Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Au Minimum - Autos, die man nie vergisst - Citroen 2 CV

Foto: Hersteller 4 Bilder

Seit 40 Jahren schreibt Klaus Westrup über Autos in auto motor  und sport. Für Motor Klassik erinnert er sich nun. Der Citroën 2 CV ist an der Reihe, sogar ein ganz Besonderer – die Ur-Ente mit 9 PS.

29.03.2007 Klaus Westrup Powered by

Wir treffen in Meaux aufeinander, der Senfstadt vor den Toren von Paris. Die Hotelnacht ist unruhig, zerhackt durch dröhnende Glockenschläge, auch durch Anspannung vor dem Event. Einen langjährigen Freund des 2 CV und einen ebenso langen journalistischen Begleiter dieses eigentümlichen Automobils lässt es nicht kalt, die Ur-Ente zu chauffieren – jenes schmucklose Unikum, mit dem auf dem Pariser Salon 1948 alles begann.

375 Kubikzentimeter bringen es dank milder Verpuffungen auf 9 PS

Der Morgen ist grau, der anrollende Lastwagen, der das Museumsstück huckepack trägt, ebenfalls, der 2 CV sowieso. Viele Autos mit Charakter haben ihre Karriere mit nur einer Farbe begonnen. Beim Ford T-Modell ist es Schwarz, der kleine Citroen trägt Grau. Das Stoff verdeck spannt sich über den Kofferraum, aber er hat schon zwei Scheinwerfer und keine Andrehkurbel. Die Prototypen des französischen Volkswagens verzichteten noch auf einen elektrischen Anlasser, und die Nacht erhellte mühsam nur eine Lampe, die wie das Auge eines Zyklopen auf die Versuchsbahn glotzt.

Der Oldie hat nicht den ursprünglich wassergekühlten Zweizylinder unter der Wellblechhaube, sondern die endgültige Fassung mit Luftkühlung per Gebläse. Doch der Hubraum des Boxermotors zeigt noch das Urmaß, das bis 1954 beibehalten wird. Es sind, kaum zu fassen, 375 Kubikzentimeter, gut für maximal neun Pferdestärken bei 3.00 Umdrehungen. Die Ventile des kleinvolumigen Boxers, die über Stoßstangen gesteuert werden, hängen schon ganz fortschrittlich schräg in den Zylinderkopf. Motorenbauer Walter Becchia, einst bei Talbot unter Vertrag, wusste um die Effizienz halbkugelförmiger Brennräume.

Das Verdichtungsverhältnis des kleinen Zweizylinder beträgt - Zugeständnis an die einstige Treibstoffqualität - nur 6,2 zu eins. Es sind keine wahren Explosionen, die sich da in den Leichtmetallköpfen abwechseln, eher milde Verpuffungen.

Klassenloses Hängematten-Feeling

Der Tachometer, auf den man in Anbetracht der Motorleistung auch noch hätte verzichten können, kauert in einer Ecke unterhalb der Windschutzscheibe. Das Lenkrad ist aus Metall, die Lenksäule starr und steil. Hier stirbt man noch wie ein Mann, wenn die Kollisionsgeschwindigkeiten höher ausfallen sollten. Doch der Ur-Deux Chevaux wird seinen Teil dazu kaum leisten. Wir sind zu dritt im Auto, als ich nach dem Anlasser suche, unser Leistungsgewicht beträgt etwa 80 Kilogramm pro PS. Bollernd springt der Motor an und pustet seine Abgase direkt hinter der Ölwanne auf den Boden, umweg- und umstandslos. Es staubt etwas, mit einem Ruck setzt sich der graue Viertürer in Bewegung.

In den komfortablen Hängematten-Sitzen bleibt Zeit zur Reflektion. Zum Beispiel, was Stückzahlen und Lieferzeiten angeht. Im Februar 1950 fahren auf Frankreichs Straßen bereits 1400 2 CV, aber noch 1953 muss man zwei Jahre auf das Neun-PS-Auto warten. Der 2 CV ist klassenlos, noch Jahrzehnte entfernt von jenem Freak-Status, den er vor allem in England und Deutschland bekommen sollte. Bauern fahren den billigen Viertürer ebenso wie praktische Ärzte. Es scheint sie nicht zu stören, dass dieses Auto nach Messungen der Schweizer "Automobil Revue" genau 43 Sekunden braucht, um aus dem Stand Tempo 50 zu erreichen.

Bis 1970 wird sich die Motorleistung mehr als verdreifacht haben – in kleinen Portionen, die den Erstantrieb des 2 CV in Vergessenheit geraten lassen. Er bleibt fünf Jahre in Produktion, 1954 gibt es 50 Kubikzentimeter und dreieinhalb PS mehr. Mit 12 PS ist man nun schon zu 80 km/h fähig. Die beiden Redakteure der britischen Fachzeitschrift „Autocar“ durchqueren im selben Jahr ihre Heimat von Süden nach Norden und benötigen für die knapp 1200 Kilometer von Lands End nach John O’Groats etwas über 22 Stunden, Durchschnittstempo 52 km/h. Es ist noch der Ur-2 CV mit 9 PS, mit dem dieser Marathon gelingt.

Andere Fernreisen werden in der langen Geschichte dieses Autos folgen – mit jungen Männern, die die Anden überqueren oder sich durch den Dschungel von Thailand schlagen. Geht doch alles. Ca va.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige