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sport auto-DriftChallenge 2010 - Fazit

Lustvolle Quertreiberei der Drift-Profis

DriftChallenge 2010 66 Bilder

Die DriftChallenge beim sport auto-Aktionstag am Hockenheimring steht traditionell im Zeichen von Reifenqualm und größtmöglicher Driftwinkel statt Linientreue und maximaler Speed. Anno 2010 kämpften über 70 Teilnehmer aus neun Nationen um Ruhm und Quere.

26.06.2010 Anja Wassertheurer Powered by

Nationalflaggen, Totenköpfe, springende Pferde, grellbunte Lackierungen und mächtiges Flügelwerk - dass es bei der 2010 zum zwölften Mal ausgetragenen sport auto-DriftChallenge am Hockenheimring auch und vor allem um die Show geht, ist unschwer zu erkennen. Wer in Anbetracht des wilden Outfits der am Pfingstsamstag angetretenen Boliden auf eine Jedermann-Fun-Veranstaltung tippt, irrt dennoch: Nie war die ursprünglich in Japan beheimatete Veranstaltung rund um die lustvolle Quertreiberei professioneller denn heute.

DVD Tuner-Grand Prix und DriftChallenge Hockenheim 2010: Bewegte Highlights vom Aktionstag 1:18 Min.

Wer  in einem Drift-Wettbewerb die Nase vorn haben will, muss perfekt gerüstet sein

Uralte 3er-BMW mit ausgelutschten Federbeinen und aufschlagenden Türen oder nach einem Fahrfehler munter über den badischen Rollrasen kullernde Opel Omega waren gestern. Wer heutzutage in einem europäischen Drift-Wettbewerb die Nase vorn haben will, tut gut daran, perfekt gerüstet zu sein. Überrollkäfig, konsequenter Leichtbau, Fly-Off-Handbremse und Leistungen jenseits 300 PS sind längst kein überflüssiger Luxus mehr, sondern absolute Notwendigkeit. Papas alter Fünfer tut‘s nicht mehr, wenngleich die Fahrzeuge mit dem weiß-blauen Propeller auf der Haube und der Niere im Kühlergrill in der Drift- Szene immer noch den Ton angeben - bevorzugt gar die hecklebendigen Exemplare der Baureihen mit den internen Kürzeln E30 und E36. Einzig die Nissan Silvia mit den Kennungen S13, S14 und S15 sowie hin und wieder ein amerikanisches PS-Monster vom Schlage eines Ford Mustang können dem quirligen Temperament der alten BMW Paroli bieten.

Der TwinBattle eine der Herausforderungen auf der DriftChallenge 2010

Par Excellence bewiesen hat das im Rahmen der sport auto-DriftChallenge der Luxemburger Yves Faber. Unter den gleichermaßen kritischen wie erfahrenen Augen des aus Belgien stammenden europäischen Top-Jurors Andy Jaenen bescherte Faber der Konkurrenz graue Haare. Wobei es weniger die spektakulären Driftwinkel als vielmehr das hartnäckige "Schattenfahren" des Luxemburgers war, das dem Mustang-Piloten letztlich zum Sprung auf den zweiten Platz des Podiums verhalf. Im Rahmen der längst auch in Europa zum Standard jeder namhaften Driftveranstaltung gewordenen Königsdisziplin - der TwinBattle, bei der jeweils zwei Fahrzeuge gleichzeitig in wechselnder Reihenfolge auf die Strecke gehen - kommt es nämlich nicht allein auf die Güte und Schönheit des zumeist per Handbremse ausgelösten Drifts an.

Taktik, Aggressivität und Fahrstrategie spielen eine nicht minder entscheidende Rolle, wie Andy Jaenen am Beispiel des Aufeinandertreffens von sport auto-Pilot Uwe Sener und Yves Faber im Viertelfinale erklärt. "Prinzipiell hat Uwe in seinem BMW zwar den größeren Driftwinkel (siehe Foto auf Seite 22), aber Yves bleibt mit seinem Ford Mustang ganz dicht auf und bricht den Drift nicht ab, obwohl er deutlich Geschwindigkeit herausnehmen muss. Im Zweifel entscheiden diese Hartnäckigkeit und Aggressivität in der Verfolgung über das Weiterkommen in die nächste Runde." Sprach‘s und kürte von einem wütenden Pfeifkonzert des zahlreichen Publikums lautstark untermalt nach einem Stechen schweren Herzens den Luxemburger zum Sieger dieser Paarung. "Uwe ist zweifellos super gedriftet, konnte Yves schlussendlich aufgrund seines deutlich leistungsschwächeren BMW aber nicht ausreichend Paroli bieten."

Grundsätzlich ist das Driften zwar keine Kontaktsportart - aber ehe der Drift vorzeitig endet?

