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ALMS Laguna Seca 2009

Schwaben-Pfeil beim ALMS-Abschlussrennen

ALMS Foto: ALMS 48 Bilder

Für Porsche war es das Rennwochenende des Jahres. Während sich das Doppel Jörg Bergmeister / Patrick Long beim ALMS-Abschlussrennen in Laguna Seca den Sieg in der GT2-Klasse sichern konnte, gewannen Dirk Werner und Leh Keen in Homestead die GT-Meisterschaft in der Grand-AM-Serie.

11.10.2009 Powered by

Spannender hätte man sich den Saisonabschluss der American Le Mans Series (ALMS) kaum wünschen können. Das Rennen auf dem hügeligen Kurs von Laguna Seca zählt neben dem Petit-Le-Mans-Event auf dem Kurs Road Atlanta nicht nur durch seine Dauer zu den schwersten in der ALMS.

Vier Stunden Vollgas in Laguna Seca

Vier Stunden Vollgas auf dem Wüstengeschlängel im Hinterland von Monterey ziehen jedes Jahr mehr als zehntausende Zuschauer an. Das Rennen in Laguna Seca hat für viele Fans Jahr für Jahr seinen ganz besonderen Reiz. Unter dem Titel "Racing into Darkness" startet das Teilnehmerfeld in seinen mittlerweile fünf einzelnen Klassen erst am Nachmittag. Wenn die Zielflagge nach aufreibenden Stunden voller Zweikämpfe, Taktik und Boxenstopps um 18.45 Uhr fällt, liegt die feuchte Dämmerung über den Hügelketten von Laguna Seca. Tausende Fans blicken von Liegestühlen und Bierbänken auf die 3,6 Kilometer lange Piste.

Spätestens ab dem späten Nachmittag legt sich eine Duftmischung aus Benzin, Würstchen, Hamburgern, Reifenabrieb und Holzkohle über die Strecke. So etwas gibt es sonst allenfalls bei den 24-Stunden-Rennen von Le Mans und am Nürburgring.

American Le Mans Serie seit 1999


Die American Le Mans Serie wurde im Jahre 1999 von Don Panoz ins Leben gerufen. Der Milliardär und Kleinserienhersteller von Sportwagen wollte seinem Hobby, Motorsport auf höchstem technischen Niveau nicht nur einmal im Jahr, bei den 24 Stunden von Le Mans frönen. Seither hat sich die American Le Mans Series zu einer der prestigeträchtigsten Rennserien auf der Welt entwickelt. In fünf Rennklassen treten Prototypen und GT-Fahrzeuge in bis zu zehn Rennen pro Saison gegeneinander an.

Mehr Überholmanöver, Pace-Car-Phasen oder Boxenstopps gibt es in keiner anderen Rennserie. Nicht zum ersten Mal hat Porsche in der American Le Mans Serie die Hosen an. Der deutsche Pilot Jörg Bergmeister drückte der ALMS-Saison 2009 mit wechselnden Partnern im Porsche 911 GT3 RSR seinen Stempel auf. Nach fünf Siegen in den ersten sechs Rennen wurde es in der zweiten Saisonhälfte noch einmal spannend.

Jörg Bergmeister und Patrick Long im Porsche erfolgreich


Doch im Abschlussrennen machte die Fahrerkombination Jörg Bergmeister und Patrick Long den Sack zu und ließ dem Risi-Ferrari-Team keine Chance. Bergmeister ist seit Jahren in den USA zu Hause und konnte für das Flying-Lizard-Team den Sieg in der GT2-Klasse aus dem letzten Jahr wiederholen. Spektakulärer als in Leguna Seca hätte der Zieleinlauf kaum sein können. Als der auf Platz zwei in der GT2-Wertung liegende Jan Magnussen nach der letzten Kurve mit Gewalt an Joerg Bergmeister vorbei wollte, schlug Magnussen mit seiner Corvette C6.R des Compuware-Teams hinter der Ziellinie in die Boxenmauer ein. Kaum weniger spannend, aber umso emotionaler ging es in der Prototypenklasse 1. ALMS-Legende und Teaminhaber Gil de Ferran fuhr in Laguna Seca sein letztes Rennen und siegte mit dem Acura ARX-02a.

ALMS-Rennen nicht mit Europa vergleichbar

"Die Rennen hier in der USA sind mit denen in Europa nicht zu vergleichen", erzählt Porsche-Werksfahrer Jörg Bergmeister mit einem Lachen, "ist alles viel lockerer hier. Die Rennstrecken, die Stimmung und die Fans. Sie kommen einfach viel näher dran. Das macht einfach Spaß."

Für Bergmeister ist Laguna Seca eine seiner Lieblingsstrecken. Die echten Fans zieht es mehrfach während der vier Stunden Rennzeit zur Schlüsselstelle, der Kurve Corkscrew. Von dem höchsten Punkt der Strecke geht es für Corvettes, BMW M3, Jaguar XKR, Panoz Esperante, Ferrari 430, Lola B09 oder Acura ARX korkenzieherartig hinunter Richtung Fahrerlager. Hier gibt es zwischen den Fahrzeugen von Prototypen- und GT-Klassen die spannendsten Überholmanöver und für die Zuschauer feuchte Hände.

Hört Jim den Begriff "Corkscrew", fangen bei ihm die Augen an zu strahlen. Der 45-Jährige aus dem Süden der San Francisco Bay Area lässt sich die wichtigen Rennen in Laguna Seca nicht entgehen. Besonders die American Le Mans Series (ALMS) ist das Steckenpferd des sportlichen Kaliforniers aus der Nähe von Palo Alto. Vor dem Start ist im Fahrerlager und der Boxengasse die Hölle los. Fahrer, Teams und Autos zum Anfassen - in Europa fast undenkbar.

In Laguna Seca ist alles unglaublich entspannt


"Genau das mag ich an den Rennen. Ist alles unglaublich entspannt", erzählt Bergmeister während er Minuten vor dem Start noch Helme, T-Shirts und Poster mit seiner Signatur versieht. Einen Augenblick später setzt der blonde Hüne seinen bunten Helm auf und startet den 450 PS starken Porsche-Boliden. Auch in die aus Formel-1 und DTM bekannte Geheimniskrämerei ist in den USA verpönt. Teams von Porsche, Acura, Panoz oder Lola veranstalten am Trainingstag "Tech-Talks", bei denen kaum eine Frage der Fans unbeantwortet bleibt.

Das Publikum bei der American Le Mans Series lässt sich kaum mit denen anderer Rennserien vergleichen. Beim Rundgang rund um das Kurvengeschlängel von Laguna Seca stechen die teuren Autos der Fans ins Auge. Statt Massenware aus den USA und Asien bevölkern Luxus-Sportwagen aus europäischer Produktion die sandigen Stellplätze. Porsche-Motorsport-Chef Hartmut Kristen: "Die Leute haben hier mehr Geld, einen höheren Bildungsstand und können sich die Autos im Feld tatsächlich auch leisten." Ein Grund dafür, weshalb Porsche seit vielen Jahren in der ALMS aktiv ist.

"Bei einer Rennserie wie dieser sollen Kunden ein Teil der Markenfamilie werden. Das ist wichtiger als 10.000 mehr oder weniger verkaufte Fahrzeuge", so der Sprecher von Porsche Nordamerika, Bernd Harling, "das sportliche Statement bei einem Modell wie dem 911 von uns gilt heute, morgen und übermorgen." Das haben längst auch andere Hersteller erkannt.

Mehrere Hersteller in der ALMS vertreten

Bei der ALMS treten nicht nur Porsche und Corvette, sondern allein in der GT2-Klasse auch BMW, Jaguar und Ferrari gegeneinander an. Jeder will seine eigenen Produkte auf dem wichtigsten Massenmarkt der Welt stilecht in Szene setzen. Das gilt einmal mehr in wirtschaftlich schweren Zeiten. Auch Porsche hatte in den USA zuletzt unter der wirtschaftlichen Situation zu leiden. Da kommen Siege wie der ALMS mit einem deutschen Piloten gerade Recht, um das Markenimage zu schärfen. "Wir fahren mit dem 911er seit 40 Jahren im Motorsport. Das ist einmalig. Keine andere Marke ist so eng mit der Rennstrecke verbunden wie Porsche. Dadurch polieren wir unser Wappen", erklärt Porsche-Mann Bernd Harling. „Siege bringen uns nicht direkt neue Verkäufe", räumt dabei Porsche-Motorsport-Chef Hartmut Kristen ein, doch die Kunden wollen sehen, wie wir hier gewinnen. Dadurch wird die Kaufentscheidung nachträglich bestätigt."

Die Herstellerwertung hatte Porsche bereits beim vorletzten Rennen der Saison beim Petit Le Mans auf der Road Atlanta für sich entschieden. So gab es in Laguna einen Dreifach-Triumpf für Fahrer, Team und Markenwertung. Im nächsten Jahr werden sich die Tourenwagenhersteller wieder in der ALMS messen. BMW hat nach Ausstieg aus der Formel-1 bereits angekündigt, dass die beiden M3 GTR in der Saison 2010 Porsche, Ferrari und Corvette Paroli bieten wollen. Und auch Jaguars neues GT2-Team hat mit seinem XK RSR nach den ersten beiden Auftritten in Atlanta und Monterey 2010 einiges vor.

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