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Audi-Chef Rupert Stadler

Noch lange kein Ende für Diesel und Benziner

Rupert Stadler, Audi-Vorstandsvorsitzender Foto: Audi

Audi-Chef Rupert Stadler sieht im Trend zur Elektromobilität keine Gefahr für die zentrale Stellung der Autobauer. "Sie müssen die Schnittstellen beherrschen. Und ins Auto kommt ohne uns keiner", sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Fachtagung "Auto der Zukunft" in Baden-Baden.

01.09.2011 dpa

Trotz wachsender Bedeutung der Dienstleistungen rund um die neue Massenmobilität bleibe der Kern der Sache - das Auto - nun einmal Kompetenz der Hersteller. Zudem rechnet Stadler nicht mit einer schnellen Wende hin zu den Elektrofahrzeugen.

"Ich glaube, die richtige Durchsetzungsphase der Elektromobilität wird wahrscheinlich erst zwischen 2020 und 2030 erfolgen", sagte der 48-Jährige. Wahrscheinlicher als eine schnelle Ablösung sei ein längeres Nebeneinander alter und neuer Antriebe - das liege allein schon an wirtschaftlichen Notwendigkeiten. "Die heutigen Verbrenner mit Benzin und Diesel sind die Ertragsbringer für Zukunftsprojekte von morgen. Wenn wir diese pflegen und weiterentwickeln, dann haben wir auch die finanzielle Kraft, übermorgen attraktive Produkte auf den Markt zu bringen."

Nicht unter Zeitdruck setzen lassen

Stadler warnte vor übertriebenem Ehrgeiz: "Der Fehler ist wahrscheinlich, dass wir uns zu sehr unter Zeitdruck setzen. Wir sind auf einem Marathon unterwegs. Das ist kein Kurzstreckenlauf mit 100 Metern." Die Branchenziele für E-Mobilität seien längerfristiger Natur: "Wir diskutieren jetzt nicht, was in den nächsten fünf oder zehn Jahren passiert. Weil wir wissen: Wir haben Produktlebenszyklen von etwa sieben Jahren. Und die werden wir auch zu respektieren haben, auch in den nächsten Jahren. Da gibt es keine Zauberei. Und insofern werden wir wahrscheinlich erst in zwei oder drei Generationen die endgültigen Lösungen sehen. Aber das heißt doch nicht, dass wir sie nicht heute schon anschieben müssen."
 
Generell zweifelt der Audi-Chef nicht an der Zukunft für das E-Auto - trotz ungelöster Probleme wie etwa geringe Batterieleistung. "Natürlich diskutieren wir bei der Elektromobilität gerne erst einmal die Herausforderungen und was nicht klappt. Ich sage: Das widerstrebt mir einfach. Denn ich glaube, grundsätzlich sollte man rangehen und sich fragen: Wo liegen Chancen, was ist zu tun, wie wollen wir es anpacken und was klappt bereits heute?"

Mobilitätsveränderungen beobachten

Furcht vor einem Markt, auf dem das eigene Auto womöglich immer unbedeutender und gemeinschaftliche Nutzung wichtiger werden, habe er nicht. "Car-Sharing gibt es schon lange. Das ist vor allem der klassische Autovermieter. Vielleicht entwickelt sich das weiter, das mag schon sein. Aber das würde mir jetzt keine Existenzangst auf die Stirn treiben." Ohnehin sei nicht absehbar, dass sich die Kunden plötzlich vom Wunsch nach einem eigenen Wagen verabschiedeten.
 
"Wir werden sehen, inwiefern Stadtmobilität funktioniert - nach dem Motto: Ich ziehe meine Scheckkarte durch und nehme das Auto, das draußen steht, fahre fünf Kilometer und stelle es wieder ab, egal wo. Es wird sich herausstellen, ob das angenommen wird. Ob bei einer Delle die Versicherungsleistung klar geregelt ist, oder ob sich jeder gerne in ein nicht gereinigtes Auto setzt", sagte Stadler.
 
Und selbst wenn es die Autobauer bald stärker mit Flottenanbietern als Endkunden zu tun bekämen, bedrohe das noch nicht die Struktur der Hersteller. "Das haben wir schon heute. Siemens kommt zum Beispiel zu uns und möchte einen Großabnehmervertrag für Europa. Wir klären dann, wer der Partner ist und mit wem wir verhandeln. Dieser möchte dann auch, dass der Mitarbeiter in Madrid oder Barcelona von einem Händler vor Ort betreut wird. Der Kunde möchte, dass das reibungslos funktioniert und das ist unser Kerngeschäft."

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