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Ärzte warnen

Millionen Autofahrer unter Medikamenten-Einfluss

Medikamente Foto: dpa

In Deutschland setzen sich Millionen Autofahrer hinters Steuer, obwohl ihre Fahrtüchtigkeit durch Medikamente beeinträchtigt ist. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) werden unter dem Einfluss von Arzneien inzwischen mindestens ebenso viele Unfälle verursacht wie unter Alkoholeinfluss.

12.03.2009

Das Medikamentenproblem im Straßenverkehr werde massiv unterschätzt, sagte DGVM-Präsident Prof. Rainer Mattern am Donnerstag (12.3.) zum Auftakt des Jahreskongresses seiner Organisation im niedersächsischen Goslar.

Sieben Prozent aller Unfälle durch Medikamente verursacht

Bis zu sieben Prozent der jährlich rund 2,2 Millionen Verkehrsunfälle in Deutschland seien auf medikamentenbedingte Fahruntüchtigkeit zurückzuführen, sagte Mattern. Dadurch werde ein
volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von mehreren Milliarden Euro verursacht. Anders als für Alkohol und Drogen gebe es für Arzneien keinerlei Grenzwerte.

Fahruntüchtigkeit werde in erster Linie durch Schlaf- und Beruhigungsmittel sowie durch Psychopharmaka verursacht, sagte Mattern, der an der Universität Heidelberg das Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin leitet. Probleme könnten aber zum Beispiel auch durch blutdrucksenkende Mittel oder überdosierte Schmerzmittel entstehen. Vor allem ältere Menschen nähmen zum Teil mehrere Medikamente gleichzeitig, wobei die Wechselwirkung und damit die Folgen für die Fahrtüchtigkeit oftmals nicht ausreichend erforscht seien.

Ärzte müssen besser beraten

Ärzte stünden in der Pflicht, ihre Patienten besser über die Folgen der Arzneimitteleinnahme aufzuklären, sagte Mattern. Vielfach verfügten die Mediziner aber selbst nur über unzureichende Kenntnisse. Denn Verkehrsmedizin sei nicht Bestandteil der Ausbildung. Auch Polizisten seien nicht genügend informiert. Nach Verkehrsunfällen kämen sie daher nur selten auf die Idee, dass Medikamente im Spiel gewesen sein könnten. Die Folge: Eine arzneimittelbedingte Fahruntüchtigkeit werde noch seltener entdeckt als eine alkoholbedingte.

Es sei an der Zeit, über Grenzwerte zu diskutieren, sagte Mattern. Sein Vorschlag: Wer das Doppelte oder Dreifache der therapeutisch angezeigten Dosis eines Medikamentes eingenommen habe, sollte als fahruntüchtig gelten.

Ohne Grenzwerte Eigenverantwortung gefordert

Mattern wies darauf hin, dass Autofahrer letztlich selbst dafür verantwortlich seien, wenn sie durch Medikamente fahruntüchtig werden. Der DGVM-Präsident appellierte deshalb an alle
Verkehrsteilnehmer, sich zu informieren und nach der Einnahme von Arzneimitteln stets selbstkritisch auf die Fahrfähigkeit hin zu überprüfen. Der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin gehören rund 300 Mitglieder an, vor allem Mediziner, aber auch Wissenschaftler anderer Fachrichtungen, wie Toxikologen oder Psychologen.

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