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Alfa Romeo 8C

Der lange Weg zum Jubiläums-Traumwagen

Alfa Romeo 8C Foto: Dino Eisele 19 Bilder

Traumwagen wie der 160.000 Euro teure Alfa Romeo 8C sind streng limitiert. Der Unternehmer Walter Marxen ist selig: Er ergatterte eines der 500 Exemplare. Doch wie hat er das geschafft? Und wie war sie – seine erste Saison mit dem seltenen Stück?

17.04.2010 Ralph Alex

Machen wir uns nichts vor: Der Kauf einer solchen Rarität ist eine höchst komplizierte Geschichte, vor allem in psychologischer Hinsicht. Beim Alfa Romeo 8C Competizione war es zum Beispiel so, dass Alfa Romeo an 129 deutsche Fans der Marke ein höfliches, aber bestimmtes Schreiben schickte. Leider, stand da sinngemäß drin, werden Sie keinen Alfa Romeo 8C bekommen, wir bauen schließlich nur 500 davon, und die wenigen für Deutschland, nun ja, die sind schon alle weg. So eine Nachricht muss man erst mal verdauen – als leidenschaftlicher Alfista, der 159.860 Euro auf dem Konto liegen hat und sie unbedingt eintauschen wollte für diesen unglaublichen Alfa.

Alfa Romeo 8C: Der lange Weg zum Jubiläums-Traumwagen 2:05 Min.

Alfa Romeo 8C: schön und schnell

Mit seinem auf 4,7 Liter aufgebohrten Maserati-V8, dessen 450 PS das zweisitzige Coupé in nur 4,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und fast bis an die 300-km/h-Marke heranbringen. Vor allem aber ist er schön. So schön, dass man ihn – wäre er vielleicht etwas kleiner – abends mit ins Bett nehmen und den rechten Arm behutsam um ihn legen möchte, auf dass er mit dem sanften Knistern des abkühlenden Motors einschlafe, während wir ihm noch ein „Buona notte“ zuflüstern. Walter Franz Marxen hat solche gefühlsduseligen Träumereien nicht nötig. Denn er hat tatsächlich einen Alfa Romeo 8C (und nachts seine Ehefrau Monika im Arm). „Otto Tschi“ sprechen Eingeweihte die Modellbezeichnung übrigens aus.

Der Weg zum Alfa Romeo 8C war kein einfacher

Der 56-jährige Unternehmer aus einem kleinen Ort bei Bonn sagt einfach „der Otto“. Damit Marxen und der Otto zueinanderfinden konnten, mussten in der Biografie des Rheinländers einige Dinge abgehakt sein: Der Mann musste erst mal eine Werkzeugmacherlehre bei der Firma Busatis in Remscheid hinter sich bringen, dann auf dem zweiten Bildungsweg ein Maschinenbau-Studium absolvieren und sich mit 32 Jahren selbstständig machen. Komplizierte Sondermaschinen hat er entwickelt und gebaut, mal zum Konfektionieren von Kunststoffrollläden, mal zum Schleifen von Bremsbelägen. Manche Maschinen kosteten über eine Million Mark damals, und vor der Tür stand oft der Anwalt des Kunden und erinnerte den Maschinenbauer daran, dass jede Stunde Verzögerung ihn 11.000 Mark Strafe kosten würde. Marxen lieferte fast immer pünktlich, arbeitete Tag und Nacht und verdiente gutes Geld. Heute hat er 15 Mitarbeiter.

Die Alfa-Liebe begann mit einem Giulietta Spider

Der zweite wichtige Punkt seiner Biografie ist die Liebe zu Alfa. Sie flammte auf, als Marxen von einem Kunden einen Giulietta Spider Baujahr 1962 übernahm – komplett zerlegt. Es waren zwei Lkw-Fuhren mit Einzelteilen. „Ich habe“, erinnert sich Marxen, „jedes einzelne Teil eigenhändig vom Lack befreit, sandgestrahlt, verzinkt, pulverbeschichtet. Jede Nacht bis um drei Uhr.“ Dann baute er alles wieder zusammen, taufte das fertige Auto „Julchen“ und fuhr damit zur Mille Miglia.„Mehr als 120 km/h gingen nicht, dann hob das Verdeck ab“, daran erinnert er sich noch. Und an die „herrlichen Fehlzündungen beim Herunterschalten“. Die Alfa-Leidenschaft nahm also ihren Lauf, mit diversen Alfa Spider für seine Frau und einem Alfa 166 für ihn selbst. Und mit einem denkwürdigen Abend in der Pizzeria „da Pino“ in Rheinbach.

Um in die Auswahl der 8C-Käufer zu kommen, musst ein Fragebogen ausgefüllt werden

Die Marxens saßen neben Angelo Notti, der als Autoverkäufer gerade von BMW zu Alfa Romeo wechselte und so nebenbei fragte: „Schon mal was vom Alfa Romeo 8C gehört? Limitierte Auflage, nur 500 Stück. Den kriegt nicht jeder, da muss man einen Fragebogen ausfüllen.“ Bei Junkies würde man sagen: Ab diesem Moment war Walter Marxen angefixt. „Da wird so ein Brimborium um die Auswahl der Käufer gemacht, dass ich unbedingt wissen wollte, ob ich einen kriegen könnte“ – das ging ihm durch den Kopf. Er betrachtete die Angelegenheit als Spiel, als Wette mit dem Schicksal. Aus dem Spiel wurde Ernst. Er schrieb an die Alfa-Direktion nach Frankfurt. Alfa schrieb zurück und legte den Fragebogen bei. Der war harmloser als gedacht: Name, Adresse, Fuhrpark und die Frage, ob man den Alfa Romeo 8C (bitte ankreuzen!) zulassen, mit Saisonkennzeichen zulassen, nicht zulassen oder in Deutschland fahren würde.

Die gute Mitteilung: Sie gehören dazu!

Marxen listete seinen Alfa-Fuhrpark von der Giulietta über den 166 und den Sechszylinder-Spider bis zum 156 des Sohnes auf und kreuzte an: „Ich würde den Alfa Romeo 8C (der Alfa Romeo 8C im Fahrbericht) in Deutschland fahren.“ Und er nahm die Zahlungsbedingungen zur Kenntnis: ein Drittel des Kaufpreises bei Vertragsabschluss, ein halbes Jahr vor Auslieferung ein weiteres Drittel und die Restsumme bei Übernahme des Sportwagens. Dann geschah drei Monate nichts – bis zum nächsten Brief aus Frankfurt, unterschrieben vom Alfa Romeo-Vorstand. „Ein Traum wird Wirklichkeit“, las Marxen aufgeregt. „Aber nur für einen streng limitierten Kundenkreis. Wir sagen heute herzlichen Glückwunsch, denn: Sie gehören dazu!“

Genaue Infomationen zum Alfa Romeo 8C gab es anfangs nicht

In den nächsten Wochen werde man persönlichen Kontakt aufnehmen. Marxen war perplex. „Mir ging immer durch den Kopf, dass ich doch nie so viel Geld für ein Auto ausgeben wollte, dafür muss ich zu hart arbeiten.“ Er fragte seine Frau: „Möchten wir das wirklich?“ Und sie sagte: „Gönn dir doch mal was, du hast es verdient.“ Einmal, es war schon Jahre her, hatte ihr Mann in Italien bereits einen gebrauchten Ferrari 328 GTS angezahlt; das Geschäft klappte nicht. Der Brand Ambassador von Alfa rief an, der spezielle Alfa Romeo 8C-Kundenbetreuer. Werner Vochezer – sehr nett, sehr kompetent. Er zeigte den Marxens, deren Begeisterung wuchs, das Auto. Doch auf viele Fragen des Maschinenbauers Marxen wusste noch keiner eine Antwort: Kette oder Zahnriemen? Exakte Bohrung? Genauer Hub?

