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Aston Martin Lagonda

Eine britische Legende kehrt zurück

Aston Martin Lagonda Foto: press-inform 27 Bilder

Auf dem Genfer Auto Salon 2009 gab Aston Martin den Startschuss für die Wiedergeburt der Marke Lagonda. Davor gab es das letzte Lagonda-Lebenszeichen in den 80er Jahren - in Form einer 5,30 Meter langen Limousine.

02.04.2009 Powered by

Als der Aston Martin Lagonda auf dem Genfer Autosalon vor wenigen Wochen das Licht der Welt erblickte und die Briten mit einer mächtigen SUV-Limousine auf Basis des aktuellen Mercedes GL überraschten, fühlte man sich zurückversetzt in die 70er Jahre. Damals war ein Raumschiff namens Lagonda erstmals auf die Welt herab gesunken und hatte die Automobilwelt in ihren Grundwerten zerrüttet. Der Erstaufschlag des Aston Martin Lagonda Mitte der 70er auf der London Motorshow war  fast so spektakulär wie die Mondlandung ein paar Jahre zuvor.

Lagonda war lang wie eine Stretch-Limo

Seinerzeit waren den geneigten Fans britischer Automobilbaukunst nahezu die Augen aus dem Kopf gefallen, als sie erstmals dem über 5,30 Meter langen Lagonda in die sechs Augen sahen. Nichts war es mit der Eleganz der ebenso bekannten wie charismatisch gezeichneten Aston Martin-Modelle. Der Lagonda war lang wie eine Stretch-Limousine, unförmig und ganz nebenbei der damals teuerste Viertürer der Welt. Viele Fans der britischen Traditionsmarke konnten sich mit dem "Folded-Paper-Stil" nicht anfreunden hielten die Winkelorgie des Lagonda für eine Verunglimpfung der klassischen DB-Linien.

Starteten die Preise für einen Lagonda der Serie 2 zunächst bei umgerechnet rund 200.000 D-Mark, so stiegen die Preise im Laufe der nächsten Jahre auf deutlich über 300.000 D-Mark. Damit war der Lagonda deutlich exklusiver und deutlich teurer als vergleichbare Luxuslimousinen von Rolls-Royce oder Bentley. Bis Ende der 80er Jahre wurden in vier Modellgenerationen nicht einmal 700 Fahrzeuge gebaut. Eine exklusive Nobellimousine für die Schönen und Reichen, solche die bereits alles hatten und im Wochentakt im Privatjet oder der Concorde um die Welt jetteten. All jene leckten sich nach dem Lagonda die frisch manikürten Finger. Der Aston Martin war der unförmige Konkurrent von einem Maserati Quattroporte, der bereits zehn Jahre zuvor eine höchst grazile Mischung aus viertüriger Limousine und Sportwagen darstellte und heutige Fahrzeuge wie Mercedes CLS, VW Passat CC, Maserati Quattroporte oder eben den geplanten Aston Martin Rapide beeinflussten.

Das Design des von William Towns gezeichneten Kantholzes konnte auf- und erregender kaum sein. Die gefühlt mehrere Meter lange Motorhaube mit dem bekannten 5,4-Liter-V8 darunter, das unglaubliche Sechs-Augen-Gesicht und ein Karosserieschnitt entgegen jeder Normen versetzen Fans und Konkurrenz gleichermaßen in Staunen, Verzückung und Abscheu. Ein Autodesign mit vorrangig rechten Winkeln wühlte die Automobilbranche wie selten zuvor auf und versetzte den meist juvenilen Besitzer eines Quartettspiels in schiere Verzückung - zumindest wenn man den Boliden mit Bestwerten in Länge und Gewicht sein eigen nannte.

Mehr Raumschiff als Auto

Fans und Gegner waren sich in den 70ern einig: So ein Auto hatte es bis dato nicht gegeben. Der Aston Martin Lagonda war mehr Raumschiff denn Traumauto, mehr Zeitmaschine denn Fortbewegungsmittel. Schaut man sich den britischen Designkoloss einmal im Detail an, sieht man die fast aufopferungsvolle Handarbeit. Einfassungen von Rücklichtern, Kotflügelverkleidungen oder die Befestigung der Heckklappe zeugen nicht gerade von höchster Fertigungsqualität. Die hinteren Seitenscheiben lassen sich nicht elektrisch herunterfahren - zumindest nicht bei dem Modell von Jens Meiners. Der Automobilfan sammelt seit Jahren aus Passion ungewöhnlichste Autos aus aller Welt.

Neben einem PS-starken Nissan-Skyline-Pärchen ist der 82er Aston Martin Lagonda derzeit sein ganzer Stolz. "Ich habe den Wagen vor ein paar Jahren aus der Schweiz nach Deutschland geholt", so Meiners, "ich habe ihn in einer Onlinebörse gesehen und bin sofort runter und habe ihn geholt." Der hellgrüne Anti-Beat hat trotz seiner 27 Jahre gerade erst einmal 80.000 Kilometer auf der Digitaluhr und steht im ersten Lack. Er hat so seine Mucken. Nach ein paar Sekunden verschließt sich das Fahrzeug aus Sicherheitsgründen immer wieder von selbst - also besser Schlüssel abziehen oder die Tür auflassen.

Außendesign in Kubusform

Im Vergleich zum verschrobenen Außendesign in Kubusform hält sich das Innere kaum nennenswert zurück. Motorhaube und Kofferraum sind lang und flach. Heißt, für den mit hellem Leder ausgeschlagenen Innenraum bleibt nicht viel Platz über. Trotz einer Gesamtlänge von gigantischen 5,30 Metern und einem Radstand von 2,91 Metern sitzt man nur in der ersten Reihe wirklich großzügig und trotzdem viel zu hoch. Beim Erstkontakt überraschen die Instrumente mit futuristischen LCD-Anzeigen, Sensortasten und zerklüfteten Lederapplikationen. Doch irgendwie passt es zum Aston Martin Lagonda, der sich mit der Zeit mehr und mehr wie eine Zeitmaschine in eine wilde Automobilwelt präsentiert. Wer die schwere Tür schließt, taucht eine in eine Traumwelt abseits aller Realitäten. Neben dem spindeldürren Lenkrad staunt man noch heute über Sensorflächen an Armaturenbrett und Türverkleidung sowie  Schalter wie von einer betagten Stereoanlage, mit denen sich Soundsystem, Klimatisierung oder Lichtmodule bedienen ließen.

Den Sprung in ein artfremdes Zeitalter empfinden die Fondinsassen kaum anders. Trotz des an sich üppigen Radstandes sitzt man hinten betont unkomfortabel. Die Ledersessel sind weich wie Omas altes Sofa und wahrscheinlich aus der gleichen Tierhaut gefertigt. Der Fußraum ist winzig klein und die in dieser Klasse damals längst etablierten hinteren Kopfstützen sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es einen gewaltigen Mitteltunnel mit einer unter einer Lederklappe verdeckten, separaten  Klimabedienung. Immerhin etwas, wenn sich schon die Fenster nicht öffnen lassen und auch das schlechte eingepasste Sonnendach über dem Fond den Insassen keinerlei Frischluft verschafft.

Bewährter Aston Martin-V8

Zumindest beim Antrieb setzte Aston Martin auf bewährtes. Unter der ellenlangen Haube wummert der bekannte Konzern-V8, der damals mehr als standesgemäße 299 PS und über 450 Nm Drehmoment an die Hinterachse des Zweitonners brachte. Wer es in Handarbeit gebaut hat, steht noch wie heute bei AMG auf einer Plakette im Motorraum. Mike Peach hauchte dem Triebwerk des 82er Lagonda von Jens Meiners seinen Odem ein. Wer dem Triebwerk und der windigen Dreistufen-Automatik die Sporen gab, schaffte mit dem tonnenschweren Koloss 230 km/h. Schneller waren seinerzeit nur echte Sportwagen. Und kaum einer war durstiger. Unter 20 bis 25 Litern auf 100 Kilometern ist heute wie gestern nichts zu machen.

Kein Auto zum Rasen

Davon will Jens Meiners heute jedoch nichts mehr wissen. Um zu rasen ist der Aston Martin Lagonda heute wie damals für ihn das falsche Auto. Die Fahrwerksabstimmung ist weich und so legt sich der zwei Tonnen schwere Brite bei flotter Gangart wie ein Segelschiff in die Kurven. Die Lenkung ist butterweich und der Getriebewandler scheint sich mindestens ein Drittel der Motorleistung zu genehmigen. Trotzdem berauscht man sich am Fahrgefühl eines Exoten, der keine Grenzen zu kennen scheint.

Problemlos kann man sich in das Klientel versetzen, das den Aston Martin Lagonda in den späten 70er und frühen 80er Jahren im Stadtverkehr von Genf, London oder München bewegte. Noch heute fällt man mit dem Aston Martin an jeder Straßenecke auf wie ein rosa Elefant. Viele recken die Hälse aus und überraschend viele scheinen den Lagonda zu kennen. Kein Wunder: Quartettspiele waren in den 70er heiß begehrt und hier war der Aston Martin Lagonda immer der absolute Star.

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