Dabei hatte der sport auto-Testfahrer zuvor noch den zweifachen Single-Drift-Meister und TwinBattle-Novizen Werner Gusenbauer in seinem 581 PS starken MKB-Mercedes Mores gelehrt: "Der Uwe hat mich so richtig gelinkt", kommentiert der Fahrinstruktor das taktische Geschehen später augenzwinkernd. "Er ist einfach langsamer geworden und hat mich auflaufen lassen, da musste ich Gas wegnehmen und den Drift abbrechen." Andere, TwinBattle-erfahrenere Piloten, allen voran der Niederländer Remmo Niezen, gehen da weniger zimperlich ans Werk. Grundsätzlich ist das Driften zwar keine Kontaktsportart - aber ehe der Drift vorzeitig endet? Da lehnt man sich doch lieber mal sanft an. So geschehen im Viertelfinal-Lauf mit dem am 22. Mai exzellent aufspielenden Luxemburger Rohan van Riel. Niezen nahm für den Einzug ins Halbfinale, in dem er mit Landsmann und Markenkollege Lars Verbraeken auf einen weiteren Big-Shot der Szene traf, gern ein paar leichte Blessuren am Lack seines blau-grünen Falken-BMW E30 in Kauf. Zwischen die hinteren Stoßstangen der beiden Konkurrenten "passte keine Bildzeitung", wie das aus Lars Gutsche und Patrick Simon bestehende Kommentatoren-Duo befand.

Unterm Strich biss sich aber nicht nur der Luxemburger M5-Pilot die Zähne an dem mental wie materialseitig perfekt konditionierten Holländer aus. Gegen 450 aus fünf Liter Hubraum stammende, auf gerade einmal 1.100 Kilo Lebendgewicht treffende Pferdestärken hatten in der Folge auch der Niederländer Lars Verbraeken (Halbfinale) und der bereits erwähnte Luxemburger Mustang-Pilot Yves Faber (Finale) keine Chance. Beide Fahrer zählen zur Crème de la Crème der europäischen Driftelite. Doch Verbraeken konnte im Halbfinale nichts ausrichten - er startete mit seinem Ersatzauto, das 130 PS weniger leistete als der BMW von Niezen. Remmo bleibt eben Remmo und zumindest bei den sport auto-Drift-Events eine Klasse für sich. Was freilich nicht darüber hinwegtäuschen soll oder darf, dass das Niveau insgesamt seit den Anfangstagen des Jahres 1999, als das Driften dank sport auto in Deutschland und Europa gleichsam Laufen lernte, deutlich gestiegen ist.

"Das ist die hohe Kunst der Fahrzeugbeherrschung"

Mit den Kurvenausgangsdrifts der frühen Jahre haben die aktuellen Veranstaltungen längst nichts mehr gemein. Selbst sport auto-Chef Horst von Saurma hat in Anbetracht der zunehmenden Expertise der europäischen High-End-Drifter in diesem Jahr endgültig seinen Rücktritt vom bislang nie erfolgten, grundsätzlich aber stets gewollten Antritt erklärt: "Wenn ich sehe, wie weit vor der Kurve die Jungs den Drift einleiten, dann weiß ich, dass ich die Segel streichen muss. Das schüttelt man nicht mal eben so aus dem Handgelenk - das ist die hohe Kunst der Fahrzeugbeherrschung." Und die Zahl derer, die diese hohe Kunst, die große Schule auf vier Rädern, beispielhaft beherrschen, wächst beständig. Das ließ sich im der samstäglichen TwinBattle vorausgehenden Qualifying am Freitag trefflich beobachten.

Von den insgesamt 72 zu den Single-Drift-Läufen angetretenen Quertreibern hätten gut und gern 30 den Einzug in die Königsdisziplin verdient gehabt. Ein weniger erfahrener Juror wäre da möglicherweise an seine Grenzen respektive ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. "Wenn man ein professionelles Starterfeld haben will, ist ein professioneller, auf dem internationalen Parkett erfahrener Juror unerlässlich", bringt sport auto-Tester und -Drifter Uwe Sener die Sache auf den Punkt. "Die Jungs und Mädels wissen selbst sehr genau, wie gut oder schlecht ihre Leistung war. Wenn die Wertung dann ganz anders ausfällt, gibt es nur böses Blut. Das ist bei Andy nie der Fall. Der weiß, was er tut." Tatsächlich erkannte bis auf eine Ausnahme auch das Hockenheimer Publikum die Sachkompetenz des überaus sattelfesten belgischen Drift-Richters klaglos an. Nur beim Shoot-out Faber versus Sener signalisierten nachhaltige Pfiffe von den Tribünen, dass die Zuschauer sich einen anderen Ausgang oder wenigstens doch ein zweites Stechen gewünscht hätten. Insgesamt zu kurz gekommen sind die Show-affinen Fans jedoch auch so nicht.

In der Sachskurve ging es nicht minder heiß her als auf den von der Sonne verwöhnten Tribünen

Ob Alutec-Boost 1, von Sascha Lenz pilotierter Race-Truck oder Team-DriftChallenge - in der Sachskurve ging es nicht minder heiß her als auf den von der Sonne verwöhnten Tribünen. Bis zu fünf Piloten übten sich im Rahmen des Team-Drifts im gemeinsamen Blick aus dem Seitenfenster. Schlussendlich bewiesen die Luxemburger, dass sie in diesem Sport alles andere als eine kleine Nation sind und sicherten sich den Sieg vor dem deutschen Drift-Team und den eidgenössischen Quertreibern. Die in der europäischen Driftszene dominierenden Holländer waren zum Leidwesen aller Beteiligten nicht am Start. Aber sehen wir die Sache positiv: Noch mehr Fun im Jahr 2011 steht somit nichts im Wege.

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