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Arbeitszeit

IG Metall warnt - Wulff fordert

Foto: dpa

Nach der Einigung beim Autokonzern Daimler-Chrysler auf ein millionenschweres Sparpaket hat die Gewerkschaft IG Metall vor einer Ausweitung von Tarifkonflikten gewarnt.

26.07.2004

"Ich habe die Befürchtung, dass einige Arbeitgeber den Häuserkampf in den Betrieben geradezu herbeisehnen. Ich kann davor nur warnen. Die Radikalisierung auf der Arbeitgeberseite zwingt auch die Arbeitnehmer zur Radikalisierung", sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, der "Welt am Sonntag".

Wir werden uns unserer Haut erwehren

Nach Hubers Worten birgt die gegenwärtige Lage die Gefahr, dass Trittbrettfahrer versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Besonders in Bayern häuften sich die Fälle von Unternehmen, die Sonderregelungen verlangten. Schließlich habe Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) als Erster längere Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst angekündigt. "Aber wir werden uns, wo wir können, unserer Haut erwehren".

Stoiber nannte die Einigung bei Daimler-Chrysler ein "Zukunftssignal für Deutschland". Sie sei sicherlich auch für viele andere Unternehmen der richtige Weg zum Erhalt von Arbeitsplätzen, sagte Stoiber. "Die Einigung zeigt, dass wir Deutsche bereit und willens sind, unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen." Der Elektrokonzern Siemens hatte kürzlich in zwei Handy-Werken die 40-Stunde-Woche ohne Lohnausgleich durchgesetzt und dafür auf eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verzichtet.

Wulff fordert längere Arbeitszeiten bei VW

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat unterdessen bei Volkswagen längere Arbeitszeiten gefordert. Der "Berliner Zeitung" sagte er, der Autokonzern werde seine 175.000 Arbeitsplätze in Deutschland nicht halten können, wenn es beim derzeitigen Haustarifvertrag bleibe. Er halte es für angemessen, wenn in Deutschland wieder regelmäßig 40 Stunden in der Woche gearbeitet werde. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) mahnte am Samstag in Zeitz, die Arbeitszeit sollte kein Dogma sein. Es gehe um flexible Lösungen.

IG-Metall-Vize Huber bekräftigte in der "Welt am Sonntag" die Beweglichkeit seiner Organisation. "Entgegen beliebter Vorurteile bietet der Flächentarifvertrag genügend Flexibilisierung." Das habe die Einigung in Stuttgart bewiesen.

Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Klaus Zimmermann bewegt sich Deutschland mit großen Schritten auf ein anpassungsfähigeres Flächentarifsystem zu. Diese Entwicklung werde den Flächentarifvertrag insgesamt stärken und stabilisieren, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe). Generelle Arbeitszeitverlängerungen lehnte Zimmermann ab.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete, Jörg Tauss, forderte unterdessen Siemens-Chef Heinrich von Pierer auf, dem Beispiel aus Stuttgart zu folgen. "Das Siemens-Management muss jetzt ein deutliches Zeichen setzen und sich wieder zum Standort Deutschland bekennen", erklärte er am Samstag. Während bei Daimler-Chrysler eine Einigung zustande kam, "werden die Siemens-Belegschaften ohne die Zusage von Beschäftigungssicherungen unverändert massiv erpresst".

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