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Andrew Cowans Mitsubishi Sammlung

Scotland Yard

Foto: Daniel Roeseler, McKlein

Andrew Cowan, ehemaliger Rallye-Haudegen und Mitsubishi-Sportdirektor aus Schottland, präsentiert sein Privatmuseum. Stars unter den Exponaten sind die Rallye-Lancer, mit denen Mitsubishi fünf WM-Titel einfuhr.

20.11.2008 Claus Mühlberger Powered by

Großbritannien ist das Mutterland des Understatements. Hier trägt man den Nerz nach innen. Angeber gelten hier als uncool oder, um es in der Diktion der höheren Stände auszudrücken, als degoutant.

Ein gutes Beispiel für Tiefstapelei ist die schmucklose, in mildem Grün lackierte Halle in Broadmeadows, rund eine Stunde südlich von der Schotten-Metropole Edinburgh gelegen. Angesichts der ländlichen Umgebung würde ein Fremder darauf tippen, dass dort Traktoren, Mähdrescher oder anderes nützliches Agrargerät geparkt ist.

Weltgrößte Sammlung von Rallye-Mitsubishi

Hausherr Andrew Cowan stößt das Tor auf - und gibt den Blick frei auf die weltgrößte Sammlung von Rallye-Mitsubishi. Rund zwei Dutzend farbenfroh lackierte Wettbewerbsautos parken in Reih und Glied, angefangen vom Turbo- Lancer von 1977 über den ausladenden Galant, mit dem Mitsubishi 1988 die ersten zaghaften Schritte in der WM unternahm, bis zu den Lancer in allerlei Evo-Versionen.

Für diejenigen, denen die jüngere Rallye-Geschichte nicht geläufig ist, sei kurz rekapituliert: Das von Andrew Cowan gelenkte Mitsubishi-Team war von Mitte bis Ende der neunziger Jahre der absolute Herrscher auf den Sonderprüfungen dieser Welt. Fahrer Tommi Mäkinen, ein äußerst schweigsamer Finne mit schwerem Gasfuß, eroberte zwischen 1996 und 1999 vier Mal in Folge die Krone in der Fahrer-WM. Und 1998 durften sich Cowan und seine japanischen Chefs auch über den Titel in der Herstellerwertung freuen.

"Fünf Jahre hat Andrew mit der Planung der Halle zugebracht", sagt Cowans Ehefrau Linda. "Es musste alles ganz genau stimmen, bis hin zum Einfallswinkel des Lichts. Und besonders wichtig war es ihm, dass der Schuppen von der Straße aus nicht zu sehen ist." Für die Öffentlichkeit ist das Mitsubishi- Museum nicht zugänglich. Nur guten Freunden öffnet Cowan die Tür. Und denen erzählt der Schotte die besten Storys aus der Drifter-Szene, und zwar mit einer fast jungenhaften Begeisterung, so dass man es kaum glauben mag, dass er im Dezember schon seinen 72. Geburtstag feiert. Gäste können es sich auf Polstersesseln gemütlich machen.

In einer Ecke parken die Rallye-Geräte, die der Hausherr in den frühen Jahren seiner Fahrer-Karriere höchstselbst bewegte: Neben dem winzigen Hillman Imp steht der hellblaue Hillman Hunter von 1968, mit dem Cowan die Marathon- Rallye London-Sydney gewann und so seinen Ruf als exzellenter Langstreckenexperte begründete.

Cowan holt den ersten Sieg für Mitsubishi

1968 startete man bei Rallyes noch im weißen Hemd und mit Krawatte - und gelegentlich auch mit drei Fahrern in einem Auto. "Es mussten ja enorme Distanzen praktisch nonstop bewältigt werden", sagt Cowan. "Von London bis Bombay in Indien zum Beispiel fuhren wir in sieben Tagen. Was glauben Sie, wie müde man dabei wird." Den Sieg hatten Cowan und seine Kumpane dann auch dem Umstand zu verdanken, dass der führende Lucien Bianchi 200 Kilometer vor dem Ziel einschlief und einen Frontalzusammenstoß baute. Der nachfolgende Paddy Hopkirk leistete Erste Hilfe, und so war der Sieg frei für die Hillman-Crew.

