Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Akrapovic-Auspuffanlagen

Volles Rohr Titan-Auspuff

Akrapovic, Werksbesuch Foto: Akrapovic 24 Bilder

Dicke Endrohre, fetter Sound – bei Akrapovic gibt's was auf die Ohren. Seit 2008 nicht nur für Motorräder, sondern auch für Autos. Und was für welche: Selbst für Audi RS6, BMW M3 oder Porsche GT3 findet Akrapovic Lösungen mit weniger Gewicht, aber mehr Leistung und sportlicherem Sound. Besuch im Auspuff-Mekka.

29.11.2014 Gerd Stegmaier Powered by

In der Titan-Gießerei – ja, die gibt es bei Akrapovic – steht neben dem Eingang zum schallgeschützten Chefbüro eine Glasvitrine. Ausgestellt sind beispielsweise Krümmerflansche aus Stahl und Titan: Das faustgroße Rohrstück aus Edelstahl liegt stabil und schwer in der Hand, geworfen würde es gefühlt eine Sicherheitsglasscheibe durchschlagen. Das gleiche Trumm aus Titan lässt die "gestählte" Hand unwillkürlich Richtung Hallendecke fahren, so überraschend ist die Leichtigkeit. Titan ist etwa halb so schwer wie Edelstahl – und gut zehn Mal so teuer.

PS mit funkenschlagenden Hufen

Und was ist das? Ein Hufeisen? Aus Titan? Hat nur indirekt mit Pferdestärken zu tun, zumindest nicht mit denen von Supersportwagen wie dem Lamborghini Aventador. Für den bietet Akrapovic neuerdings einen Klappenauspuff an – für schlappe 13.000 Euro. Der anschließend urgewaltige Klang des V12 soll es wert sein – Italienern wird ja eine Schwäche für den dramatischen Auftritt nachgesagt. Da passen die Hufeisen ins Bild: Sie sind für berittene Carrabinieri. Nicht des satteren Hufgetrappels wegen, sondern weil die Titanteile auf Kopfsteinpflaster so herrlich Funken schlagen, erklärt Aleš Mikuž, Chef der Gießerei, lachend. "Italiener", meint er entschuldigend und schüttelt den Kopf.

Aber auch ernsthafte Exponate in seiner Vitrine sind spannend: Ein pistolenförmiges Teil mit Kugelgriff und Messerspitze zeigt die Suche von Akrapovic nach anderen Betätigungsfeldern für die Expertise, die man sich in der Titanverarbeitung erworben hat: Akrapovic baut auch künstliche Schulter- und Hüftgelenke.

Akrapovic - vom Motorrad-Rennsport zum Serien-Auto

Der Mix aus nüchterner Ingenieurs-Expertise und kindlicher Begeisterung für Krawall ist die charakterbildende Kombination für das Unternehmen. Bis in die 90er war Igor Akrapovic ein wilder Motorradrennfahrer, immer auf der Suche nach mehr Speed. Auch mit Technik-Tüftelei. Schnell identifizierte er den Auspuff als lohnendstes Ziel für Optimierungen. Und bald verhalf Akrapovic auch Freunden zu Leistungssteigerungen um etwa zehn Prozent, fülligeren Drehmomentkurven und mehr Drehvermögen. Die Lautstärke spielte bei Rennmotorrädern eine untergeordnete Rolle, für den Klang entwickelte der Slowene hingegen bald Sensibilität. Firmenangehörige berichten ehrfurchtsvoll von einem Audioraum mit hochwertiger Stereoanlage im Haus des heute 55-Jährigen, der immer noch der erste Kritiker am Klang neuer Produkte des Hauses ist. Wer mal hören will, welche Auswirkungen Akarapovic-Analgen auf den Klang haben, der kann sich hier beispielhaft einen Audi R8 mit Werksauspuff und mit Akrapovic-Anlage (mit geschlossener und offener Klappe) im Vergleich anhören.

Als Motorradrennfahrer blieben die Erfolge von Akrapovic überschaubar, als Auspuffspezialist sammelt sein Unternehmen Titel wie Eichhörnchen Nüsse im Herbst: 94 Titel im Motorsport sind es bislang. Allein 2012 gingen 14 WM-Titel an Motorsport-Teams, die Akrapovic mit seinen Auspuffanlagen versorgte.

Akrapovic baute auch Formel-1-Auspuffanlagen

2004 bauten die Slowenen gar die Anlage für das Formel-1-Team BrawnGP – was aber schwer an die große Glocke zu hängen war, weil in der Königsklasse auch der für ein Sponsoring zahlen muss, der einfach sein Logo nicht von seinem eigenen Produkt kratzen will. Inzwischen ist die Expertise von Akrapovic auch im Automobilrennsport unbestritten: BMW vertraut in der DTM auf die Anlagen von Akrapovic, Audi in Le Mans, Aston Martin in der Langstrecken-WM. Und Akrapovic macht keine Produkte mehr, auf denen nicht das rote Logo prangt.

Seit 2008 macht Akrapovic für Autos, womit man 1999 mit Motorrädern begonnen hatte: Auspuffanlagen für Straßenfahrzeuge zum Nachrüsten. Den Anfang des Vierrad-Engagements bildete gleich ein Hersteller-Auftrag: 2007 wollte Porsche eine Highend-Anlage für den 911 GT2 RS. Den bisherigen Topseller für den Aftermarkt legte Akrapovic dann schon 2008 auf und baut ihn noch heute: Eine Titananlage für den M3 der Baureihe E92. Die bringt bis zu 22 PS mehr Leistung, rund 35 Nm mehr Drehmoment und spart satte 23,9 Kilogramm Gewicht – für gut 5.600 Euro.

Video zum Akrapovic-Auspuff für den neuen BMW M4

23 Akrapovic-Auspuffanlagen für ein Motorrad

Während unseres Rundgangs röhrt immer wieder ein mehrzylindriges Motorradtriebwerk durch die Hallen. Später sehen wir in der Rennsportabteilung eine Moto-GP-Maschine auf einem Prüfstand. Ein Typ mit Helm beschleunigt den Renner und die Rolle, auf der das Hinterrad steht, immer wieder durch. Bis zu 800 Mal, denn jede Messung wird zweimal wiederholt und für ein Rennmotorrad gibt es mehr als einen Auspuff: Teils optimieren 23 verschiedene Anlagen den Motor auf unterschiedliche Anforderungen und Strecken. Im üppig dimensionierten Prüfstand für Autos (mit vier Rollen) steht ein zweisitziger Sportwagen einer italienischen Marke – eines der demnächst startenden Auspuffprodukte von Akrapovic. Am einen Ende der Halle entsteht nicht nur heiße Luft aus dem Auspuff, sondern auch ordentlich Wind: Der slowenische Spezialist testet auch Aerodynamik und thermisches Verhalten seiner Prototypen. Was sich sogar Sportler zunutze machen: Skispringer aber auch das slowenische Ski-Alpin-Ass Tina Maze standen schon hier und nutzten den Hallensturm, um ihre Abfahrts- oder Sprunghaltung zu optimieren.

Highlights für Autofreaks sind bei dem Besuch aber produktzentrierte Darbietungen: Die Mitfahrt in einem aktuellen Audi RS6, der beim Beschleunigen Strömungsgeräusche macht wie ein Jet-Triebwerk und ab ca. 4000 U/min beim Gaswegnehmen sprotzelt wie ein Topf Popcorn, sowie der kurze Probelauf des neuen Porsche 911 GT3 RS. Der „Testwagen“ steht in einer Halle, Heckschürze und Lichter fehlen, was dem 991er einen brachialen Mad-Max-Look beschert und den Blick freigibt aufs Wesentliche: Eine Auspuffanlage im Flak-Format. After Sales Manager Primoz Asenberger steigt ein, lässt an und jagt ein paar Gasstöße durch die Halle – die Trompeten von Jericho? Sind daneben ungefähr so beeindrucken wie die Hupe des Goggomobils. Ein Bein auf dem lackierten Betonboden, denn anderen auf dem Gaspedal wippend schaut uns Asenberger in die Gesichter und strahlt. Whäm, whäm, whäm – da war sie wieder, die Mischung aus ernsthaftem Ingenieur und der kindlichen Begeisterung für Krach, den Verbrennungsmaschinen zu machen in der Lage sind.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk