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Alfa Romeo 6C 1750 GS

Einmaliges Karosserieprojekt von Brichet

Alfa Romeo 6C 1750 GS Foto: Dino Eisele 11 Bilder

Nur ein Mal setzte der Schweizer Karosseriebauer Brichet eine Karosserie auf einen Alfa Romeo 6C 1750 GS. Genau die richtige Ergänzung seiner Sammlung, fand der Bremer Heiko Seekamp.

03.07.2009 René Olma

Auf den ersten Blick wirkt die Auto-Sammlung des Bremer Fotografen Heiko Seekamp etwas willkürlich: Oldtimer aus der Vor- und Nachkriegszeit verschiedener Nationalitäten und Marken reihen sich in einer Halle. Doch Seekamp, der einst mit einem Mercedes 300 SL in die Welt der Oldtimer einstieg, sammelt nicht quer Beet. Er sucht seltene Preziosen.

Alfa Romeo 6C 1750 GS: Ein sportliches Luxusprojekt

Je rarer, desto besser: "Wenn zwischen fünf und 50 Exemplare existieren, ist es was für mich." Der rote Alfa Romeo 6C 1750 GS (Gran Sport) ist so gesehen ein Prunkstück der Sammlung. Anders als heute waren damals Karosserieschmieden wie Zagato für die Blechhülle der Alfa verantwortlich. Nur ein einziges Mal pflanzte der Genfer Karossier F. Brichet einen Aufbau auf einen der erfolgreichsten Sportwagen der dreißiger Jahre. Dabei stand nicht die sportliche Erscheinung im Vordergrund, sondern die Schaffung eines Luxusobjekts. Immerhin 150 Kilogramm mehr als vergleichbare Alfa Romeo 6C 1750 GS von Touring oder Zagato bringt der Zweisitzer auf die Waage. Wo sonst ein schwarzes Steuer aus Bakelit den Einstieg erschwert, prangt nun ein ganz aus Holz gefertigtes Lenkrad - farblich abgestimmt auf die Umrahmung der eng geschnittenen Pilotenkanzel.

Bis auf den Lack ist der Alfa Romeo 6C 1750 GS in Originalzustand

So anmutig die Holzumrahmung auch wirkt, praktisch ist sie nicht. "Sie verdeckt die Instrumente." Immerhin ist der Gran Sport weitgehend im Originalzustand, wie Seekamp berichtet. Einzig der Lack wurde vor 20 Jahren einmal erneuert. Ginge es nach dem Bremer Autofan, wäre dem Alfa Romeo 6C 1750 GS auch das wohl erspart geblieben: "Ich bin ein Verfechter davon, Oldtimer so zu belassen, wie sie einmal waren. Schließlich sind das handwerklich gebaute Autos, bei denen schon ab Werk nicht alles in Ordnung war." Die gängige Praxis, historische Fahrzeuge immer wieder neu aufzubauen, kommentiert er mit einem verächtlichen Kopfschütteln. Der Norddeutsche setzte andere Prioritäten: Er freut sich beim Anblick des absplitternden Lacks auf der Motorhaube darüber, wie glatt das darunter zum Vorschein kommende Aluminium ist. "Die kamen sogar ohne Grundierung aus."

Der Alfa Romeo 6C 1750 GS trägt ein Stützkorsett

Diverse Macken im Lack des elegant geschwungenen hinteren Kotflügels sind für ihn "urgesunder Steinschlag", der zum Charakter des Alfa Romeo 6C 1750 GS beiträgt. Trotz aller Liebe zum Original verzichtete der Bremer nicht ganz auf ein paar Veränderungen. So sorgen Stahlwinkel hinter den Sitzen dezent für ein wenig Stabilität des betagten hölzernen Karosserie-Rahmens. "Irgendwann ist ein Auto halt alt und braucht ein Stützkorsett." Hinter dem Kühler verrichtet ein nachgerüsteter Elektrolüfter seinen Dienst. Seekamp: "Unterwegs reicht die Kühlleistung im Serientrimm aus, aber die langen Standphasen bei Wettbewerben kann der Motor nicht ab."

Der Alfa Romeo hatte nur 20.000 Kilometer auf dem Kilometerzähler

Dabei machten sich die italienischen Ingenieure 1930 durchaus Gedanken über den Wärmehaushalt unter der langen Haube: Drei der Kühlrippen leiten Frischluft zum Aluminium-Motor, der Rest ist zur Abfuhr der Hitze nach hinten gerichtet. Hinter dem klassischen Alfa Romeo-Frontgrill verbirgt sich ein Reihensechszylinder, der auch im Kunstmuseum für Aufsehen sorgen würde. Die Kühlrippen am Hochdruckrohr zwischen dem permanent laufenden Kompressor und dem Motorblock sind fast zu elegant, um sie vor fremden Blicken zu verbergen. 85 PS leistet das nur 1.750 Kubikzentimeter große Triebwerk, das vor 15 Jahren, als Seekamp den Alfa Romeo 6C 1750 GS beim Oldtimer-Spezialisten Schröder und Weise entdeckte, nicht mal 20.000 Kilometer auf dem Buckel hatte, dafür aber diverse Schäden durch die mangelnde Bewegung.

Alfa Romeo 6C 1750 GS mit lückenloser Historie

Daran ist die Geschichte nicht ganz unschuldig. 1931 wurde der erste in jenem Jahr gebaute Alfa Romeo 6C 1750 GS auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert. Auf einem alten Foto sieht man ihn neben Zimmerpalmen auf dem Messestand. Dann wechselte der Alfa Romeo 6C 1750 GS in den Besitz eines portugiesischen Grafen. Der suchte wohl eher ein Auto für die Flaniermeile und weniger für Renneinsätze.Die so genannte Nelken-Revolution 1974 sorgte dann für einen Besitzerwechsel: Der Eigner brauchte dringend Geld und schmuggelte den Alfa Romeo 6C 1750 GS nach Frankreich, von wo aus er schließlich mit dem Umweg über England 1994 zu seinem heutigen Besitzer gelangte.

Die ersten Rennen fuhr der Alfa Romeo 6C 1750 GS im Ruhestand

Seekamp stand beim Besuch des Showrooms der Sinn eigentlich gar nicht nach einem Vorkriegsauto, er wurde aber vom Verkäufer eines Besseren belehrt: "Er meinte, es wäre Zeit für mich, einmal ein richtig altes Auto zu fahren." Eine Einschätzung, mit der er offenbar recht hatte. Nach einer Motorüberholung verhalf Seekamp dem Alfa Romeo 6C 1750 GS zu späten Ehren auf Rallyes: Je vier Mal fuhr er Mille Miglia und Primero Nuvolari, zwei Mal die Rallye Monte Carlo Historique. Wenn der Bremer in Lederjacke mit pelzgesäumter Kapuze hinter dem Volant thront, ist er ganz in seinem Element. Sobald es die Strecke zulässt, gönnt er dem Alfa Romeo Gran Sport kurze Sprints.

Oldi mit Startschwächen

Dass Oldtimer durchaus ihre kleinen Macken haben, zeigt sich auch an diesem Frühsommertag: Fehlzündungen unterbrechen immer wieder den kernigen Sound des Motors, dann stirbt er ab. Am Straßenrand beginnt die Ursachenforschung. Der 90 Liter fassende Kraftstofftank im Heck ist randvoll, anders jedoch der zehn Liter fassende Zwischentank hinter dem Motor. Nur noch der Boden ist bedeckt mit Benzin. "Wahrscheinlich war der Deckel nicht fest zu", murmelt Seekamp. Der Sechszylinder hat keine Benzinpumpe - lediglich der Druckunterschied im System versorgt die Vergaser mit Sprit.

Erst nachdem per Reservekanister der Zwischentank gefüllt wird, erwacht der Alfa Romeo 6C 1750 GS wieder zum Leben. Warum der Sprit nicht selbstständig fließt, bleibt vorerst ein Mysterium. Seekamp sieht es gelassen: "Das ist das erste Mal, dass er mich im Stich lässt. Besser jetzt als auf einer Rallye."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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