Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Alte Meister

AvD-Oldtimer-Grand-Prix

31 Bilder

Mehr als 560 historische Renn- und Sportwagen trafen sich zur 34. Ausgabe des AvD-Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring. Als gemeinster Gegner entpuppte sich einmal mehr das Eifelwetter.

16.09.2006 Hans-Jörg Götzl Powered by

Reden wir vom Wetter: "Die Wolken überwiegen, es gibt teils kräftige Schauer, örtlich auch kurze Gewitter. Die Temperatur bleibt auf frühherbstlichem Niveau, mehr als 14, maximal 15 Grad sind nicht drin", prophezeit Diplom-­Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst für den Oldtimer-Grand-Prix. Und so kommt es dann auch.

Eine knappe halbe Stunde vor Trainingsbeginn des Owell SupersportsCup wird der Himmel über dem Fahrerlager tiefschwarz. Zehn Minuten später steht die 4,6 Kilometer lange GP-Strecke vollständig unter Wasser.

Hastig stimmen Peter Hoffmann und seine Partnerin Sabine Keßler den McLaren M8 auf Regen ab, damit wenigstens ein paar der rund 850 PS des 8,9-Liter-V8 in Vortrieb umgesetzt werden: Stabis vorn und hinten je eine Stufe weicher, ­alle vier Dämpfer in Zug- und Druckstufe weicher, Bremsbalance um ein paar Prozent nach hinten, der Heckflügel ein Stück steiler. Und natürlich grobprofi­lierte Regenreifen anstelle der Slicks.

"Eigentlich sollten wir auch die Federn wechseln, aber dafür ist jetzt keine Zeit mehr", meint Hoffmann, stülpt sich die feuerfeste Kopfhaube über und steigt in den CanAm-Wagen. Und was bringt der Umbau? "Mindestens vier bis fünf ­Sekunden", schätzt der ehemalige Interserie-Champion.

Im Zeittraining donnert der alte Fuchs sodann immer direkt an der Boxenmauer entlang statt auf der außen liegenden Ideallinie. "Dort ist mehr Grip", verrät er. Lohn der Mühe: Pole Position vor Silvio Kalb im March 76S und dem ehemaligen Chevron-Werksfahrer John Burton im B26.

Etwa zur selben Zeit wie die Supersports gehen auch die 100 Teilnehmer des Historic-Marathon zum traditionellen dreistündigen Langstreckenrennen auf die benachbarte Nordschleife - und hier sorgen die Wetterverhältnisse dafür, dass von den Tourenwagen und GT bis Bau­jahr 1971 mehrere Exemplare nicht einmal die Einführungsrunde ohne gröbere Kaltverformungen überstehen.

Nach dem Start ziehen die Eifelgeister dann alle Register ihres Könnens: Da scheint auf einer einzigen Runde am Bergwerk die Sonne, am Brünnchen gießt es aus Kübeln, und über der improvisierten Boxengasse an der Tribüne T13 geht ein kräftiger Hagelschauer nieder. "So etwas habe ich noch nicht erlebt, überall zuckten Blitze, zeitweise konnte man keine zehn Meter weit sehen", konstatiert Mercedes 300 SE-Fahrer Rolf Stockebrand kopfschüttelnd.

Das führt zu wüsten Szenen, immer wieder schleppen sich Autos mit bösen Verletzungen in die Boxengasse, wo sie von den Mechanikern ungerührt gerade gedengelt und mit viel Race-Tape versehen wieder losgeschickt werden. Der Ita­liener Pierluigi Boldrocchi etwa schlägt mit seinem Mini zuerst vorn rechts ein
– als er eine Runde später wieder hereinkommt, ist auch der linke Kotflügel zerknittert. "Eine Diskussion mit einem Mustang", erklärt er.

Jeder Fahrer hat Abenteuerliches zu berichten: "Einmal haben sich am Flugplatz vor mir fünf Autos gedreht", erzählt Bernhard Pfälzer. Der Porsche 911-Pilot und sein Teamkollege Gottfried Burckhardt gehören wegen ihrer spektakulären Fahrweise zu den Publikumslieblingen, diesmal aber haben sie Pech: Im Training bleibt der Porsche mit Spritmangel liegen. "Benzinpumpe defekt", diagnostiziert Pfälzer, doch auch mit neuer Pumpe läuft der Wagen nicht. Am Ende entdecken sie einen staubtrockenen Tank.

