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Ansichtssache kleine Cabrios

Gestern top, heute stopp?

Peter Wolkenstein Foto: Dino Eisele 46 Bilder

Kleine preisgünstige Cabrios sind vom Aussterben bedroht. Jüngst hat Renault den Wind eingestellt. Kein Wunder, denn die laue Nachfrage hängt mit der Attraktivität des Angebots zusammen, meint Cabrio-Fan Peter Wolkenstein.

15.11.2013 Peter Wolkenstein Powered by

Es gab keine Mitteilung, keine Vorwarnung, nichts. Sang- und klanglos verschwindet der Renault Wind nach nur drei Jahren vom Markt, die Produktion wurde bereits im Juni eingestellt. Unverständlich ist die Entscheidung zwar nicht, schließlich fand der kleine Roadster auf Twingo-Basis nur wenig Zuspruch. In Deutschland wurden insgesamt nur rund 4.000 Exemplare neu zugelassen, davon allein die Hälfte im ersten vollen Verkaufsjahr 2011. Dennoch finde ich es höchst bedauerlich, dass die Flaute, die bei kleinen Cabrios seit geraumer Zeit um sich greift, einen weiteren Hersteller vertrieben hat – und das dauerhaft. Ob Mitsubishi Colt CZC, Nissan Micra C+C, Opel Tigra Twin Top oder Smart Roadster – alle sind sie nach wenigen Sommern wieder vom Markt verschwunden und ohne Nachfolger geblieben.

Cabrio muss anmachen

Allerdings mag ich nicht so recht glauben, dass es für kleine, offene und günstige Autos nicht mehr genug Fans geben soll. Warum dann die geringe Nachfrage? Nun, möglicherweise lag und liegt es am Angebot. Selbst wenn ich es mir nicht leisten kann oder mag, für ein Cabrio oder einen Roadster viel Geld auszugeben, möchte ich beim Offenfahren nicht auf einen gewissen Charme verzichten. Gerade weil beim Cabrio der Genuss wesentlich wichtiger ist als bei einem reinen Alltagsauto, muss es bei mir Begehrlichkeit auslösen. Und dabei kommt es nicht nur, aber auch auf die äußere Form mit stimmigen Proportionen an – mit offenem und geschlossenem Dach.

Naturgemäß stellt dies für Designer und Konstrukteure gerade bei kurzen offenen Autos eine große Herausforderung dar. Wenn sie dann innerhalb eines gesetzten Kostenrahmens ein platzraubendes Klappdach in einem vorhandenen Modell unterbringen wollen, sind Kompromisse vorprogrammiert, die fast immer zu Lasten einer rundum vorteilhaften Optik gehen, speziell bei geschlossenem Dach.

Viele kleine Cabrios bereits eingestellt

Schauen Sie sich nur mal den Mitsubishi Colt an, einen hoch bauenden vanartigen Kleinwagen im One-Box-Design. Wie hätte daraus ein adrettes, hübsches Cabrio werden sollen? Eben. Es wundert mich nicht, dass der CZC erfolglos blieb.

Was mich hingegen erstaunt: Selbst Peugeot, der Vorreiter des Klapp-Hardtops und mit 206/207 CC sehr erfolgreich in Deutschland, wendet sich künftig von dieser Dachform ab. Immerhin soll es zwar auch ein 208 Cabrio geben, dann aber mit Stoffverdeck. Und weil es zugleich den 308 CC ersetzen soll, wird es wohl größer und teurer.

Dass sich der Wind bei kleinen offenen Autos ändert, dürfte Renault schon bei der Entwicklung seines kleinen Zweisitzers bekannt gewesen sein. Immerhin kam er 2010 erst spät auf dem Markt – der spaßige Smart Roadster ohne jeglichen Platz für Gepäck war da schon längst wieder verschwunden.

Der Wind bekam erstmals in dieser Klasse ein einteiliges, 180 Grad um die B-Säule schwenkbares Dach, das den Gepäckraum (270 Liter) im geöffneten Zustand nicht einschränkt. Doch die seltene Chance, auf Großserientechnik einen formal eigenständigen, hinreißen-den Roadster auf die Räder zu stellen, der vielleicht das Potenzial einer Markenikone besitzt – so einem Auto würde man auch ein paar praktische Schwächen verzeihen –, haben die Renault-Designer leider vertan.

Blick in die Historie

Früher waren spezielle Sonderkarosserien für Roadster und Coupés selbst bei Kleinwagen keine Seltenheit. Man denke nur an den Fiat 850 Spider oder den X1/9. Heute konzentriert sich Fiat auf Ableger der anderen Art und pumpt die 500er-Familie mit Vans für bis zu sieben Personen auf. Dabei böte die Baureihe bestimmt genug Potenzial für einen attraktiven Luftikus sowie ein kleines, formal eigenständiges Abarth-Coupé samt offener Version. Doch das wird wohl ein Traum bleiben. Immerhin gibt es den zumindest halboffenen 500C, dessen üppiges Faltdach sich wie bei der Urversion des 500 bis unter die Heckscheibe öffnet.

Citroën nennt seinen DS3 mit ähnlich großem Stoffschiebedach frech Cabrio und hat damit aus dem fröhlichen, aber komplizierten C3 Pluriel gelernt. Er war mit abnehmbaren, aber nicht im Auto verstaubaren Dachholmen zwar verwandlungsfähig bis zum Pick-up-Cabrio, aber in den meisten Fällen nur mit offenem Faltdach unterwegs.

Ohnehin scheint der Trend bei den Kleinen eher dahin als zum echten Cabrio zu gehen, was man von Audi (A1) und Opel (Adam) so hört. Dabei lässt sich beides prima kombinieren, wie Mini mit dem herrlich offenen Cabrio samt Schiebedachfunktion beweist.

Zudem steht der Mini sogar zusätzlich als rein zweisitziger Roadster zur Wahl. Zwei Open-Air-Versionen von einem Modell – wenn das kein Bekenntnis zum offenen Kleinwagen ist.

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