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Alfa Romeo Spider 2.0

Mit dem Klassiker-Cabrio ab in die Sonne!

Alfa Romeo Spider 2.0, Frontansicht Foto: Hardy Mutschler 21 Bilder

Vor 20 Jahren lief der letzte klassische Alfa Spider vom Band, so italienisch wie ein Renaissancepalast und bezaubernd wie Ornella Muti. Eine Sonntagstour in den Süden.

13.02.2014 Heinrich Lingner

Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte nicht an diesem winterlichen Donnerstagabend der Stuttgarter Pizzeria-Wirt zur Gitarre gegriffen und italienisches Liedgut vorgetragen. Er sang Lieder von Toto Cutugno und Adriano Celentano, unter anderem über azurblaue Sommernachmittage. Man müsste, so überlegten wir, jetzt noch einmal in den Süden fahren. Einen Tag mit einem Cabrio über die Alpen, die letzten spätherbstlichen Sonnenstrahlen genießen – bevor der Winter so richtig zuschlägt. Womit wir beim Alfa Romeo Spider waren.

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Impression Alfa Romeo Spider 2.0 Ab in die Sonne!
auto motor und sport 01/2014
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Alfa Romeo Spider ist das Importauto mit den meisten H-Zulassungen

Denn der zwischen 1966 und 1993 genau 124.134-mal gebaute Zweisitzer ist ein prägendes Auto jener Epoche. Und vor allem auch in Deutschland bis heute beliebt: Der Alfa Romeo Spider ist laut VDA das Importauto mit den meisten H-Zulassungen. Und er bringt uns, so dachten wir, seit 47 Jahren italienische Sonne. Also könnten wir, 20 Jahre nach dem Produktionsende bei Pininfarina in Turin, mal einen zurück zur Sonne bringen.

Da fahren wir nun, der Alfa Romeo Spider 2.0 und ich. Er ist einer aus der sogenannten Serie 4, die zum Modelljahr 1990 die Gummilippe ablöste. In Italien werden beide Varianten Aerodinamica genannt, im Gegensatz zum davor gebauten Coda Tronca (Fastback) und Osso di Sepia (Rundheck). Duetto heißen in ihrer Heimat alle Alfa Spider, vom 66er Rundheck bis zum 93er Serie 4. Größer ist nicht geworden, das Platzangebot im Interieur ist kaum für Mitteleuropäer ab 1,85 Meter Körpergröße und Schuhgrößen ab 46 ausgelegt. Es ist eng, das Knie passt immer noch nicht zwischen Lenkrad und Türgriff, und wenige Zentimeter neben dem linken Ohr säuselt etwas kalter Fahrtwind zwischen Scheibe und Dach ins Auto.

Autobahn nach Süden, Tempo 140, Drehzahl irgendwo bei 3.600, Öldruck über vier bar, der Tank ist voll. Europäische Wasserscheide, 785 m, steht auf einem Schild an der Autobahn, ab hier fließen die Flüsse nach Süden. Italien, wir kommen im Alfa Romeo Spider 2.0.

Radio im Alfa Spider hat keine Chance gegen den Fahrtwind

Die Kilometer rattern vorbei, draußen auf der Alb schleicht sich die Sonne bei null Grad Celsius durch den Nebel, die Heizung des Alfa Romeo Spider pfeift selbst ohne Gebläse ausreichend Warmluft gegen die Scheibe. Das Radio bleibt nutzlos, es hat keine Chance gegen den Fahrtwind. Kontemplatives Autofahren, Zeit zum Nachdenken.

Etwa darüber, dass die Alfas der Baureihen 105 und 115 neben dem Porsche 911 die zweite große Nachkriegs-Sportwagenfamilie darstellen. 911 und Alfa Spider sowie das technisch identische Bertone-Coupé Giulia Sprint kamen 1965/66 gleichzeitig auf den Markt. Rund 20.000 Mark kostete ein 130 PS starker Zweiliter-Porsche, einen Spider 1.600 oder Giulia Sprint mit je 105 PS gab es für 13.000 und 15.000 Mark. Die preiswerteren Alfas verkauften sich anfangs besser als der teure Porsche. Irgendwo müssen sie also bei Alfa einen falschen Abzweig genommen haben, sonst gäbe es heute neben dem 911 einen Alfa Sprint mit, sagen wir, 350 PS starkem Turbo-V6 für 50.000 Euro.

