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Alptraum Abwrackprämie

Schrotthändler bauen Blech-Berge

Schrottplatz Foto: dpa

Die Höfe der Schrotthändler und Autoverwerter quellen über, die Preise für Schrott fallen dramatisch. Ein Ende des Albtraums für die Branche ist dank der Verlängerung des Abwrackprämie nicht abzusehen.

08.04.2009 Powered by

Die Schrotthändler sehen die Kapazitätsgrenze für die Verwertung von Altautos erreicht und auch die Gebrauchtwagenmärkte leiden unter dem Verlust von günstigen Angeboten.
 
Ratlos steht Jörg Pabst auf seinem Schrottplatz in Dortmund inmitten eines Berges von Corsas und Twingos. "Wir wissen teilweise nicht mehr, wohin damit." Die Kapazitätsgrenze ist trotz Sonderschichten erreicht. Selbst auf dem ehemaligen Kundenparkplatz und dort, wo Pabst bis vor sechs Wochen Unfallautos abgestellt hat, stapeln sich nun die abgewrackten Fahrzeuge. Auch das Ersatzteillager quillt über. Jahrelang hat Pabst von einer solchen Blechlawine nur träumen können. Nun, wo sie da ist, stellt der 45-Jährige fest: "Das ist ein Albtraum."
 
Erste Verwerter wollen keine Autos mehr annehmen
 
Im Büro auf der anderen Straßenseite sitzt seine Frau, Beate Pabst-Berg (44). Über ihr hängt das Schild "Reparatur und Annahme". Treffender wäre momentan die Aufschrift "Verwertungsnachweise". "Wir sind jetzt bei 478, und es hört nicht auf", stöhnt sie. Normalerweise verschrotten die Pabsts jährlich höchstens 150 Autos. Nun füllen sie täglich bis zu 30 neue Verwertungsnachweise aus.

Die Pläne der Bundesregierung, die Fördersumme für die Prämie über die vorgesehen 1,5 Milliarden Euro hinaus aufzustocken, sieht Pabst kritisch. "Das ist meiner Meinung nach ein Fehler", meint der Autoverwerter. "Die sollten sich mal informieren, was das für Folgen hat, die Abwrackprämie." Der Markt könne sich gar nicht mehr richtig beruhigen. Seine Frau berichtet: "Manche Kollegen haben schon angekündigt, dass sie keine Autos mehr annehmen."
 
Gesunkene Schrottpreise, gestiegenes Altautoaufkommen
 
Wer noch annimmt, der verlange von den Händlern mittlerweile sogar Geld dafür. "Das hat sich eigentlich komplett umgekehrt", sagt Pabst. Doch anders lohne es sich bei den stark gesunkenen Schrottpreisen nicht mehr. Pro Auto fallen rund 900 Kilo Schrott an. Eine Tonne (1.000 Kilo) bringe höchstens noch 20 bis 40 Euro ein, bestätigt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (Düsseldorf), Ulrich Leuning. Vor einem Jahr waren es noch 100 Euro mehr.

Als "Flop des Jahres" bezeichnet der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Altauto (Regensburg), Gottfried A. Höll, die Bonuszahlung. "Die gesamte Infrastruktur, die dahinter steht, bleibt auf der Strecke. Nur die Händler verdienen sich eine goldene Nase." 3,2 Millionen Autos werden laut Höll normalerweise jährlich abgemeldet. Zwei Millionen davon wanderten ins Ausland, 1,2 Millionen landeten bei den Verwertern. In diesem Jahr seien schon weit mehr als 800.000 Fahrzeuge auf Schrottplätzen abgegeben worden.

Kleine Gebrauchtwagenhändler stehen vor dem Aus
 
Pabst sieht auch Probleme für den Gebrauchtwagenmarkt. Mindestens die Hälfte der abgegebenen Autos könne man als Gebrauchtwagen weiterverkaufen, sagte er. Tatsächlich fehlen die Modelle, die den Schrottplätzen momentan zu viel sind, auf dem Gebrauchtwagenmarkt. "Die Händler, die wir haben, haben ganz schön zu kämpfen", sagt Sven Michalczak, Geschäftsführer des Privaten Automarkts im Autokino Essen. Die Umsätze auf dem samstäglichen Markt seien um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Statt 2.500 Fahrzeugen stünden nur noch 1.200 auf dem Platz. "Die kleineren Gebrauchtwagenhändler werden das alles nicht überleben."

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