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Aston Martin Lagonda

Die britische Luxus-SUV-Vision für 2012 im Detail

Aston Martin Lagonda Foto: René Staud 9 Bilder

Sie sind reich, scheren sich nicht um den Zeitgeist und müssen sich auf sanierungsbedürftigen Straßen bewegen? Dann hat Aston Martin mit dem Luxus-SUV Lagonda ab 2012 eine gewichtige Lösung.

01.05.2009 Alexander Bloch

Genf 2009: Ein ganzer Automobilsalon präsentiert sich ökologisch geläutert. Da Hybride, hier Elektroautos und mittendrin lauter kleine Lithium-Ionen-Akku-Pflänzchen, aber keine wuchtigen SUV-Studien mehr. Zu groß ist die Angst der Hersteller vor der politisch inkorrekten Botschaft in einer Zeit, da ein wankender Weltkonzern seinen Fortbestand vor allem auf die Karte eines in der Entwicklung befindlichen Elektro-Erstlings setzt. Super-Size-SUV scheinen dagegen vom Öko-Meteoriten getroffen und bereiten sich wie einst die Dinosaurier langsam auf ihren Untergang vor.

Der Tyrannosaurus Rex der Geländewagen

Was eine exklusive Sportwagenschmiede aus dem englischen Gaydon nicht daran hinderte, den Tyrannosaurus Rex der Geländewagen auf die Messe zu stellen: die Wiedergeburt des Lagonda als bulliges Hochsitzgefährt, von dem Aston Martin-Chef Ulrich Bez selbstbewusst sagt, er sei das Luxusauto der Zukunft. Die polarisierenden Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Von der zu Aston Martin gehörenden Marke erwarten Fans eher sportliche Coupés oder Cabrios und verklären damit zumindest die jüngere Historie. Denn der von 1976 bis 1989 gebaute Lagonda-Viertürer war alles andere als ein typischer Sportwagen und sein futuristisch-kantiges Design ein Gegenentwurf zu schön.

Die neue Linie präsentiert sich dagegen überaus massig, aber auch sehr weich. Dort, wo einst ein spitzer Frontschnabel Kühlluft sammelte, reißt jetzt ein Allmachts-Grill seine Streben derart auf, dass die Single-Frame-Konstrukte anderer Hersteller vor Schreck zucken. Das Heck endet hingegen im Komplementär-Entwurf: einem gewaltigen Metallblock mit Sehschlitz und Rücklichtern, bei dessen Anblick Kleinwagen ihre Knautschzone freiwillig zusammendrücken. Im Gegensatz zu einem DB9 ist das Platz-da-jetzt-komm-ich-Design keine kalte Dusche, sondern ein Sprung in Trockeneis.

Wer soll so ein Auto kaufen?

Nicht unbedingt wir West-Europäer. Der neue Lagonda ist der Aufhänger der Globalisierungs-Strategie von Aston Martin, deren exklusive Sportwagen bisher nur in 32 Ländern verkauft werden. Vor allem in Märkten wie Russland würden die Straßen das Fahrwerk eines Vantage oder DB demolieren wie eine Drahtbürste eine edle Automatikuhr. Die Millionäre dort brauchen robustes Promenier-Spielzeug à la Porsche Cayenne. Ein wenig Historie gibt es noch als Dreingabe: Zwischen 1910 und 1913 verkauften sich Lagonda-Modelle im damaligen Zarenreich durchaus erfolgreich. Auch in China, Indien, Mexiko, Bolivien und all den anderen Ländern mit eher rustikalem Straßenbau sieht Aston viel Potenzial, 100 Nationen sollen mit dem Luxus-Bullen erobert werden. Und wenn sich dann noch ein paar von den klassischen flachen Flitzern mitverkaufen, umso besser.

Die potenzielle Klientel muss sich um ihre Sicherheit jedenfalls wenig Gedanken machen, eine dicke Panzerung ist schon eingeplant. Bentley-Chef Franz Josef Paefgen kommentierte in Genf den Lagonda dann auch treffend mit dem Hinweis, er wisse, an welche Kunden dieses Auto gerichtet sei. Bentley habe schließlich ähnliche Anfragen. Unter dem prallen Blech des Avantgarde Luxury Vehicle, kurz ALV, getauften Umsatzbringers steckt bekannte Technik.

Von Mercedes kommt die GL-Allrad-Plattform

Nicht nur für die Studie spendierte Mercedes die GL-Allrad-Plattform, auch die Serienautos bauen auf der Konstruktion des größten SUV-Sterns auf. Die anfänglichen Kooperations-Überlegungen gingen sogar noch weiter: Aston sollte die Fertigung des nächsten Maybach mitsamt Zwölfzylindermotor übernehmen, dieses Aggregat dann auch unter die Fronthaube des Lagonda schlüpfen. Doch daraus wurde nichts. Also wird ein rund 500 PS starker V12 aus dem DB9 im ALV trommeln. Es gibt schlimmere Schicksale, vor allem weniger wohltönende.

Lagonda mit Hybridsystem?


Ob der Lagonda mit einem Hybridsystem noch etwas Spritsparschminke auflegt, ist noch nicht entschieden. Selbst das Interieur verlangt Vorstellungskraft. So sehr die prachtvolle Luxus-Landschaft vom ersten Moment an fesselt - die Sitzpolsterung ist reine Show. Unter der hauchdünnen Belederung folgt im Fond die unnachgiebige Granitblock- Härte einer reinen Studie. So erschließt sich zügig, wieso Aston diese eigenartigen, aber bequemen Fellkissen nach Art des Heimsofas im Interieur drapiert. Unterhalb der Kopfstützen lauert das zweite Fellensemble - dieses Mal nach der Mode eines feudalen Damenmantels. Dies und die Fond-Glasbecher (taugen weder für Single Malt Whisky noch Champagner) bleiben jedoch die einzigen geschmäcklerischen Innenraum-Details.

Mächtige 22-Zoll-Räder schmücken den Lagonda

Der auf mächtigen 22-Zoll-Rädern thronende Lagonda schafft mit seinem gekonnten Bicolor-Design (vorne dunkel, hinten hell) und der Luft zwischen den Einzelsesseln eine einzigartige Luxus-Atmosphäre, ohne in schwülstigen Barock abzudriften. Gekonnt spielen Farben und Formen miteinander, und während das Äußere Massivität kommuniziert, zeigt das Innere Dynamik und vor allem reichlich Raum für vier Personen. Der fast über das ganze Dach gezogene Glashimmel unterstützt diese Wirkung und wirft großzügig Licht auf die matt glänzenden Metall-Applikationen wie den raumschiff-ähnlichen Gangwahlhebel.

Spätestens 2012 darf die Luxus-Gesellschaft mit dem Serienanlauf rechnen, der den jährlichen Gesamtabsatz von Aston Martin auf 6.000 bis 7.000 Einheiten weltweit stabilisieren soll. Nach 5.500 im vergangenen Jahr werden es 2009 aber wohl erst mal spürbar weniger.

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