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Alle 13 Sekunden ein Unfall

Unfall-Statistik sinkt seit Jahren

Foto: VW

Alle zwei Stunden stirbt ein Mensch im Straßenverkehr. Die Gefahr, im Straßenverkehr ums Leben zu kommen, sinkt seit Jahren. Es passieren aber immer noch schwere Karambolagen.

06.07.2011

Einige Durchschnittsdaten zum Unfallgeschehen 2010 in Zeitangaben:

  • Alle 13 Sekunden passiert ein Unfall, den die Polizei erfasst.
  • Alle 85 Sekunden wird ein Mensch bei einem Verkehrsunfall verletzt.
  • Alle 13 Minuten passiert ein Unfall wegen Alkohols.
  • Alle 2 Stunden stirbt ein Mensch im Straßenverkehr.
  • Alle 12 Stunden passiert ein tödlicher Aufprall auf Bäume.
  • Alle 14 Stunden stirbt ein Motorradfahrer.
  • Alle 18 Stunden kommt ein Fußgänger ums Leben.

Kreuze an der Landstraße und abschreckende Plakate mit Fotos von Schwerverletzten an der Autobahn: Wenn es um die Senkung der Unfallzahlen in Deutschland geht, hilft das alles wenig. Hauptrisikofaktor im Straßenverkehr bleibe der Mensch, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Hoffnung mache der Führerschein mit 17, ergänzt er im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Wie bewerten Sie mit Rückblick auf die vergangenen Jahre die Entwicklung des Unfallgeschehens in Deutschland?

Brockmann: "Es gibt seit vielen Jahren einen Rückgang der Getöteten. Geringer fällt der Rückgang bei den Schwer- und Leichtverletzten aus. Und bei den Unfallzahlen hat sich leider fast gar nichts verändert."

Woran liegt das?

Brockmann: "Bei diesem Problem gibt es drei Teilbereiche. Zum einen die Fahrzeugtechnik, zum Beispiel mit den Themen Gurt, Airbag oder Schleuderverhinderer (ESP). Dazu kommt die Infrastruktur, zum Beispiel die Gestaltung sicherer Kreisverkehre und Kreuzungen. Und als drittes gibt es den Faktor Mensch."

In welchem Bereich tut sich am wenigsten?

Brockmann: "Der Mensch hat sich eindeutig am wenigsten verändert. Hauptproblemgruppe bleiben die 18- bis 24-jährigen Autofahrer. Denn bei ihnen kommen das Anfängerrisiko und das Jugendlichkeitsrisiko zusammen. Also, selbst wenn sie fahren können, müssen sie den wilden Max machen und schnell fahren, weil die Freundin im Auto sitzt. Dann wird es ganz gefährlich. Doch der Führerschein mit 17 macht Hoffnung, dass sich da etwas bewegt. Es gibt schon sehr gute Erfolge. Eine Begleitperson ist dabei ja Pflicht, und sie scheint beide Risikoarten positiv zu beeinflussen. Da geht es nicht nur um vorausschauendes, sondern auch um verantwortungsvolles Fahren."

Was haben neue Fahrzeugtechnik und Pflichten wie der Gurt gebracht?

Brockmann: "Die Anschnallpflicht ist beim Rückgang der Todeszahlen ganz sicher Nummer eins. Der Gurt ist mit Abstand der größte Lebensretter. Wir beobachten leider nur, dass er schon wieder etwas in Vergessenheit gerät. Der Airbag hat nicht ganz so entscheidende Auswirkungen. Insbesondere, wenn jemand meint, er könne unangeschnallt fahren. Schleuderverhinderer haben positiven Einfluss. Und die Fahrgastzelle schützt eindeutig immer besser."

Verleitet die bessere technische Ausstattung von Fahrzeugen samt ihren Schutzfunktionen vielleicht dazu, weniger vorsichtig zu fahren?
Können durch die Technikgläubigkeit also mehr Unfälle entstehen?

Brockmann: "Ein solcher sogenannter Kompensationseffekt ist sehr umstritten. Bei Systemen, die man beim Fahren nicht bemerkt, Beispiel ESP, gibt es ihn gar nicht. Aber selbst wo er existieren mag, überwiegen die positiven Wirkungen der Technik jedenfalls deutlich. Mehr Unfälle durch Technik? Ein klares Nein."

Was können Bund, Länder und Kommunen für die Unfallverhütung tun?
Helfen Plakatkampagnen, zum Beispiel an Autobahnen?

Brockmann: "Es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass jeder vierte Getötete an einem Baum an der Landstraße stirbt. Deshalb werden dort mehr Leitplanken installiert. Sie verhindern keine Unfälle, aber sie verhindern in der Regel, dass der Fahrer getötet wird. Das ist außerhalb von Ortschaften eine sehr effektive Maßnahme. Plakate dagegen wirken kaum. Es gibt psychologische Untersuchungen, die belegen, dass sich das Fahrverhalten durch sie nicht nachhaltig verändert."

Und was hilft innerhalb von Städten und Gemeinden am besten?

Brockmann: "Helfen können Tempo-30-Zonen, wo sie angemessen sind.
Auch sicheres Abbiegen durch eigene Grünphasen für Linksabbieger kann schwere Unfälle verhindern. Kommunen und Kreise haben noch die größte Chance, bei konkreten Problemen zu handeln. Denn sie sind Träger der Unfallkommissionen, in denen sich Straßenbaubehörden, Straßenverkehrsbehörden und Polizei zusammen Unfallschwerpunkte anschauen. Da gibt es viele Beispiele, wie erfolgreich diese Arbeit sein kann: erst 50 Unfälle in drei Jahren und später gar keiner mehr. Die Kommissionen sind extrem wichtig, sie blühen jedoch eher im Verborgenen.

Die Länder haben ein effektives Instrument: Nordrhein-Westfalen führt zum Beispiel ein Ranking über Unfallzahlen in Kommunen. Das übt zusätzlich Druck aus, sich zu verbessern."

Gibt es Hoffnung auf weniger Unfällen bei den "ewigen Gegnern" Auto- und Radfahrer?

Brockmann: "Da sieht es weiter düster aus. Beim Radverkehr bleibt vor allem das Abbiegeproblem - wenn Autos oder Lastwagen abbiegen und eine Radstrecke kreuzen. Das haben wir zurzeit nicht sinnvoll im Griff. Selbst, wenn man für Radfahrer separate Ampelphasen schaltet. Denn die Radfahrer müssten sich daran halten. Da viele Radler die Straßenverkehrsordnung aber nur relativ rudimentär beachten, tragen sie bedauerlicherweise eine Mitverantwortung an den vielen Unfällen."

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