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AMG-Chef Tobias Moers im Interview

"Kompakte spielen eine essentielle Rolle"

Tobias Moers, Portrait, Interview Foto: sport auto 22 Bilder

Der langjährige AMG-Entwicklungschef Tobias Moers hat als Nachfolger von Ola Källenius nun die Gesamtverantwortung übernommen. Ein Gespräch über seine Rolle, neue Modelle bei AMG und den Motorsport.

02.02.2014 Birgit Priemer Powered by
Woran erkennen wir künftig die Handschrift von Tobias Moers als neuem AMG-Chef?

Tobias Moers: Ich möchte es schaffen, dass wir künftig weltweit als eigenständige Sportwagenmarke unter dem Dach von Mercedes-Benz wahrgenommen werden. Das sind wir, aber das Selbstbild weicht immer noch vom Fremdbild ab. Und das hätte ich gerne ad justiert. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Was brauchen Sie dafür?

Tobias Moers: Was uns definitiv helfen wird, ist der neue Sportwagen, der im nächsten Jahr kommt. Der wird uns helfen, unser Markenprofil weiter zu schärfen.

Wie nah ist die "Vision Concept"-Studie in Gran Turismo 6 (Anm. d. Red.: Playstation-Rennsimulation) am neuen Sportwagen von AMG?

Tobias Moers: Natürlich sind die Proportionen überzogen. Aber wenn man sich den Vision Concept anschaut, findet man eventuell einige grafische Elemente im Bereich von Heck und der Gestaltung der Scheibengrafik mit Dreiecksscheiben, die so auch in einem Serienfahrzeug kommen könnten.

Sie zielen mit dem neuen Sportwagen voll auf den Porsche 911. Haben Sie nicht Angst, dass Sie mit dieser Neuentwicklung gegen einen so starken Konkurrenten sang- und klanglos untergehen?

Tobias Moers: Der Wettbewerb in diesem Segment wird schärfer, da spielt zum Beispiel künftig auch ein Jaguar F-Type eine Rolle. Ich vertraue auf das, was wir können und auf die Beine stellen werden. Wir werden eine attraktive Alternative anbieten, die in puncto Leistung und Preis mehr als überzeugend ist. In Sachen Fahrdynamik ist unser Ziel, auf Augenhöhe mit den Besten im Segment zu sein, aber eben mit einem klassischen AMG-Antrieb und -Layout.

Sie haben gerade die Final Edition des SLS GT vorgestellt. Wie zufrieden waren Sie rückblickend mit der Baureihe?

Tobias Moers: Ich wäre ein schlechter Ingenieur, wenn ich sagte, ich wäre mit allem zufrieden. Das bin ich selten. Mit dem SLS war ich sehr zufrieden, insbesondere mit dem Black Series. Wir haben es erneut geschafft, unsere gesamte Kompetenz in einem Fahrzeug unter Beweis zu stellen. Aber man muss auch eine gewisse Lernkurve durchlaufen, wenn man das erste eigene Auto selbstständig entwickelt. Über den gesamten Lebenszyklus hinweg haben wir mehr als 10.000 Autos gebaut, von der GT Final Edition werden wir noch einmal 350 Modelle fertigen – und die sind bereits fast alle verkauft.

Haben die Flügeltüren damit ausgedient?

Tobias Moers: Ja, weil ein SLS als Gullwing erst einmal für sich steht. Die Gullwing-Story würde auch nicht funktionieren, wenn wir gleich wieder einen Nachfolger brächten. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

Der S 65 AMG bekommt wieder den V12. Wie lange können Sie mit dem Motor noch leben?

Tobias Moers: Noch lange. Er erfüllt die EU6, und wir können aus dem Motor noch mehr herausholen. Wir glauben auch nach wie vor fest an dieses Segment, denn es ist die Königsklasse, und die steht für höchste Exklusivität.

Welche Rolle spielt die Kooperation mit Aston Martin für Sie?

Tobias Moers: In einem ersten Schritt geht es um eine Kooperation auf dem Gebiet der Antriebstechnologie. Natürlich steht auch ein wirtschaftlicher Aspekt im Fokus. Wir erreichen eine höhere Motorenstückzahl – und das hilft uns sehr.

Daimler hat ja auch noch eine Beteiligung an Tesla. Könnten Sie sich vorstellen, gemeinsam ein Modell zu entwickeln, das Sie gegen den BMW i8 positionieren?

Tobias Moers: Das könnte ich mir, wie vieles andere auch, sicher vorstellen, aber es gibt kein entsprechendes Projekt.

Sehen Sie denn bei AMG eine Notwendigkeit, darauf zu reagieren?

Tobias Moers: Ich persönlich finde Elektrotechnologie gut und herausfordernd. Wir haben mit dem SLS Electric Drive ja auch etwas Einzigartiges auf die Beine gestellt und uns damit viel technische Kompetenz erarbeitet. Es wäre Wahnsinn, so etwas brachliegen zu lassen. Aktuell gibt es keinen Gedankenaustausch mit Tesla zu diesem Thema.

Mercedes lässt jetzt ganz langsam die Neunstufen-Automatik in die Serie einfließen. Wann kommt dieses Getriebe bei AMG?

Tobias Moers: Irgendwann werden wir auch diesen Schritt machen. Aber wir sind heute mit dem Siebenganggetriebe sehr gut aufgestellt, auch wenn man hinsichtlich Performance und Schaltgeschwindigkeit immer noch optimieren kann. Aber mit den Power-Motoren, die wir haben, brauchen wir nicht unbedingt eine Neunstufen-Automatik.

Welche Rolle spielt langfristig die Front-/Allradantriebsplattform bei AMG?

Tobias Moers: Die Kompakten spielen eine unglaublich wichtige Rolle für AMG. Wir kommen da in Volumina hinein, die für uns früher nicht vorstellbar gewesen wären. Wir werden von der Nachfrage ganz neuer Kundengruppen nahezu überrannt.

Welches Segment spielt künftig die wichtigere Rolle für Sie, die der großen AMG-Modelle wie auf M-Klasse-Basis oder die kleinen Varianten?

Tobias Moers: Beides. Die großen Modelle brauchen wir für bestimmte Märkte, wo allerdings mittlerweile auch die kleinen Modelle eine extrem wichtige Rolle spielen. Über den A 45 AMG können wir Kunden an unsere Marke heranführen, die sich später für die großen Autos entscheiden. Wir müssen also beides machen.

Wäre ein kleiner Sportwagen für Sie denkbar?

Tobias Moers: Wenn Sie mich als Entwickler fragen, sage ich: Ja klar, aber so etwas muss man erst einmal finanzieren. Das wäre sicher ein interessantes Thema, aber da sind Sie im Segment einer Lotus Elise unterwegs. Es wäre extrem ambitioniert, mit einem solchen Vorhaben wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Was haben Sie sich in puncto CO2-Reduktion konkret vorgenommen?

Tobias Moers: Wir wollen bis 2017 noch einmal 20 Prozent reduzieren. Es gibt noch viel Potenzial bei der Kraftstoffeinsparung.

Wie geht es mit dem Motorsport-Engagement in der GT3-Klasse weiter? Bleibt der SLS trotz Ende der Serienproduktion weiter im Dienst?

Tobias Moers: Der SLS wird weiter fahren. Wir werden das Auto noch etwas pflegen und den GT3 auf jeden Fall bis 2016 weiterbauen. Das würde sich auch mit der Neuordnung des FIA-Reglements ab 2016 decken.

Wird es für den CLA-Rennwagen einen eigenen Markenpokal geben oder eine Markenwertung innerhalb der VLN?

Tobias Moers: Unsere brasilianischen Kollegen werden den CLA 45 AMG Racing ab 2014 in einer eigenen Rennserie – der "Mercedes-Benz Challenge“ – einsetzen. Darüber hinaus schauen wir uns weitere Möglichkeiten an und diskutieren eine Markenwertung innerhalb der VLN.

AMG hat 2013 mit dem SLS AMG GT3 alle großen 24-Stunden-Rennen gewonnen, und zwar ohne direkte Steuerung durch den Hersteller. Wird AMG an dieser Taktik weiter festhalten? Bleibt der GT3 reiner Kundensport?

Tobias Moers: Eindeutig ja, denn das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ist das auch eine weitere Maßnahme, AMG eigenständig zu positionieren?

Tobias Moers: Ja. Zum authentischen Sportwagen gehört auch ein authentischer Rennwagen. Das hat alles schon seinen Sinn und Zweck.

STECKBRIEF

  • Name Tobias Moers
  • Geburtsort Freiburg im Breisgau
  • Alter 47
  • Familienstand verheiratet, 2 Kinder
  • Beruf Vorsitzender der Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH
Mit Tobias Moers steigt ein echtes AMG-Eigengewächs an die Spitze des Unternehmens auf: Seit 1994 arbeitet Moers bei der Sportwagenmarke und war dort zunächst in verschiedenen Entwicklerpositionen tätig. 1999 übernahm der heute 47-Jährige die Verantwortung für die großen Baureihen, 2002 wurde er Bereichsleiter für die Gesamtfahrzeugentwicklung. 2011 folgte die Berufung in die Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH. Seit 1. Oktober 2013 ist er als Nachfolger von Ola Källenius neuer AMG-Chef.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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