Ab Autobahnkreuz Memmingen ist das Allgäu verschneit, Nesselwang glitzert in der Morgensonne wie ein Tankstellenkalender-Foto. Am Fernpass stauen sich die ersten Skifahrer des Winters durchs Wochenende. Die Inntal-Autobahn zieht unter dem Alfa Romeo Spider vorbei, dann die Europabrücke, der Brenner. Es ist, als fände der Alfa den Weg nun allein.

Alfa Romeo Spider gibt sich sparsam

Der Zweiliter-Doppelnocker brummt zufrieden vor sich hin, Drehvermögen und Leistungsentfaltung sind allerdings kaum mehr als eine vage Reminiszenz an die Vergasermotoren der 70er, den Zweiliter mit stämmigen 131 PS oder den quirligen 109-PS-1.600er. Immerhin erfüllt der Kat-Motor im Spider von 1993 Euro 1. Und er ist sehr sparsam: Bei gemäßigter Autobahn- und etwas flotterer Landstraßenfahrt portioniert die Bosch Motronic weniger als acht Liter Super je 100 km in die Ansaugkanäle.

Mit jedem Höhenmeter, den sich der Alfa Romeo Spider über die Brenner-Autobahn bergab durch Südtirol schlängelt, wird es einen Hauch wärmer im Auto, die Schneegrenze wandert vom Straßenrand auf die Berggipfel. In Desenzano am Südzipfel des Gardasees ist der Winter noch gar nicht angekommen, trotz der LED-Weihnachtsdeko an den Kreisverkehren. Am Yachthafen sitzen Müßiggänger vor den Bars und schlürfen bunte Getränke. Ein kurzer Stopp genügt, um das Verdeck des Alfa Romeo Spider nach hinten zu klappen. Es geht mit zwei Handgriffen vom Fahrersitz aus, gefühlvollere Alfa-Fahrer steigen aus und drücken die empfindliche Kunststoff-Heckscheibe mit vorsichtiger Hand zusammen.

Der Fahrtwind wird kälter

In Barbarano bei Salò beginnt der schöne nördliche Teil der Seeuferstraße Gardesana Occidentale. Am Sonntagnachmittag ist wenig Verkehr, ein paar verspätete Motorradfahrer brausen vorbei, das Echo ihrer Zweizylinder-Motoren brandet von den Felswänden übers Wasser. Nach dem Tunnel von Gargnano biegen sie links ab, wir ebenfalls.

Die Straße nach Tremosine ist kaum mehr als ein asphaltierter Pfad, bald sind die BMWs und Ducatis nicht mehr zu hören. Im Schatten ist es kalt, und in ganz finsteren Kehren tropfen erste Eiszapfen vor sich hin. Der Fahrtwind ist kälter geworden, es ist, als seien wir dem schneebedeckten Monte Baldo auf der anderen Seeseite näher gekommen. Bei Limone sind wir wieder am See, die Gardesana liegt bereits im Schatten der Berge. Kurz vor Riva ist die Grenze zwischen den Provinzen Lombardei und Trentino. Zwischen 1861 und 1918 begann hier Österreich, und der See hieß Gartsee.

In Torbole wird es Nacht, eine Straßenlaterne glänzt kalt über dem See. Das Verdeck des Alfa Romeo Spider 2.0 schnappt wieder zu, drei Handgriffe. 530 Kilometer nach Stuttgart. Alles nur wegen einer Pizza. Und eines Autos.

Alfa Romeo Spider: 27 Jahre auf der Sonnenseite

Der Alfa Romeo Spider der Baureihen 105 und 115 wurde von 1966 bis 1993 gebaut. Fachleute unterscheiden vier Grundmodelle: Duetto, Fastback, Gummilippe und Serie 4.

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