Vor der Auslieferung, war der Käufer noch keinen Meter mit dem Alfa Romeo 8C gefahren

Wie auch immer: Es folgte eine exklusive Einladung auf den Bonner Petersberg, in die Redoute. Wo einst Staatsgäste ein- und ausgingen, stand der Alfa Romeo 8C. Die Sache war entschieden, rein emotional. Kurz darauf besuchte Werner Vochezer die Marxens zu Hause. Die suchten Lack- und Lederfarben aus (Competizione-Rot und Schwarz), entschieden sich gegen andersfarbige Ziernähte, gegen das typische Kleeblatt auf der Seite, für die Lochdesign-Felgen und silberfarbene Bremszangen. Und verweigerten das spezielle Kofferset für 9.000 Euro. „Die gefallen mir überhaupt nicht“, lehnt Monika Marxen das Angebot ab. Aber Navi-System und iPod-Anschluss mussten sein. Es war der Tag der Entscheidungen, und es war ein guter Tag für das Ehepaar. Ihr Alfa Romeo 8C würde der 341. der insgesamt 500 sein. Gefahren war Walter Marxen bis dahin noch keinen Kilometer mit dem Alfa. Erst im italienischen Balocco, bei einem spektakulären Fahrtermin – wo auch einer der historischen 8C von 1931 stand -, war es so weit.

Vom Fragebogen bis zur Auslieferung des Alfa Romeo 8C vergingen zwei Jahre

Der Rheinländer reagierte fassungslos: „Wie manche der Kunden das Auto über die Rennstrecke geprügelt haben, ohne dass irgendwas kaputt gegangen wäre – das war eine überzeugende Vorstellung von der Tauglichkeit der Technik.“ Er selbst fuhr anfangs eher langsam. Dann schrie sein Instruktor: „Gibbe Gas! – Gibbe mehr Gas!! – Gibbe Vollgas!!!“ Man muss sich Walter Franz Marxen in diesem Moment als sehr glücklichen Menschen vorstellen. Später kam ein Buch über den Alfa Romeo 8C, geschickt von Alfa. Noch später ein Alfa-Fahrrad aus Karbon, das Marxen sich zusätzlich bestellt hatte. Schließlich ein Modellauto 1:18 (für 270 Euro extra), eine Mappe mit Presseberichten, eine Broschüre zur Bedienung des Autos und eine DVD vom Training in Balocco. Er wurde auf die IAA und auf die AMI nach Leipzig eingeladen. Die zwei Jahre vom Ausfüllen des ersten Fragebogens bis zur Übergabe wurden trotzdem lang.

Bei der Anlieferung des Alfa Romeo 8C schauten 3.000 Leute zu

Letztes Kapitel: die Anlieferung des Wagens zu Hause, bei strömendem Regen. Es kam ein Pritschenwagen mit geschlossenem Hänger. Er kam die Einfahrt nicht hinauf. Er blockierte die Straße. Alle 3.000 Einwohner des Dorfes marschierten auf. Sahen, wie Marxen das Auto durch den Regen selbst die Auffahrt hochfuhr. Hinein in die Garage, die voller Alfa-Devotionalien war. Verzückt zu einem Poliertuch griff und den Alfa Romeo 8C trockenrieb. Und weil die 3.000 noch lange im Regen standen und schauten, bekamen auch alle mit, wie die Alarmanlage zum ersten Mal anging: Walter Marxen hatte bei verriegeltem Auto das Beifahrerfenster offen gelassen und unvorsichtigerweise den Kopf reingesteckt.

Eine Party für den Alfa Romeo 8C

Im ersten Sommer mit dem Alfa ist Marxen 3.804 Kilometer gefahren. „Immer mit einem seligen Lächeln im Gesicht“, wie seine Frau erzählt. Die Dorfjugendlichen knien sich mit ihren Foto-Handys auf die Bürgersteige, wenn sie den gewaltigen, dröhnenden Motorsound von „Otto“ nahen hören. Touristen an der Mosel lassen sich mit dem Auto fotografieren. Einmal fuhr Marxen an den Nürburgring. Auf der Glücks-Skala von null bis zehn bekommt der Alfa zwölf Punkte von ihm. Übrigens: Kurz nach der Auslieferung kam die Alfa-Truppe nochmals vorbei. Sie rollten vor der Garage einen roten Teppich mit dem Markenlogo aus. Sie installierten eine Soundanlage mit italienischer Musik. Sie legten eine DVD mit historischen und aktuellen Alfa Romeo 8C-Filmen auf. Es gab italienisches Essen und Trinken, und Marxen durfte 15 Freunde zu dieser Party einladen. Pino, in dessen Pizzeria alles angefangen hatte, ging als Letzter.

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