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Ansichtssache Panoramascheibe

Horizonterweiterung oder Sonnenstich?

Panorama-Frontscheibe, Peter Wolkenstein, Jens Katemann Foto: Dino Eisele 7 Bilder

Peter Wolkenstein liebt das luftige Raumgefühl in Autos mit Panorama-Frontscheibe, Jens Katemann zieht dagegen lieber die Sonnenblende des Schweigens über die üppige Glasfläche.

07.08.2012 Peter Wolkenstein, Jens Katemann Powered by

Peter Wolkenstein pro Panoramascheibe

Acht Jahre ist es her, ich kann mich noch genau daran erinnern. Opel präsentierte im Rahmen der Fahrvorstellung des ersten Astra GTC ein spezielles Exemplar mit einer riesengroßen Frontscheibe, die das Blechdach bis zur B-Säule zurückdrängte. Von außen sah das, nun ja, gewöhnungsbedürftig aus, solche Glaskuppeln kannte man bis dahin nur von Showcars. Doch Opel wollte das tatsächlich in Großserie anbieten, und sobald ich hinter dem Lenkrad Platz genommen hatte, war mir klar, warum.

Statt meine Umwelt durch einen Sehschlitz zu betrachten - so kam es mir vor, wenn ich in einen konventionellen GTC einstieg -, öffnet einem die Panoramascheibe im wahrsten Sinne des Wortes die Augen. Man sitzt quasi im Freien und ist doch durch Glas geschützt. Kein Querbalken begrenzt das Sichtfeld und behindert die Aussicht, beim Blick nach oben sieht man nur noch Himmel, Sterne, Wolkenformationen, Berge, Hochhäuser, Brückenunterseiten und was sonst noch hinter einem Dachhimmel verschwindet, wenn man zu nah daran vorbeifährt. Cabriofahrer können das noch am ehesten nachvollziehen - und doch wieder nicht, denn auch dort schränkt der Frontscheibenrahmen das Blickfeld zumindest unbewusst ein. Und bei Wetterleuchten, Blitzgewittern und Regenschauern müssen sie passen.

Zurückhaltende Begeisterung bei der Kundschaft

Überdimensionale Panorama-Glasdächer sind ja schwer in Mode, aber in keinster Weise mit einer Panoramascheibe vergleichbar. Meine Mitfahrer können da zwar in den Himmel schauen, aber mein Blickfeld erweitert sich überhaupt nicht.

Wenn Sie meine Begeisterung für die Scheibe nicht verstehen können, sind sie nicht alleine. Opel hat, seit die Panoramascheibe nach einigen Anlaufschwierigkeiten 2006 endlich in Serie ging, bei der ersten GTC-Generation nur rund 18.000 Kunden davon überzeugen können. Ich bin mir sicher, es wären mehr geworden, wenn es mehr mit eigenen Augen erlebt hätten.

Immerhin hält Opel an dieser Scheibe fest und bietet sie heute neben dem neuen GTC auch für den Zafira Tourer an. Citroen hat die Idee ebenfalls aufgegriffen und liefert sie - unterschiedlich groß - im C4 Picasso und im DS4 serienmäßig. Dazu im C3, wo sie lediglich 400 Euro Aufpreis kostet. Bei Opel ist die Scheibe mit 1.200 (GTC) und 1.300 Euro (Tourer) deutlich teurer.

Variabler Dachhimmel und Sonnenblende schützen

Zu teuer, finden Sie? Und was ist bei einem Steinschlag? Breitreifen auf großen Rädern sind auch teurer, beim Kauf wie beim Ersatz. Den phänomenalen Ausblick durch eine Panoramascheibe kann ich auf jedem einzelnen Kilometer genießen - egal, mit was für einem Auto, wie langsam oder schnell oder bei welchem Wetter ich unterwegs bin - fast zumindest. Wenn die Sonne doch einmal zu kräftig strahlt und die Sonnenbrille nichts mehr dagegen ausrichten kann, dann schiebe auch ich den variablen Dachhimmel nach vorn, klappe die Sonnenblende runter - und sitze wieder in einer dunklen Höhle.

