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Alfa Romeo Spider (105/115) mit 3,0-V6

Diese Gummilippe hat sechs Zylinder!

Alfa Romeo Spider V6 Foto: Ernst Klein 29 Bilder

Auf einer Fahrzeugbörse haben wir eine Traum-Kombination für Alfisiti gefunden: Einen Spider der klassischen 105er-Heckantriebs-Baureihe, aber mit 3,0-Liter-V6-Motor und 180 PS.

01.06.2016 Gerd Stegmaier Powered by

Der Alfa Romeo Spider der Baureihe 105/115 war ein erschwinglicher Traum-Wagen der 1960er und 70er – Dustin Hoffman fuhr einen 1966er Rundheck-Spider zur Musik von Simon and Garfunkel durch den Film "Die Reifeprüfung“, die Fastback-Modelle mit größerem Kofferraum prägten die 70er, noch immer mit dem klassischen Doppelnockenwellen-Alu-Vierzylinder und zwei Doppelvergasern. Erst ab Mitte der 80er verloren die Motoren strengerer Abgasregeln wegen an Feuer. Der Alfa-Motor der 80er war allerdings ein V6. Erst in den Transaxle-Modellen Alfa 6 und GTV 6 sowie im 75er, später im 164er, 156er, 147 GTA und ab 1994 in einem neuen Spider. Zusammen mit den drei letztgenannten trug der moderne Spider aber den Makel des Fronttrieblers. Einen Spider mit Heckantrieb und dem das cuore sportivo wärmenden V6 gab es nicht – fast nicht. Ein paar findige Tüftler implantierten den schicken V6 in den alten Spider. Einer dieser aufwändigen Umbauten steht in einer Fahrzeugbörse zum Verkauf. Wir haben mal nachgefragt.

Alfa Romeo Spider V11Foto: Ernst Klein
Moderner Motor im Klassiker: V6 im Spider der Baureihe 115.

Gummilippe mit Sechs-Appeal

Ernst Klein ist Kfz-Meister, Modellen von Alfa Romeo zugeneigt und offensichtlich ein ziemlicher Perfektionist. Anders ist es kaum zu erklären, welchen Aufwand er betrieb, um sein Traumauto auf die Räder zu stellen. 1993 begab er sich auf die Suche nach einem Spider, ein Modell der Baujahre 1983 bis 1989 mit dem Beinammen "Aerodinamica“. "Damals war ich noch schneller unterwegs und bin viel gefahren und mit dem großen Frontspoiler fährt die ‚Gummilippe‘ (Spitzname des Modells, Anm. d. Red.) bei hohen Geschwindigkeiten ruhiger“ erklärt der heute 53-Jährige seine Wahl, obwohl er die Fastback-Variante hübscher findet.

"Ich wollte eigentlich unbedingt einen 2.0, aber wegen des nahezu makellosen Karosserie-Zustandes ist es dann ein 1,6er mit damals gerade mal 44.000 Kilometern geworden“. Der kleinere Motor blieb jedoch nur ein Jahr drin, dann steckte Klein einen Zweiliter mit Vergasern unter die Haube. Aber auch damit war er nicht zufrieden. Ein Twin-Spark-Aggregat aus einem Alfa 75 sollte die nächste Leistungsstufe bringen. "Aber der Einspritzer hat mich vom Ansprechverhalten her total enttäuscht“, erzählt Klein. "Und dann habe ich auf dem Oldtimer-Grand-Prix einen Fastback mit 3,0-V6-Motor gesehen – und dachte: Das mache ich auch“, so der Kfz-Meister.

Alfa Romeo Spider V26Foto: Ernst Klein
Schick: Ledersitze und Zusatzinstrumente im Interieur.

Alfa Romeo Spider (105/115) mit V6: 14 Monate Arbeit

Ein folgenschwerer Entschluss: 14 Monate lang investierte Klein viele Wochenenden. 215 Stunden reine Arbeitszeit hat er sich notiert. "Recherche nicht mitgerechnet“, so Klein. Denn mit dem Motor allein war es nicht getan: Ein maroder Montreal spendete das Hinterachsgetriebe und die Bremsen hinten, das 5-Gang-Getriebe kam aus einem Alfa 6, den Motor mit den schicken verchromten Ansaugrohren entnahm Klein einem 164er. Den V6 drehte er gegenüber dem Organspender mit Frontantrieb um 90 Grad, den Auspuff hat er komplett handgeschweißt, den Getriebetunnel musste er genauso anpassen wie die Vorderachse (wegen der Ölwanne) mit Bremsen von Porsche. Der TÜV-Prüfer hatte bereits einen solchen Umbau abgenommen und konnte Klein entsprechende Tipps und dem Umbau am Ende seinen Segen geben.

"Klar ist es recht eng im Motorraum. Aber anders als viele erwartet haben, gibt es keinerlei thermische Probleme. Überhaupt läuft der Motor jetzt seit 16 Jahren einwandfrei“. Und die Wartungsfreundlichkeit sei ebenfalls gut. "Den Zahnriemen habe ich gerade gewechselt, das geht einfacher als beim 164er“. Außerdem hat der Kfz-Meister vorgesorgt: "Für den Kupplungszylinder habe ich eine Wartungsklappe eingebaut, damit man leichter rankommt, wenn der mal getauscht werden muss“, so Klein.

Alfa Romeo Spider V20Foto: Ernst Klein
Das Hinterachsgetriebe entstammt einem Alfa Romeo Montreal.

Spider und V6 - das passt

Das Ergebnis der vielen Mühe wirkt wie aus einem Guss. Ziemlich tief duckt sich der rote Roadster auf den Fotos in die Wiese. Klein schätzt, dass die Karosse dem Asphalt etwa 3 Zentimeter näher kommt als das Original. "Die Federn vorne stammen auch vom Montreal aber ich musste sie ein wenig kürzen, dessen V8 ist doch ein ganzes Stück schwerer“. Das Gewicht des V6-Spider ist laut Klein nah am Original, die Balance vom Fahrgefühl her wohl auch: "Vielleicht würde man es auf der Rennstrecke merken, aber im Fahrverhalten auf der Straße fällt der Motor nicht auf“ meint Klein. Im Fahrbetrieb natürlich schon – und zwar so, wie es sich Klein gewünscht hatte: "Der V6 passt super zu dem Auto, ist megaelastisch; eigentlich braucht man nur einen Gang, aber wenn man will, geht natürlich auch ordentlich was vorwärts. Und der Sound ist toll“. 218 km/h Höchstgeschwindigkeit stehen in den modifizierten Papieren. "Die Leistung würde auch für mehr reichen, aber dafür ist die Übersetzung zu kurz. Der Motor wird bei 6.400/min abgeregelt, und dann sind’s genau 218, egal ob bergauf oder bergab“, freut sich Klein.

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