Somit müssen die beiden mit Startplatz 90 vorlieb nehmen. Von dort fahren sie wechselseitig auf Rang zwei vor - bis Burkhardt den 911 kurz vor Schluss noch anmutig in die Botanik wirft. Als das stark dezimierte Feld endlich abgewunken wird, steht Jaguar E-Fahrer Marcus von Oeynhausen als Sieger fest. Und das trotz Blasenschwäche: "Nach sechs Runden habe ich es nicht mehr ausgehalten und musste zum Pinkeln anhalten", grinst er.

Zur Belohnung für die Strapazen erhalten anschließend alle Fahrer eine besondere Trophäe mit einem Stromlinienwagen. "Eine Nachbildung eines Modells von 1934", erklärt Claus-Peter Beckhäuser, Präsident des einst für den ersten Oldtimer-GP 1973 gegründeten CHRSN (Club historischer Renn- und Sportfahrzeuge Nürburgring), der seither neben dem AvD an der Organisation beteiligt ist.

Die Skulptur erhalten auch alle 50 Teilnehmer der neuen Nürburgring Challenge für Tourenwagen und GT bis 1965, die ebenfalls auf der Nordschleife aus­getragen wird. Und noch etwas ist neu bei diesem 34. Oldtimer-GP: Um dem Schwund in der Vorkriegsklasse entgegenzuwirken, dürfen diese am Samstagmorgen in einem freien Training über die Nordschleife tollen und können überdies an einer Rallye teilnehmen.

Der Einsatz lohnt sich, denn nach wie vor gehören die Darbietungen der Vorkriegsfahrer mit zum Feinsten: Die Art und Weise, wie Josef Otto Rettenmaier dem Feld auf dem bärenstarken Maserati 6C34 auf und davon eilt und dahinter
die Briten Tony Smith im Alfa Tipo B und Gareth Burnett auf Talbot 105 um Rang 2 raufen, ist schlicht die reine Freude.

Am Ende feiert Smith sogar den Gesamtsieg, weil Rettenmaier zu forsch durch die Boxengasse donnert und mit einer Zeitstrafe belegt wird. Wobei der Schwabe zur Entschuldigung anmerken kann, dass der Maserati nicht einmal über einen Geschwindigkeitsmesser verfügt - anders als der Wagen eines Fahrers aus dem GT-Feld, der erst die Aufforderung zum Absitzen der Zeitstrafe übersieht, dann die schwarze Flagge und anschließend gewissermaßen mit einem Sack über dem Kopf durchs Fahrerlager läuft. "Wie peinlich", knirscht er.

Fröhlich gefeiert wird dagegen im Zelt des Schweizers Christian Traber: Der 50-Jährige hat mit seinem BMW M1 Procar den ersten Lauf des Revival Deutsche Rennsportmeisterschaft gewonnen – das vielleicht spannendste Rennen an die-sem Wochenende: Bereits am Start raucht die Kupplung des haushohen Favoriten Klaus Ludwig im 911 RSR ab. Dann nagelt Peter Mücke im Ford Capri RS nach vorn, doch in der vierten Runde durchbricht das Pleuel von Zylinder fünf die Wand des 3,4-Liter-V6.

Anschließend entbrennt zwischen Traber und Michael Hinderer im M1, RSR-Fahrer Wolfgang Pohl sowie dem Dänen Claus Damgaard im De Tomaso Pantera ein rundenlanger, beinharter Kampf um die Spitze, der keinen der Zuschauer auf den Sitzen hält. "Wer nicht glaubt, dass im historischen Sport wirklich gerannt wird, sollte das hier sehen", jubelt Kommen­tator Johannes Hübner.

Schließlich geht Traber mit einem hauchdünnen Vorsprung als Erster über die Ziellinie - sein erster Rennsieg überhaupt. "Dabei habe ich das Auto am Start abgewürgt und jede Menge Plätze verloren - ich kann es noch gar nicht glauben", sagt er freudestrahlend.

Nicht ganz nach Wunsch läuft es dagegen für McLaren-Fahrer Peter Hoffmann: Bereits im Zeittraining springt der fünfte Gang raus, ebenso auch im ersten Lauf. Im zweiten Lauf am Sonntag rollt der 66-Jäh­rige gar nach zehn Runden mit Getriebeschaden aus.

Dafür zeigt sich das Eifelwetter am letzten Tag deutlich besser gelaunt: Zwar müssen die ersten Läufe wegen dichten Nebels verschoben werden, doch dann strahlt die Sonne. Dabei war das in der Wettervorhersage gar nicht vorgesehen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige