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Alpine-Sonderausstellung Retromobile

Die blauen Schönheiten von Jean Rédélé

Alpine-Sonderschau auf der Retromobile Paris 2014 Foto: Kai Klauder 17 Bilder

Sie sind blau, flach und erfolgreich: Die Kunststoffflunder der Marke Alpine gehören in Frankreich zum automobilen Nationalheiligtum. Nichts elektrisiert die Motorsporttraditionalisten der Grande Nation bis heute mehr als die flachen Flitzer aus Dieppe in der Normandie. Auf der Rétromobile war Firmengründer Jean Rédelé und seinen blauen Raketen eine Sonderschau gewidmet.

10.02.2014 Dirk Johae Powered by

Die Ausstellungsfläche ist so kompakt gehalten wie die Autos selbst: 13 historische, alpinblaue Renn- und Sportwagen stehen dicht gedrängt auf der Ausstellungsfläche und erinnern an das Werk des 2007 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Jean Rédélé. Vom Sport-Prototypen M63 aus dem Jahr 1963 bis zum A310 V6 in der Gruppe 4-Version von 1979 reicht das Spektrum der gezeigten blauen Renner aus Dieppe.

Die Geburt von Alpine

Vor 60 Jahren begann die Geschichte von Alpine mit dem Erfolg von Rédélé und Louis Pons beim Coupé des Alpes in einem getunten Renault 4 CV. Ausgehend von diesem Erfolg beim Lauf zur Rallye-Europameisterschaft wählte Jean Rédélé auch den Namen seiner Sportwagen: Alpine. Die Motorsporteinsätze bei Rallyes und Rudnstreckenrennen blieben das Herzstück der 1955 gegründeten "Societe des Automobiles Alpine", die zunächst 1973 in Teilen und 1979 vollständig an Renault überging.

Neben dem Rallyesport bildet allem das 24 Stunden-Rennen von Le Mans die wichtigste Bühne für die blauen Schönheiten. Ähnlich wie Porsche schielte Alpine nicht etwa auf Gesamtsiege, sondern auf Erfolge in den Klassen. 1963 wagte sich Alpine zum ersten Mal in das materialmordende Langstreckenrennen mit Weltgeltung. Ein Sport-Prototyp vom Typ M63 aus der Equipe von 1963 ist das älteste Alpine-Exponat auf der Rétromoble in Paris.

Premiere in Le Mans

Der erste Auftritt von Alpine beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans 1963 endet in einer Tragödie: Der Brasilianer Christian Heins verunglückt mit seinem Auto tödlich. Er hatte versucht dem schleudernden Auto eines Mitstreiters auszuweichen und war gegen einen Masten geprallt. Die übrigens Alpine, die man im Rennen gelassen hatte, fielen durch Defekte aus.

Aber schon im Jahr darauf fahren die kleinen blauen Renner in der Erfolgsspur. Alpine feiert in der Indexwertung für die beste Energieausnutzung (Thermal effiency) einen Doppelsieg: Der Ire Henry Morrogh, der in Magny Cours als Fahrinstruktor arbeitet, und Roger de Lageneste gewinnen die Wertung mit dem M64 1.150 ccm vor den Teamkollegen Roger Masson / Teodore Zeccoli in einem M63B mit Einliter-Motor.

Große Alpine-Erfolge

Noch erfolgreicher laufen die Le Mans-Rennen 1966 und 1968. Mit einem Dreifach-Sieg in der Indexwertung für die beste Energieausnutzung endet das Langstreckenrennen 1966, als Alpine den A210 mit einem rund 135 PS starken 1,3-Liter-Motor bestückt. 1968 wiederholen die Alpine-Piloten diese Leistung. Dazu siegen Jean-Claude Andruet und Jean-Pierre Nicolas mit einem kleinen A210 (1.005 ccm) im Leistungsindex. Dazu feiern sie zwei Klassensiege und Andre de Cortanze, der auch als Konstrukteur großen Anteil an der Leistungsfähigkeit der Alpine-Rennwagen hat, erreicht mit Jean Vinatier im A220 mit dem Dreiliter-V8 von Gordini den achten Gesamtrang.

Nach einem erneuten Erfolg im Energieindex 1969 sowie dem Klassensieg von Alain Serpaggi und Christian Ethuin in einem A210 konzentrieren sich Rédélé und sein Sportchef Jacques Cheinisse ganz auf den Rallyesport. Jean Claude Andruet feiert im A 110 1600 in der Saison 1970 die Rallye-Europameisterschaft.

Aber noch wichtiger für das Ansehen der blauen Kunststoffrenner aus Dieppe ist der Erfolg bei der Rallye Akropolis in Griechenland. Der Wettbewerb über eine Distanz von rund 3500 Kilometern mit vielen Schotterpisten zählt zu den härtesten Rallyes überhaupt: 1970 kamen von 80 Teams nur 13 in der Hauptstadt Athen ins Ziel. Die beiden Alpine-Teams Jean-Luc Thérier und Beifahrer Marcel Callewaert gewannen vor Jean Vinatier und dessen englischem Copiloten David Stone.

Konzentration auf Rallyes

Die Beschränkung auf die Rallyeeinsätze erweist sich als der richtige Weg zum Ruhm: Den beiden Gesamtsiegen bei der Rallye Monte-Carlo 1971 und 1973 als nachhaltigste Erfolge folgt am Ende der Saison 1973 der Gewinn der Rallye-Weltmeisterschaft für Marken, die erstmals ausgeschrieben wird. Zu diesem Zeitpunkt gehört die Mehrheit von Alpine bereits Renault, die 60 Prozent der Anteile von Jean Rédélé erworben haben.

Hinter den Kulissen drängt Sponsor elf, der mit Renault über einen Liefervertrag mit dessen Vertragswerkstätten verbunden ist, auf die Rückkehr der blauen Renner zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Alpine beginnt mit der Entwicklung eines Sportprototypen der Gruppe 6. Mit diesem, zunächst mit einem Zweiliter-V6 ohne Aufladung bestückten A441 gewinnt Alain Serpaggi die Zweiliter-Europameisterschaft vor den Markenkollegen Gérard Larrousse und Jean-Pierre Jabouille. Europameister Serpaggi hatte in der Saison zuvor im zarten Alter von 35 Jahren mit einem Alpine A364 das Formel-3-Championat in seiner Heimat gewonnen.

Le Mans-Sieg 1978

Diese Erfolgserlebnisse motivierten zur Rückkehr nach Le Mans, wo 1978 mit einem A442B und den Fahrern Didier Pironi und Jean-Pierre Jaussaud der Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen gelang. Außerdem baute Alpine mit dem A500 jenes Chassis, das als Ausgangsbasis für den Formel-1-Renault diente. 1979 gehörte Alpine dann zu 100 Prozent der Regie Renault. Im Jahr 1995, 40 Jahre nach der Gründung von Alpine, endete die Geschichte der blauen Schönheiten. Vorerst zumindest: 2012 präsentierte Renault die spektakuläre Studie A110-50 und im Jahr darauf feierte Alpine als Teamname beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans seine Wiederauferstehung.

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat für Alpine noch ganz eine besondere Bedeutung. 1967 schreiben die blauen Renner aus Dieppe Motorsportgeschichte. Sie starten erstmals mit profillosen Reifen, die von Michelin als Radialreifen entwickelt wurden. Mit dieser Neuerung feiern zwei Alpine-Teams mit unterschiedlich motorisierten A210 jeweils einen Klassensieg.

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