Deshalb hoffe ich sehr, dass Opel und Citroen noch weitere Nachahmer finden, von mir aus als Option, aber bitte nicht an starke Motoren und teure Ausstattungspakete gekoppelt.

Jens Katemann contra Panoramascheibe

Warum haben Dachgeschosswohnungen keine Glasdächer? Wäre doch super. Keiner würde sich mehr beklagen, die Bude sei zu dunkel, und man könnte nachts immer die Sterne bewundern. Warum trotzdem niemand ein Glasdach auf ein Haus setzt? Weil das totaler Blödsinn ist. Dauerblendung und im Sommer Oberhitze wie im Backofen. Noch was: Ich weiß ja nicht, was Sie so die ganze Nacht über machen, aber ich möchte regelmäßig in einem dunklen Raum schlafen und nur ganz selten Sterne gucken. Und weil ich damit eher die Mehr- als die Minderheit der Bevölkerung repräsentiere, findet man auf der ganzen Welt viele Dachterrassen und praktisch keine Glasdächer. Übertragen auf die Autowelt heißt das: Es gibt Fahrer, die lieben Schiebedächer zum Luftreinlassen und Sternegucken, es gibt Cabrio-Fans mit Schal und Sonnenbrille, und nur einige wenige Unbelehrbare, die Autos mit Panoramascheibe fahren.

Wissen Sie, was ich in solchen Fahrzeugen als Erstes mache, wenn ich eingestiegen bin? Ich ziehe die Abdeckung runter, damit ich nicht geblendet werde oder den grauen Himmel nicht sehen muss. Stimmt, ich könnte im Sommer auch die Sonnenbrille aufsetzen, die Klimaanlage aufdrehen und mir einbilden, ich säße in einem Cabrio. Aber sorry, da fehlt mir nicht nur in einem Opel Zafira Tourer die Fantasie. Das ist ja wie eine Runde Nordschleife auf der Spielekonsole alles nicht echt.

Zusatzgewicht und Steinschlagschaden

Jetzt wenden Sie vielleicht zu Recht ein, ich sei halt eine lichtscheue Nachteule. Aber ich habe auch ganz rationale Gründe dafür, warum eine Panoramascheibe verzichtbar ist. Denken Sie nur an das Zusatzgewicht. Da schleppen Sie täglich Extra-Kilos mit, die den Verbrauch hochtreiben. Oder: Was kostet der Austausch einer Panoramascheibe? Bei einem Steinschlagschaden müssen Sie schließlich das halbe Auto auseinandernehmen. Nein, mir erschließt sich der Nutzen dieses Ausstattungsextras einfach nicht.

Und das gilt offenbar für die Mehrzahl der Autokäufer. Erstens gibt es nur eine Handvoll Modelle, die eine Panoramascheibe in der Aufpreisliste führen, und selbst wenn, ist der Ausrüstungsgrad gering.

Panorama-Glasdächer haben gewissen Reiz

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde Panorama-Frontscheiben zwar völlig sinnlos, Panorama-Glasdächern kann ich dagegen einen gewissen Reiz nicht absprechen. Dass mein Zweijähriger in unserem Auto mit Glasdach gerne oben rausguckt, ist ja verständlich. Schließlich können lange Urlaubsfahrten schrecklich langweilig werden da ist selbst ein grauer Himmel eine willkommene Abwechslung. Aber als Fahrer stört mich jedwede Sonneneinstrahlung von vorne, und auf Studien von Wolkenwanderungen und Sternenbildern verzichte ich schon aus Sicherheitsgründen. Wer am Steuer nach oben glotzt, der hat da eh was grundsätzlich falsch verstanden.

Liebe Autohersteller, spart die Entwicklungskosten für dieses sinnlose, für Träumer gefährliche Extra, und investiert das Geld lieber in sinnvolle, nutzenstiftende Ausstattungen. Wer unbedingt die Natur spüren will, der soll halt ein Cabrio kaufen oder einfach mal spazieren gehen.

Halt, einen Vorteil hat die Panoramascheibe doch: Wenn Ihnen ein Vogel auf das Dach scheißt, können Sie sich freuen, dass der Kot Sie nicht getroffen hat. Wow!

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