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Alfa Romeo 1750 Spider Veloce als Auto fürs Leben

Das Spider-Fieber ist ansteckend

Alfa Romeo 1750 Spider Veloce Auto fürs Leben Foto: Arturo Rivas 32 Bilder

Normale Autos waren die Alfa Romeo 1750 Spider von Hanno und Nicolai Schumacher am Tag der Erstzulassung, doch der ist lange her. Seit Jahrzehnten ist die Biografie der Besitzer auch die Biografie des Blechs. Heute sind sie Familienmitglieder.

26.12.2013 Michael Orth

Erst steckte der Vater den Sohn an, dann der Sohn den Vater

Zehn Jahre stand er sich die Reifen platt. Und er hätte wohl noch länger gestanden, wenn da nicht diese stille Hoffnung gewesen wäre. Mit 16, 17 setzte er sich wieder mal rein und beschloss, den Vater zu fragen. "Damals hat er was gesagt von warum nicht, mal sehen. Aber da weiß er jetzt angeblich nix mehr von." Was Hanno Schumacher aber weiß, ist Folgendes: "Wenn mein Sohn Nicolai nicht gewesen wäre, hätte ich den Spider irgendwann abgegeben. Ich hatte kein Interesse an einem alten Auto, noch nicht."

Trotz TÜV hatte Nicolai Schumacher keine Chance

In der Hoffnung also, zu Abitur und Führerschein den Alfa zu bekommen, kümmert sich Nicolai Schumacher Mitte der achtziger Jahre um die Restaurierung des Autos, das sein Vater 1968 gekauft hatte. "Als der Spider wieder TÜV hatte und mein Vater ihn sah, war für mich allerdings sofort klar, dass ich den noch lange Zeit nicht bekommen würde. Ich kaufte und restaurierte drei Rundheck-Spider, bis ich mit dem vierten endlich einen fand, den ich behalten und so aufgebaut habe, wie er mir gefällt", sagt Nicolai Schumacher. So gesehen verdankt er seinen Spider dem Vater, und der verdankt seinen dem Sohn. "Als der junge Mann noch in die Windeln schiss, sind wir mit dem Spider nach Spanien. 1969 war das", erzählt Hanno Schumacher. "Er hockte auf einer Luftmatratze hinter den Sitzen und machte ,mähm, mähm‘. Und Pausen machten wir nicht nur zum Tanken, sondern auch, wenn es von hinten müffelte."

Eine richtig geile Tour nach Spanien

Auf einem der wenigen Fotos ist der Vater am Steuer zu sehen, braun gebrannt mit Sonnenbrille, dahinter steht der Sohn auf dem Schweller, und sein Blick reicht gerade so über den Scheibenrahmen, sein Haar ist so hell wie die trockene spanische Erde im Hintergrund. "Meine Mutter band in der Hitze ihr Tuch an der Sonnenblende fest und spannte es über meinem Kopf, wann immer ich vorne bei ihr saß", erinnert sich Nicolai an eine Reise, die sein Vater "eine richtig geile Tour" nennt. Und er erinnert sich an einen Pokal, den er, Nicolai, als Kind immer wieder zu polieren hatte, wenn das Silber dunkel angelaufen war.

Auf der Nordschleife feierte der Alfa Romeo 1750 Spider Veloce schon Erfolge

Kaum ist der Pott angesprochen, da steht der Vater auf und holt ihn. Es wäre mal wieder Zeit für eine Politur, und es ist Zeit, die Geschichte dieses Pokals aufzufrischen. Vier Teile dieser Geschichte greift der Vater aus dem Pokal und legt sie auf den Tisch. Eines greift sich Nicolai Schumacher, betrachtet es und sagt schließlich: "Damit könnte man sich fast rasieren." Nur noch hauchdünn sind die Belagträger der Bremsen. "Vor dem Flugplatz habe ich das erste Mal ins Leere getreten." "Runde 364, Schwierigkeiten mit Bremsen" vermerkt dazu das persönliche Protokoll zum 96- Stunden-Rennen 1971. Für Runde 392 hält der Aufschrieb lapidar fest: "Bremsen weg." Hanno Schumacher fährt 32 Runden ohne und gewinnt mit 10 260 Kilometern die Endurance-Wertung in seinem Spider, den er kurz zuvor hatte rennfertig machen lassen, ein Zweiliter-Monobloc-Motor direkt von Autodelta inklusive.

Eingefahren wurde der Alfa Romeo 1750 Spider Veloce über den Gotthard

"Eingefahren habe ich den auf dem Nachhauseweg, nachts über den Gotthard", sagt Hanno Schumacher. Und er verrät noch etwas. Dass nämlich zwei Jahre später der Spider unmittelbar mit dem Nürburgring verbunden wurde, und zwar über zwei Schweißnähte. "Zum 24-Stunden-Rennen 1973 forderte die technische Abnahme eine Querstrebe zum Überrollbügel. Wo sollten wir die herbekommen?" Am nächsten Morgen war sie da. Doch fehlte am Geländer im alten Fahrerlager ein gut unterarmlanges Stück. Irgendjemand muss es mit einer Metallsäge herausgeschnitten haben.

Genau dort am Nürburgring beendet Hanno Schumacher 40 Jahre später seine Rennkarriere. Vor dem Marathonrennen beim Oldtimer Grand Prix platziert er auf dem Spider die Aufkleber mit den beiden Fahrernamen. Unter seinem steht der seines Sohnes.

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