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Ansichtssache Ersatzrad

Lieber auf Nummer sicher, oder?

Stefan Cerchez, Ersatzrad, Peter Wolkenstein Foto: Dino Eisele 3 Bilder

Es gibt Menschen, die schwören auf die beruhigende Wirkung eines vollwertigen Ersatzrades im Kofferraum - so wie Peter Wolkenstein. Stefan Cerchez dagegen, hält eine Reifenpanne für so unwahrscheinlich, dass er gerne auf den Ballast verzichtet.

17.10.2012 Stefan Cerchez, Peter Wolkenstein Powered by

Stefan Cerchez contra vollwertiges Ersatzrad

Rei|fen|pan|ne: Durch einen Defekt am Reifen hervorgerufene Panne, sagt der Duden. Stimmt, da war mal was. Früher, als die Gummimischungen noch weniger robust und die Reifenflanken nachgiebiger waren. Meine persönlichen Plattfuß-Erfahrungen liegen Ewigkeiten zurück: Sommer 93, in Opas voll beladenem Audi 80 auf dem Weg nach Italien. Der Seitenstreifen der A8 noch unbefestigt, der Radwechsel findet auf der Wiese direkt neben der Brummi-Spur statt.

2006 ereilt mich das Schicksal noch einmal, diesmal auf dem Dalton-Highway im Norden Alaskas: Der grobe Schotter frisst den Reifen, die Moskitos anschließend Fahrer und Copilot beim Radwechsel. Doch seit jenen denkwürdigen Vergnügungsfahrten bin ich vom Gummiteufel verschont geblieben. Im Grunde wenig verwunderlich, wenn man der Statistik glaubt, wonach der Durchschnittsfahrer nur noch alle zehn Jahre von einem Reifenschaden heimgesucht wird. Bleiben mir also noch gut vier Jahre Ruhe. Genug Zeit, um darüber nachzudenken, ob es noch sinnvoll ist, gemäß der deutschen Vollkasko-Mentalität ein fünftes Rad im Wagen unterzubringen.

20 bis 25 Zusatzkilo zusätzlicher Ballast

Diese Sitte erscheint mir wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, in denen der engagierte Automobilist weitaus häufiger mit Ausfällen wichtiger Komponenten zu rechnen hatte und es noch nicht die Helferlein der Pannendienste gab. Damals war klar: Wer im Ernstfall mobil bleiben wollte, musste über ein gewisses Schraubertalent verfügen – und stets ein kleines Arsenal der wichtigsten Ersatzteile samt dem passenden Werkzeug mitführen. Das vollwertige Ersatzrad ist ein Überbleibsel dieser Tradition der Maximalversorgung, die anno 2012 nur noch auf Dschungelexpeditionen oder Wüstenfahrten ihre Berechtigung hat. Ansonsten ist sie eher von psychologischer Bedeutung. Denn heute können Dichtmittel und Mini-Kompressor leichte Schäden zuverlässig beheben, und in den meisten von uns befahrenen Gegenden ist die Zahl der potenziellen und professionellen Hilfeleister mittlerweile so groß, dass man getrost auf das Ersatzrad verzichten kann. Schließlich fahren wir auch nicht permanent Ersatzwindschutzscheiben, -steuergeräte oder -scheinwerfer mit uns herum. Bleibt noch der ökonomische Faktor: Rad, Wagenheber und Schraubenschlüssel bringen schnell 20 bis 25 Zusatzkilo auf die Waage. Ein Ballast, auf den ich in Zeiten, in denen sich der Benzinpreis der 1,80-Euro-Grenze nähert, gerne verzichte.

Peter Wolkenstein pro vollwertiges Ersatzrad

Bei der Diskussion um Reifenpannen wird ja gerne mit der statistischen Häufigkeit argumentiert. Danach muss ich im Durchschnitt nur alle 150.000 Kilometer mit einem Plattfuß rechnen. Sie hatten noch nie einen, obwohl Sie in Ihrem Leben schon wesentlich mehr Kilometer zurückgelegt haben? Glückwunsch – ich bin erst während der letzten Jahre verschont worden. Würde ich auf die Statistik vertrauen, müsste ich mir bis ins Rentenalter keine Sorgen mehr machen. In meiner Anfangszeit als Autofahrer hatte ich mindestens ein Mal pro Jahr einen Reifenschaden zu beklagen, drei davon auf der Autobahn, wovon ich mir einen selbst zuzuschreiben habe, weil ich ein herrenloses Metallrohr übersah.

Ob selbst verschuldet oder nicht – in allen Fällen war ich froh, dass nichts Schlimmeres passierte. Während jeder andere Defekt heute unweigerlich den Anruf beim Pannendienst nach sich zieht – außer Sie verfügen über die Fähigkeiten eines Mechanikers und passendes Werkzeug –, besteht bei einem Platten zumindest theoretisch die Möglichkeit, auch als technischer Laie sein Auto ohne fremde Unterstützung wieder flottzukriegen. Entsprechende Hilfsmittel sind immer an Bord.

Reparaturset ist keine echte Alternative

Wer bislang noch nie einen Plattfuß hatte und sich auch nicht für das interessiert, was bei modernen Autos unter dem Gepäckraumboden schlummert, sollte im Ernstfall nicht überrascht sein, wenn er dort kein vollwertiges Ersatzrad vorfindet – das ist heute längst die Ausnahme. Häufig verzichten die Autohersteller auf das fünfte Rad am Wagen und ersetzen es durch ein Reifenreparaturset. Aus Platz- und Gewichtsgründen verständlich, denn nicht nur die Autos, sondern auch die Räder werden immer größer. Keine Frage – ein Radwechsel ist eine schweißtreibende Angelegenheit.

Trotzdem ist für mich ein Reparaturset keine Alternative. Selbst wenn im Pannenfall die provisorische Abdichtung des defekten Reifens gelingt – nach meiner Erfahrung keine Selbstverständlichkeit – und Weiterfahren möglich ist, muss ich damit unweigerlich den nächsten Reifenhändler aufsuchen. Dass dies nur noch mit maximal Tempo 80 möglich ist, ist dabei noch das geringste Problem. Viel wichtiger: Der Händler sollte nur wenige Kilometer entfernt sein, geöffnet und den passenden Reifen vorrätig haben, alles auch am Wochenende und im Ausland. Sie können an solch einem Unglückstag natürlich darauf hoffen, nicht noch mehr Pech zu haben. Mir wäre das zu riskant. Ich verlasse mich dann doch lieber auf ein vollwertiges Ersatzrad.

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