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Artega-Chef Klaus Dieter Frers - Ein Mann, ein Sport

Foto: Dino Eisele 17 Bilder

Klaus Dieter Frers fuhr schon als Kind Rennen auf der Carrera-Bahn. Heute ist er am Steuer von Rennwagen erfolgreich, baut sogar sein eigenes Auto - den Artega GT. Und er ist Oldtimer-Fan.

28.07.2009

Plötzlich stockt der Redefluss. Ein kritischer Blick wandert nach unten. Die Kälte hat eine Fuge an der Terrassentür des betriebseigenen Restaurants geweitet, die Füllmasse hängt darin schlaff wie ein dürrer, grauer Regenwurm. "Das muss ich mir notieren", sagt Hausherr Klaus Dieter Frers. Kein Gast stört sich am losen Gummi, falls es überhaupt jemand bemerken würde. Doch wenn Klaus Dieter Frers etwas macht, dann macht er es richtig.

Ich fahre keine Rennen, die ich nicht gewinnen kann


"Ich fahre keine Rennen, die ich nicht gewinnen kann", sagt der 55-Jährige. Frers ist im Hauptberuf Chef des Autozulieferers Paragon und seines Sportwagen-Projekts Artega, doch der gelernte Maschinenbauer lebt für die Wochenenden auf der Rennstrecke und die vielen Kilometer, die er in seinen Autos zurücklegt. Das gilt für den aktuellen Porsche 911 GT3 RSR, mit dem er Langstreckenrennen wie die 24 Stunden am Nürburgring fährt, genauso wie für seine Klassiker.

Die Liebe zu den Oldtimern zeigt sich im Detail: Die Startnummer 32 seines Lieblingsautos Porsche 904-6 von 1964 in Mattsilber mit blauer Haube ist nicht geklebt, sondern wie früher mit schwarzer Farbe handgemalt. Doch mit Samthandschuhen wird es nicht angefasst, der Wagen wird gefordert. "Ich bin wohl einer der Fahrer, der die meisten Rennkilometer in diesem Modell gefahren ist", meint Frers, der in dem immerhin 45 Jahre alten Mittelmotor-Sportwagen auf der Nordschleife am Nürburgring schon mal eine Rundenzeit von nur 8,24 Minuten hingelegt hat. "Es gibt für mich nichts Schöneres als Langstreckenrennen im 904-6. Da fühle ich mich eins mit dem Auto."

Sechs Jahre hat er nach einem passenden Auto gesucht


Alternativ startet er in einem giftgrünen Porsche 911 RSR aus dem Jahr 1973, mit dem George Follmer beim International Race of Champions (IROC) in den USA antrat. Ein weiterer Liebling seiner Sammlung ist ein orangefarbener NSU TTS von 1969. "Sechs Jahre habe ich nach einem passenden Auto in Originalzustand gesucht", sagt Frers, dessen Vater Werksleiter bei NSU in Neckarsulm war. "Als Kind hat er mich öfter samstags mit in die Fabrik genommen." Zur Marke NSU hat er deshalb eine ganz besondere Beziehung.

Artega 5:17 Min.

Mittlerweile residiert Frers in seiner eigenen Manufaktur im westfälischen Städtchen Delbrück. Sein gläsernes Büro in der ersten Etage des Verwaltungsgebäudes eröffnet den Blick in den Artega-Showroom. "Es interessiert mich, wie die Besucher auf das Auto reagieren." An der Wand hängt der Prototyp, der 2007 auf dem Genfer Autosalon Premiere feierte. Im Eingangsbereich stehen Rennsport-Pokale gleich dutzendfach in gläsernen Vitrinen. Dem Motorsport sei er schon als Kind verfallen, sagt der Chef von 600 Mitarbeitern. Damals in Neckarsulm.

Mit 14 Jahren nahm Frers das Steuer in die Hand

Die Wochenenden verbrachte der junge Frers auf dem nahen Hockenheimring, wohin ihn sein zehn Jahre älterer Bruder mitnahm. "In der Zeit habe ich auch den 904 im Renneinsatz bewundert. Das war 1966 beim Heilbronner Bergpreis." Es war die Ära von Siegfried Spiess auf NSU, der in einem vermeintlich unterlegenen Auto in den Jahren 1967 und 68 deutscher Bergmeister wurde. Daheim wurden die Rennen nachgespielt. Erst mit Faller-Modellautos auf dem eigens im Keller nachgebauten Hockenheimring, der später einer Carrera-Bahn weichen musste. Im Alter von 14 Jahren nahm Frers dann das Steuer zum ersten Mal selbst in die Hand und begann, Meisterschaften auf der Carrera-Bahn auszutragen.

Zwischen Geschäftsterminen macht Frers gerne einen Abstecher in die private Werkstatt. Klassisch schwarz-weiß gekachelt, ist auch sie voll mit Siegerkränzen, Trophäen und Startnummern. Auf einer der Hebebühnen thront der weiße Porsche 911 GT3 RSR, fast komplett zerlegt. "Früher habe ich noch selber geschraubt, doch dazu fehlt mir jetzt leider die Zeit", sagt Frers. Heute bereiten Mechaniker die Rennautos und Oldtimer auf die nächsten Einsätze vor.

Seine Dienstwagen sucht der Unternehmer dagegen noch selbst. Und zwar nicht in Prospekten, sondern am Gebrauchtwagenmarkt. Aktuell fährt er einen weißen Jaguar XJ, Baujahr 1995. "Den habe ich gefunden, als ich aus Langeweile abends in einem Hotelzimmer im Internet surfte", erzählt Frers. Kein Jaguar XJ wie jeder andere. Dieses Auto ist eine echte Rarität: Frers verabscheut Automatik-Autos, sein XJ ist ein Handschalter. Im Sommer fährt er allerdings lieber mit seinem Mercedes 300 SE, Baujahr 1965. "Der Wagen der mittelständischen Unternehmer."

Bereits als Student hatte Frers seine eigene Firma

Ein passendes Gefährt für einen, der damals an der Uni bei einer Befragung unter 500 Studenten als Einziger angab, Unternehmer werden zu wollen. "Bei der Präsentation der Ergebnisse habe ich damit vom Professor einen herzhaften Lacher kassiert." Schon im Alter von 15 Jahren soll Frers den Berufswunsch gegenüber seiner Mutter verkündet haben.

Der Lacher des Professors war fehl am Platz, denn bereits als Student war Frers selbständig, hatte eine kleine Firma, die ferngesteuerte Rennwagen, so genannte Tiger-Cars mit 3,5-Kubikzentimeter-Motoren, produzierte. 1981 nahm er an der Weltmeisterschaft in Indianapolis teil. Nach dem Ende des Studiums sollte es aber doch etwas mehr sein als ein Zwei-Mann-Betrieb, der Mini-Autos zusammenbaut. "Ich hatte schon damals das Gefühl, dass Elektronik irgendwann im Autobau eine Bedeutung bekommt." Doch das sollte noch einige Zeit dauern, die Frers als Angestellter bei AEG-Telefunken und später bei Nixdorf verbrachte. "Nach zehn Jahren", sagt er, "war die Zeit reif für die Selbständigkeit." 1995 schließt sich der Kreis: Paragon steigt in die Autoelektronik ein, entwickelt und produziert seitdem Elektronikteile, unter anderem für Audi, BMW, Mercedes und VW.

Und warum nun eine eigene Automarke?

"Artega ist nicht die Verwirklichung irgendeines verrückten Jugendtraums", beteuert Frers. "Ich mache den Artega GT, weil ich glaube, dass es dafür einen Markt gibt und ich damit Geld verdienen kann", erklärt der Unternehmer seine Motivation, eine eigene Automarke zu kreieren. Eigentlich war der Artega GT nur als Visitenkarte und Vorzeigeobjekt für die Produkte der Paragon AG gedacht.

Frers kennt jede Schraube am Artega

In der penibel sauberen Halle hinter dem schicken Firmensitz, getrennt von Frers privaten Fahrzeugen, werden die Sportwagen in einer professionellen Kleinserienfertigung montiert. Ein Besen steht falsch, erklärt Frers beim Rundgang einem Mitarbeiter. Es ist wie im Restaurant: Keine Chance für Nachlässigkeiten im Detail. Frers kennt nicht nur jede Schraube am Artega und ist die meisten Testkilometer mit dem Auto gefahren, er hat auch die Auswahl für die Getränkekarte des im Firmensitz integrierten italienischen Restaurants selbst getroffen: Wen wundert’s?

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