 die Rede!

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