1972 gewann Cowan, ein Jugendfreund des gleichaltrigen, 1968 tödlich verunglückten Formel 1-Stars Jim Clark, die Southern Cross-Rallye in Australien. "Es war der erste Sieg überhaupt für Mitsubishi bei einem internationalen Event." An seine Gage erinnert sich Cowan noch ganz genau: "Ich war ein Bauer, der mit seinem Hobby Geld verdiente, und zwar 5.000 Pfund pro Jahr. Reich geworden bin ich nicht mit dem Rallyefahren. Das musste ich aber auch nicht, denn wir haben in Schottland ja eine sehr schöne Farm. Wir konnten auch so unseren Lebensunterhalt bestreiten. Erst Burschen wie Colin McRae oder Tommi Mäkinen haben das große Geld verdient."

Die Art, wie Cowan mit den Mitsubishi-Oberen Vereinbarungen traf, erinnert an einen Viehmarkt. "Ich hatte nie einen schriftlichen Vertrag", sagt er. "Es gab nur einen Brief, in dem Mitsubishi dafür garantierte, stets hinter mir und meinen Entscheidungen zu stehen."

Beim Mitsubishi-Feldzug bei der Dakar-Rallye war Cowan von Beginn an dabei. "Ich habe damals gar nichts von dieser Rallye gehalten", sagt Cowan. "Ich dachte, da fahren ein paar Verrückte in der Wüste herum. Dann habe ich das Auto getestet. "Ich fand, dass es recht robust war." 1983 startete Cowan bei der "Rallye für die Verrückten" und bescherte den Japanern Platz elf sowie den Sieg in der Serienklasse.

Cowans Lieblingsfahrer: Tommi Mäkinen

Im Alter von 53 Jahren schlug Cowan nochmals bei der Dakar-Rallye als Fahrer zu: Hinter den schier unbezwingbaren Citroën ZX mit Mittelmotor lief der Schotte mit dem Frontmotor-Pajero als Vierter im Ziel in Dakar ein. "Das Highlight meiner Fahrerkarriere war das aber nicht", wiegelt er ab. "Fünf Jahre zuvor habe ich ja schon mal Platz zwei hinter meinem Teamkollegen Patrick Zaniroli geholt." Dummerweise war der Franzose ein technischer Voll-Laie. "Drei Mal habe ich gestoppt, um Patrick bei Pannen zu helfen. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich gewonnen. Ich habe es aber als meine Pflicht betrachtet zu helfen. Denn schließlich war ich auch der Teamchef, und es ging um den Doppelsieg für Mitsubishi."

Als Mitsubishi in die Rallye-WM einstieg, wurde mit spitzem Bleistift kalkuliert. "1989 lag das Budget in der Gegend von zehn Millionen Pfund und die Teambasis war eine Doppelgarage mit angeschlossenem Büro. Ein Drittel des Budgets ging für die Fahrergagen drauf", sagt Cowan.

Die goldene Serie für Mitsubishi begann, als Tommi Mäkinen anheuerte. In dem finnischen Landwirt hatte der robuste Schotte, der in der Szene jahrzehntelang den Spitznamen "The Farmer" trug, sein kongeniales Gegenstück gefunden. Besonders gerne erzählt Cowan jene Episode über seinen Lieblingsfahrer aus dem Jahr 1996: "Tommi liebte es, nach der Rallye einen zu heben. Als Richard Burns, unser zweiter Fahrer, einmal beim Debriefing zu einem langen Lamento über die Schwächen des Lancer ansetzte, haute Tommi bloß auf den Tisch und sagte: "Nimm mein Setup und fahr das Scheiß-Auto einfach." Dann schritt Tommi zum Tresen, drehte sich nochmals kurz um und belehrte Burns: "Ich kümmere mich gar nicht darum, was das Auto macht. Ich steige einfach ein und fahre."

Was sein privates Museum angeht, bedauert Andrew Cowan nur eines: "Ich habe keinen einzigen Dakar-Pajero." Dann kramt er ein paar Fotos heraus: In erbärmlichem Zustand, verdreckt und verölt, stehen ein paar der siegreichen Dakar-Allrad-Renner in einem Schuppen mit undichtem Dach irgendwo in der französischen Provinz. Liebend gerne würde Cowan auch diesen Autos eine neue Heimat und eine würdige Unterkunft geben. Verdient hätten sie es allemal.

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