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Ansichtssache Quad

So ein Quad-sch!

Trendmobil Quad, Stefan Cerchez Foto: ams

Sie erinnern an eine Mischung aus Enduro-Motorrad und Mini-Jeep. Die Vierrad-Bastarde namens Quad gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Stefan Cerchez fragt sich, warum.

20.12.2013 Stefan Cerchez Powered by

Mit dem Verzicht ist es so eine Sache: Am leichtesten fällt er denjenigen, die selbst nichts aufgeben müssen. Wie dem Autofahrer, der kein Motorrad fährt zum Beispiel. Trotzdem ist in manchen Fällen eine eindringliche Warnung angebracht – so wie hier. Es geht um das Phänomen der Quads, die in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen haben. Sie sind wahrscheinlich die eigenartigste Mischung aus Auto und Motorrad auf unseren Straßen seit den Trikes, erleben derzeit aber einen Boom, dessen Ende noch nicht abzusehen ist.

Quads können alles sein, sogar Zugmaschinen für Land- und Forstwirtschaft

Rund 150.000 dieser Gefährte gibt es heute in Deutschland, schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wie viele es genau sind, lässt sich nur schwer sagen, weil unter dem Begriff Quad verschiedene Fahrzeuggattungen zusammengefasst werden: Die schwächeren Modelle mit Versicherungskennzeichen, die großen mit Auto-Nummernschild sowie die schweren Offroad-Modelle, die führerscheinrechtlich als Land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen (!) behandelt werden. Selbst die Polizei tut sich mit der Einordnung schwer und hat Quads in der Vergangenheit für die Statistik mal den Motorrädern und mal den Autos zugeordnet.

Größtes Manko ist das meist fehlende Differenzial

Womit wir dem Problem schon näher kommen: Trotz ihrer Vierrädrigkeit, die im Umgang mit den kleinen Kraftmaschinen eine trügerische Sicherheit vorgaukelt, stehen Quads konstruktiv einem Motorrad näher als einem Auto. Außerdem bergen sie einige technische Besonderheiten, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen, die aber negative Auswirkungen auf die Fahrzeugbeherrschung haben. Dazu gehören der Motorradlenker, der in Verbindung mit grobstolliger Bereifung nur schwer zu bewegen ist, die wenig sensible Gasbetätigung nach dem Prinzip der Fahrradklingel sowie das bei vielen Modellen immer noch fehlende Differenzial an der Antriebsachse (vorgeschrieben erst ab 2016). Diese Eigenheiten führen vor allem bei ungeübten Fahrern nicht selten zu Unfällen mit fatalen Folgen.

Quadfahren ist zehn mal gefährlicher als Autofahren

Laut einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist das Risiko, bei einem Unfall schwer verletzt oder gar getötet zu werden, mit einem Quad rund zehnmal höher als mit einem Pkw. Dabei verursachen Quad-Fahrer gut 85 Prozent der Unfälle, in die sie verwickelt sind, selbst. Dies ergab eine Analyse von knapp 500 Quad-Unfällen der Jahre 2009 bis 2012 in Bayern sowie von rund 140 schweren Unglücken aus den Akten der Versicherer. Demnach ist das Unfallrisiko pro gefahrenem Kilometer doppelt so hoch wie beim Pkw. Laut der Auswertung stellten vor allem Kurvenfahrten ein großes Problem im Unfallgeschehen dar – zwei Drittel der Fahrunfälle von Quads resultierten aus dem ungewollten Abkommen von der Fahrbahn. Das Ergebnis: folgenschwere Kollisionen mit dem Gegenverkehr oder mit Hindernissen neben der Fahrbahn. Es kristallisiert sich also heraus, dass Quads, die ja primär für den Einsatz in leichtem Gelände gedacht sind, die konzeptionellen Nachteile von Auto und Motorrad – schlechtere Handlichkeit sowie fehlende Knautschzone – auf unheilvolle Weise mit konstruktiven Mängeln verknüpfen.

Quads sind nicht für die Straße gemacht

Trotz aller Begeisterung für die Offroad-Fähigkeiten und die Robustheit von Quads muss daher allen Fahrern klar sein: Für den regelmäßigen Einsatz auf der Straße sind sie – trotz möglicher Straßenzulassung – weder geeignet noch gemacht.

Merke: Manchmal ist Verzicht eben keine Frage der Selbstbeherrschung, sondern schlicht die bessere Wahl.

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