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American La France

Wie die Feuerwehr

Foto: Beate Jeske 15 Bilder

Unter dem Namen American-LaFrance entstanden in den USA mehr als siebzig Jahre lang Feuerwehrautos. Die bulligen Wagen werden heutzutage zu urigen Roadstern umgebaut, die beim Publikum auf viel Sympathie stoßen.

09.05.2007 Adriano Cimarosti Powered by

Die wahren Big Blocks

Sie sind massiv gebaut, weisen einen großen Hubraum von 9,4 Litern (vier Zylinder, Leistung 85 PS, Trockengewicht rund 1,7 Tonnen) oder 14,5 Litern auf (sechs Zylinder, Leistung 115 PS, Trockengewicht jedoch 2,7 Tonnen). Die robusten Amerikaner rollen meistens auf Holzspeichenrädern, stammen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, wurden mit einer unglaublichen Akribie restauriert und sind in der braven Schweiz mit ihren automobilistisch sonst so rigiden Behörden sogar im Straßenverkehr zugelassen.

Aber angesichts der Tatsache, dass sie nur Bremsen an den Hinterrädern aufweisen, dürfen sie im hiesigen Verkehr offiziell mit Maximaltempo 30 operieren. Vermutlich ein Limit, dem wohl eher eine rein akademische Bedeutung beizumessen ist. Würde man auf einem abgesperrten flachen und geraden Stück die Zügel hinter dem massiven und schwergängigen Volant mal total lockern, gäben diese exotischen Saurier der Landstraße je nach Übersetzung schon ihre 90 bis 110 km/h her. But that’s an other story.

Aus Hyenveux wurde LaFrance

Laut einem alten Dokument wurde in Elmira/New York bereits 1845 die Herstellung von Feuerwehrvehikeln aufgenommen. 1860 sei ein gewisser Truckson LaFrance dem Unternehmen beigetreten, wobei der Sprössling einer einst aus Frankreich eingewanderten Hugenottenfamilie, die eigentlich Hyenveux hieß, auch sehr erfolgreich gewirkt haben soll.

Aus nahe liegenden Gründen sei es für amerikanische Lippen kaum möglich gewesen, den Namen Hyenveux korrekt auszusprechen - weshalb man den begabten Ingenieur einfach Truckson LaFrance genannt habe. 1873 wurde die Firma auf LaFrance Manufacturing Company umgetauft, doch 1903 erfolgte eine weitere Namensänderung. Nun hieß das Unternehmen American-LaFrance Fire Engine Company, weiterhin mit Sitz in Elmira.

Produktion von Feuerwehrautos bis in die 70er

Man baute Feuerwehrfahrzeuge mit Dampfantrieb, und um 1910 herum wurde auf die Produktion von Feuerwehrwagen mit konventionellen Vier- oder Sechszylindermotoren umgestellt. Das Unternehmen wuchs laufend, denn fast jede amerikanische Stadt brauchte American-LaFrance-Feuerwehrautos. Bis in die siebziger Jahre blieben die laufend modernisierten Vehikel aus Elmira in Produktion.

Nach verschiedenen Turbulenzen wurde die Firma 1995 von Freightliner übernommen und soll später von DaimlerChrysler geschluckt worden sein. Wie dem auch sei: Es gibt nichts, das nicht gesammelt wird. Davon kann beispielsweise die Firma Antique Fire House in Loveland/ Colorado ein Liedchen singen, auf deren großem Feld alte Feuerwehrwagen Schulter an Schulter stehen und auf willige Käufer warten.

Der Chef ist ein Hüne, heißt John Bergquist, ist selbstverständlich schwedischer Abstammung und weiß alles über seine im Freien dahinrostenden Preziosen, die er wortgewandt ins beste Licht zu stellen versteht.

Von Colorado in den Aargau

Durch ein Inserat in einem amerikanischen Magazin wurde Ernst Meier, der in Muri (Aargau) ansässige Liebhaber historischer Fahrzeuge, 1991 auf die in Loveland stehenden Objekte aufmerksam. Der ehemalige Militärpilot, der später während 31 Jahren für die Swiss-Air flog, zögerte nicht und stand alsbald vor der Haustür Bergquists.

Meier entschied sich für ein ehemaliges Pikettfahrzeug des Firechiefs, welches sechs Mann mitnehmen konnte, noch immer die volle Ausrüstung aufwies und fahrbar geblieben war. Es handelte sich um den American LaFrance Typ 10 mit 85 PS bei 1.500 /min abgebendem Vierzylindermotor (Abmessungen 139,7 x 152,5 mm, 9344 cm3), der laut Borddokumenten am 3. Dezember 1916 an die Stadt Raton in New Mexiko ausgeliefert worden war.

Der erste Einsatz des damals noch auf Vollgummireifen rollenden Chemical-Trucks erfolgte schon drei Tage später. Die Feuerwehr von Raton musterte den stolzen und in die Jahre gekommenen Sechssitzer 1946 aus. Nun wurde der rote Bulle mit den Goldfilets dem Straßenreinigungsdienst zugeteilt.

Aber schon 1948 kaufte ein Sammler namens John J. Campbell das mittlerweile heruntergekommene Fahrzeug für bescheidene 100 Dollar. Das dann frisch herausgeputzte Feuerwehrauto kam nun oft bei Paraden zum Einsatz, musste aber 1960 wieder einen Besitzerwechsel über sich ergehen lassen. In einem Container erfolgte 1991 der Transport in die Schweiz.

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