Meinen ersten Alfa Spider kaufte ich vor über zehn Jahren. Er war fast neu, schwarz, mit heller Alcantara-Ausstattung. Das Hardtop war montiert, denn es war Ende Dezember.
Erste Erkenntnis: Für einen Alfa Romeo Spider gibt es keinen Ersatz
Ich erinnere mich genau an die erste Fahrt, den Geruch des Leders, den Blick über die glänzend schwarzen Kotflügel ins Schneegestöber und das eigenwillige Heck mit den serienmäßigen Pirelli P 6-Reifen auf der glatten Straße.
Ich wollte ihn für den Rest meines Autofahrerlebens behalten. Leider beendete nach zwei Jahren ein Renault Megane Coach die Liaison. Er schlug im Heck meines Spider ein und verwandelte ihn in einen Totalschaden. Der Serie 4 wurde durch einen Bertone Junior ersetzt. Es dauerte zwei Jahre, bis ich meinen Irrtum eingesehen hatte: Für einen Alfa Spider gibt es keinen Ersatz. Also kaufte ich eine Gummilippe in Schwarz, ebenfalls mit Katalysator und einem Hardtop. Die habe ich heute noch, und auch den Junior. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Erste Generation: Der Rundheckspider besteht die Reifeprüfung
Vier Spider-Generationen auf einmal könnten selbst unsensible Gemüter überfordern. Jetzt stehen sie vor mir, in verschiedenen Farben, mit unterschiedlichen Motoren und diversen Ausstattungsvarianten. Die Wahl fällt schwer, der Duetto macht das Rennen. Schließlich begründet der Rundheck-Spider die Legende. Er wurde zwar nur vier Jahre lang gebaut, und seine Zeitgenossen fanden an der von den Pininfarina Superflow-Prototypen inspirierten Formen wenig Gefallen.
Einem immerhin gefiel er - dem US-Filmregisseur Mike Nichols. Er besetzte mit einem roten 1600 eine kleine Nebenrolle in seinem Klassiker "Die Reifeprüfung". Die Rolle machte das Auto und den Fahrer Dustin Hoffman so bekannt, dass beide bis heute davon zehren: Hoffman wiederholte eine Filmszene für eine beträchtliche Gage in einem Audi A6-Werbespot, und der Alfa wurde zum Kultauto.
Der Duetto überrascht mit der besten Sitzposition
Beim Wiedersehen wartet der Duetto mit einigen Überraschungen auf. Eine davon ist die Sitzposition: Im ältesten Alfa Spider sitzt man mit Abstand am besten. Die stehenden Pedale und die niedrigeren Sitzmöbel bringen das Plus an Bewegungsfreiheit, das man in den neueren Spider-Varianten oft vermisst.
Zweite Überraschung: Trotz seiner 35 Jahre lässt sich der 1750 kaum weniger sportlich bewegen als ein zehn Jahre jüngerer und 12 PS stärkerer Fastback 2000. Der 1750-Motor hat zwar bei niedrigen Drehzahlen nicht ganz so viel Druck, er jubelt aber williger hoch als der langhubige Zweiliter.
Der Alfa Spider Fastback kommt 1971 mit bärenstarkem Zweiliter-Doppelnocker
Anders als beim Duetto gab es bei der Präsentation des direkten Nachfolgers keine Diskussionen über die Form. Fachleute und Publikum fanden den Coda tronca, wie der Fastback in Italien genannt wurde, auf Anhieb eleganter und stimmiger als den Vorgänger. Zumal das Gepäckraumvolumen kräftig angewachsen war - ein willkommener Zusatznutzen.
1971 legte Alfa kräftig Kohlen nach und schuf mit dem bärenstarken 2000 den nach gängiger Meinung faszinierendsten Spider von allen. Die Leistungsangaben für den Zweiliter differieren nach Quelle und Land, nach DIN waren es 132 PS. Ab 1975 schrumpfte die Leistung freilich auf 125 PS.
Die Gummilippe enttäuscht mit 80er-Jahre-Optik
Ganz anders die dritte Serie, die den etwas abschätzigen Beinamen "Gummilippe" trägt. Sie erfordert etwas mehr Zeit und Einfühlungsvermögen, bis man sie zu schätzen weiß. Ich gebe gern zu: Auch ich habe mich damals abgewendet, als sie 1983 präsentiert wurde. Doch wir haben diesen Spider missverstanden. Er war eben ein Kind der Achtziger, so wie Discopalmen und Legwarmer-Stulpen. Und wenn es Männern erlaubt ist, Lederkrawatten und Minipli-Frisuren zu tragen, dann darf ein Alfa sich auch mit Spoilern schmücken.
Immerhin, die Form gewinnt nach 20 Jahren an Reiz. Originale Fahrzeuge ohne verstümmelte Gummilippe oder andere historisierende Umbauten werden immer beliebter. Und es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis ein Spider aus dieser Ära als originaler und geschätzter Youngtimer beispielsweise bei der Creme21 antritt.
Nüchtern: Die 4. Serie des Alfa Spider hat keinen Spitznamen bekommen
5 PS mehr Leistung versprach der Nachfolger, dem bis heute ein einprägsamer Name verwehrt blieb, und den wir demzufolge Serie 4 nennen. Eine modernere Bosch-Motronic und eine durchsatzfreudigere Auspuffführung sorgten für die Mehrleistung. Auf mehr Interesse stießen freilich die äußeren Veränderungen: Die integrierten Stoßflächen an Front und Heck mit dem schmalen Rückleuchtenband gefielen Fachpresse und Publikum gleichermaßen. Im Innenraum fielen die Neuerungen bescheidener aus: Echtledersitze, Fensterheber und erstmals eine Servolenkung verwandelten das Auto in einen kleinen Luxus-Spider.
Noch heftiger ging es in den US-Modellen zu. Auf Wunsch gab es diese sogar mit Automatikgetriebe, Airbags und Klimaanlage, die allerdings schon bei den Gummilippen für den amerikanischen Markt lieferbar war.
Zumindest über die Servolenkung kann man sich heute noch freuen. Sie verleiht dem Spider beim Langsamfahren eine Agilität, die vorher undenkbar war. Altgediente Alfa-Schrauber freilich bemängeln, dass die erhöhten Kräfte, die dadurch auf die Radaufhängung wirken, für ausgeschlagene Fahrwerkslager sorgen.
Mehr zu den vier Generation des Alfa Spider und die Antwort auf die Frage, welcher der beste Spider ist, gibt es bei unserer Schwesterseite www.motor-klassik.de.
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