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VW Touareg auf Argentinien-Reise

Mit dem VW Touareg durch die Anden

Reise Argentinien Foto: Daniel Roeseler 18 Bilder

Eine Fahrt zu den höchsten Bergen und Straßen Südamerikas ist nicht nur eine Reise zu den Wolken, sondern manchmal auch die auf einen anderen Planeten.

05.02.2009 Markus Stier

Der Bordcomputer schlägt Alarm: "Fahrwerksfehler", behauptet er und rät zum umgehenden Besuch einer Vertragswerkstatt. Der nächste VW-Händler dürfte hier im Nordwesten Argentiniens etwa 2.000 Höhenmeter tiefer liegen und mindestens 400 Kilometer entfernt sein. Schnell stellt sich heraus, dass es dem Luftfahrwerk unseres Touareg blendend geht, nur der linke Hinterreifen konnte seinen Druck nicht halten. Das kommt jetzt ziemlich ungelegen.

Vor dem Gipfel liegen noch 30 Kilometer auf den gleichen spitzen Steinen, die schon einen Reifen aufgeschlitzt haben. Aber umdrehen ist keine Option. Der Kühlergrill zeigt weiter nach oben auf der höchsten Passtraße, die der Globus außerhalb von Himalaja und Kaukasus zu bieten hat. Die Abra del Acay ist ein Teil der Straße 40, der einst wichtigsten Nord-Süd-Achse Argentiniens, die knapp 4.000 Kilometer von Bolivien bis Feuerland reicht. Weil die so genannte Quarenta heute nur noch in Teilen benutzt wird, ist der Rest ziemlich verwahrlost.

Der Reifenwechsel in 3.500 Meter Höhe bringt uns nicht mehr besonders heftig ins Keuchen. Nach einer Woche in den Anden hat sich der Organismus umgestellt, und die unbedarften Flachländer haben gelernt, sich in der dünnen Luft langsam zu bewegen. Selbst der bullige V8 unter der Motorhaube schwächelt bei der Kletterei. Die Schneegrenze ist erreicht, die Passhöhe eher unspektakulär. Es ist kalt, und der Wind schneidet ins Gesicht. 4.966 Meter zeigt das GPS-Gerät an. Würde man den St. Gotthard und den San Bernardino aufeinander stapeln, würden bis hierher immer noch 400 Meter fehlen

VW Touareg 6:07 Min.

Nervenkitzel an Bord

Jeder Bergsteiger weiß: Der gefährlichste Teil ist der Abstieg. Es geht runter auf der Wetterseite, wo die Schneeschmelze im Frühjahr in jeder Linkskurve die Piste in ein Bachbett verwandelt hat.

Haben wir ohne weiteres Ersatzrad schon während des Aufstiegs bei jedem aus der Piste ragenden Steinchen die Luft angehalten, herrscht nun regelmäßiger Atemstillstand. Alle paar hundert Meter rumpelt das Auto über Felsen von der Größe eines Mikrowellengeräts.

Es wird wenig gesprochen im Cockpit. Einmal fehlt auf 300 Metern die Straße komplett. Zischend saugt der Beifahrer die Luft durch zusammengebissene Zähne. Es stellt sich die Frage, ob das nun sein musste. Das Herz wummert, das Hirn kann sich nicht zwischen Abenteuer-Euphorie und Angstattacke entscheiden.

Wenn hier oben etwas schiefgeht, solltest du vor allem noch einen laufenden Motor und genug Sprit zum Heizen dabei haben. In der Nacht fällt die Temperatur häufig unter minus zehn Grad. Wir mussten schon einmal aufgeben, ein paar Tage zuvor im Niemandsland zwischen vier Sechstausendern am Paso Pircas Negras.

Skelett als Mahnmal

Es gab keine Piste, nur ein Geröllfeld und einen sanft ansteigenden Sattel. Erfahrene Offroader empfehlen, den Weg zum zwischen den Gipfeln eingebetteten Gebirgssee Corona del Inca nur mit mindestens zwei Autos zu bewältigen. Wenn da oben an der falschen Stelle etwas schiefgeht, finden sie dich im schlimmsten Fall im Frühjahr. Unsere Vorräte betragen etwa sechs Liter Wasser und noch drei Rollen Kekse, zwei mit Schoko, eine mit Kokos. Das hier ist eine Wüste, die die Natur einfach in die Höhe geschoben hat.

Eine der größten Gefahren ist die Höhenkrankheit. Bei der ersten Reise über die 4.000er-Marke drückte das Hirn schmerzhaft gegen die Schädeldecke, außerdem schien jemand von hinten mit einem ungeschnittenen Fingernagel ins linke Auge zu pieksen. Wer höhenkrank wird und nicht zügig wieder unter 3.000 Meter kommt, kann im schlimmsten Fall sein Testament machen. Am 20 Kilometer südlich gelegenen Salzsee Laguna Brava steht auf 4.100 Meter Höhe eine steinerne Schutzhütte, daneben liegt ein aufgedecktes Steingrab mit einem Skelett als Mahnmal.

Der andere Planet

Das Reisen durch die Anden ist eine einsame Angelegenheit. Du fühlst dich nicht wie auf einem anderen Kontinent, sondern manchmal wie auf einem anderen Planeten. Hier lässt sich erleben, mit welcher Gewalt die Erde geformt wurde. Einst waagerecht aufgeschichtete Platten ragen nun hunderte Meter fast senkrecht in die Höhe, die Felsen sind zerschrunden, zerklüftet, entzündet. Die Berge leuchten in den unglaublichsten Farben, von Rostrot bis Kunstrasen-Grün.

Am Paso San Francisco liegen zackige Berge wie die Rücken eines halben Dutzend Drachen nebeneinander. Wehe, wenn sie sich erheben. Für die 40-Kilometer-Abfahrt der Abra del Acay haben wir zweieinhalb Stunden gebraucht und noch einmal eine bis ins Kolonialstädchen Cachi. Da gäbe es dieses schöne, kleine Hotel in Cafayate mit ganz fantastischen Betten, aber das wären noch 200 Kilometer Schotterpiste.

"Seid ihr verrückt?", fragt Besitzerin Martha am Telefon. "Das ist eine ganz üble und im Dunkeln gefährliche Piste. Ihr bräuchtet mindestens fünf Stunden." Es sei vernünftig, hier zu bleiben und morgen erst mal den platten Reifen zu reparieren. Aber der Fotograf trägt mal wieder dieses dreiste Grinsen im Gesicht. "Wo bleibt dein Sinn für Abenteuer?", fragt er. Wir schafften es in drei Stunden.

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