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Audi 200 Turbo

Der Achtzylinder des kleinen Mannes

Audi 200 Turbo Foto: Frank Herzog 4 Bilder

Mit dem 200er stieg Audi in die Oberklasse ein. Der auf edel getrimmte Audi 100 überzeugt mit Raumgefühl, der aerodynamischen Linienführung und seinem kultivierten Turbo-Motor.

29.05.2009 Alf Cremers Powered by

Früher fuhren VW-Direktoren im schwarzen Salon mit den chrombedampften hinteren Scheiben. Schließlich war vor der V8-Ära der Typ 200 das Konzernflaggschiff.

Audis Einstieg in die Oberklasse

WOB-DZ 39 hieß das erste Kennzeichen dieses zermattsilbernen Turbo. Er kommt zwar ohne den prestigeträchtigen Allradantrieb Quattro aus, entschädigt aber mit "exklusiver Lederpolsterung Kodiak", wie es im Sonderausstattungsprospekt für das Modelljahr 1989 heißt. Drei weitere Besitzer begleiteten den Audi 200 Turbo durch sein mit nur 146.000 Kilometern gar nicht allzu bewegtes Leben. Das feine Leder schimmert noch so verführerisch seidenmatt wie bei einem Jahreswagen. Nur das Holzfurnier wurde milchig, und der Klarlack auf der Motorhaube hat einen leichten Sonnenbrand.

Grandios ist das Raumgefühl in so einem Audi, trotz eher knappem Radstand gibt es Platz in Hülle und Fülle. Der Typ 44, so heißen die aerodynamisch formvollendeten (cW-Wert 0,30) Modelle 100 und 200 intern, übertrifft im Raumangebot sogar locker die 126er-S-Klasse von Mercedes.

Dieser Audi 200 gehört zur zweiten Generation, der sich vor allem durch ein reich bestücktes Instrumentenbrett vom Vorgänger unterscheidet. Die Qualitätsoffensive jener Jahre wird auch in anderen Details sichtbar. So sorgt vor allem die Vollverzinkung für ein weitgehend sorgenfreies Reifen zum Youngtimer, doch merkt man bei diesem Exemplar an ein paar exponierten Stellen im Bereich von Schweller und Türkanten, dass die Zinkschicht im jahrzehntelangen Sandstrahlgebläse von Streugut und Kieseln nicht ewig hält. Hier zeigen sich harmlose Rostansätze.

Der aufgeladene Fünfzylinder ist leise und kultiviert

Das Fahrerlebnis wird von Gelassenheit geprägt. Der Fünfzylinder-Turbomotor springt spontan an, seine Leistungsentfaltung ist keineswegs stürmisch – es ist ein Turbo mit Filter, der G-Kat kostete ihn satte 17 PS. Schon ab 2.500 Touren wird der sanfte Lader-Rückenwind spürbar, er täuscht viel mehr Hubraum und Drehmoment vor als tatsächlich vorhanden.

Auch die Dreigangautomatik war 1988 längst antiquiert, sie surft aber unauffällig auf der Drehmomentwelle des Fünfzylinders, der beim scharfen Beschleunigen das trommelnde Stakkato eines Achtzylinders in milderer Form intoniert. Erstaunlich, wie leise und kultiviert der eigentlich improvisierte Motor selbst in höheren Drehzahlbereichen läuft, wie angenehm sonor sein Klang ist. Aber die komprimierte, anspruchsvolle Technik des Audi 200 hat im Alter ihren Preis, er ist von den vier potenziellen Verschrottungsopfern der Empfindsamste.

Zentralhydraulik und Klimaanlage verlangen nach Zuwendung

Seine Zentralhydraulik, die für Lenk- und Bremskraft sorgt, macht Probleme - man spürt es am schwammigen, rubbelnden Bremsgefühl, das sich mitunter einstellt. Zudem verliert er irgendwo Motoröl – nicht dramatisch, aber sichtbar. Die Klimaautomatik vom amerikanischen Zulieferer Delco gehört gründlich gewartet und neu befüllt. Weit mehr als die anderen Kandidaten ist der Audi 200 ein Liebhaberauto, die geringe Stückzahl und die hohen Ersatzteilpreise unterstreichen dies. Doch er ist beileibe kein heruntergerittenes Verbrauchtauto, sondern ein kränkelnder Schwan, der etwas Zuneigung braucht.

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