Wahre Automobil-Gourmets benötigen nur einige klangvolle Namen, damit sich kaltes, glänzendes Blech vor ihrem geistigen Auge in verheißungsvolle Delikatessen verwandelt - Ghia, Frua, Pinin Farina, Zagato, Barker, Mulliner, Graber, Worblaufen und andere. Diese Namen stehen für hoch angesehene Manufakturen, die in geringen Mengen und als Einzelstücke attraktive Sonderkarosserien auf der Basis teurer Automobilmarken kreierten. Die Edelsten von ihnen treffen sich einmal im Jahr Ende April am Ufer des Comer Sees zum Concorso d'Eleganza Villa d'Este.
Namhafte Karosseriebauer in der Schweiz bis zum Zweiten Weltkrieg
Auch die Schweiz besaß bis zum Zweiten Weltkrieg und zum Teil darüber hinaus rund 40 namhafte Karosseriebauer für Personenwagen. Die bekanntesten Firmen waren Beutler, Gangloff, Graber, Ghia-Aigle, Langenthal und Worblaufen. Fritz Ramseier senior gründete 1929 zusammen mit seinen Söhnen Ernst, Fritz und Hans in Worblaufen bei Bern die Fritz Ramseier & Cie. Carrosserie Worblaufen. Der Betrieb mit bis zu 40 Beschäftigten erlangte hervorragenden Ruf und präsentierte bereits 1931 auf dem eigenen Stand des Genfer Automobilsalons die ersten beiden Fahrzeuge. Bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entstanden bei Worblaufen vor allem Cabrios auf Basis von Alfa Romeo, Bugatti, Buick, Bentley, Delahaye, Ford, Peugeot, Renault und einigen mehr.
Als Verkaufshit erwies sich das patentierte Cabrioverdeck, das sich dank integrierter Spiralfeder mit nur einer Hand bedienen ließ und sich sehr kompakt zusammenfaltete. Ein helles Verdeck desselben Baumusters besaß auch der schwarze Alfa Romeo 6C 2300B, dessen Entstehungsprozess wir anhand des Worblaufen-Firmenarchivs rekonstruieren wollen. Noch andere, damals ultramoderne, aerodynamisch ausgeformte Karosseriedetails kennzeichnen das Cabrio: schlanke, mit der Motorhaube verbundene Frontkotflügel, eine gegenüber der Serie verkleinerte Kühlermaske und ein Wagenheck mit integrierter Finne. Das 70 PS starke Sechszylinder-Cabriolet war auch der Star auf dem Genfer Automobilsalon von 1938 und gilt bis heute als eine der schönsten Worblaufen-Karosserien.
Einblick in das geheime Automobil-Archiv Swiss Car Register
Effretikon bei Zürich, Lindenstraße 15. Urs Paul Ramseier führt uns in die ebenerdigen Räume des Swiss Car Register. Das Automobil-Archiv versteckt sich wie die Geheimdienst-Niederlassung in einem alten James Bond-Film gut getarnt hinter einem Velo-Laden, einem Fahrrad-Geschäft. Es hat sogar im Kellergeschoss einen Bunkerraum, aber keinen Mr. Q, der absurde Mordmaschinen konstruiert. Das Swiss Car Register glänzt vielmehr mit dem vollkommen geräuschlosen und dennoch hochexplosiven Inventar, das in mehreren Räumen und in langen Reihen von Regalen auf interessierte Leser und Betrachter wartet: die Firmenarchive großer Schweizer Karosseriefirmen, nahezu alle Ausgaben namhafter internationaler Automobilzeitschriften, alle Ausstellungskataloge des Genfer Automobilsalons seit 1905, Fach- und Markenbücher, Fahrzeug-Prospekte und vieles mehr.






