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Audi Fahrerprobungen in China

Mit S8, A6 und Q3 durch chinesische Provinz

Audi Q3, Testflotte, Kloster, China Foto: Wolpert 14 Bilder

Der letzte Qualitäts-Check vor der Serienfreigabe: Mit den neuen Audi-Modellen S8, A6 Langversion und Q3 geht es über 1.000 Kilometer durch die chinesischen Provinz.

18.04.2012 Bernd Ostmann

Die "kundennahe Qualitätsfahrt" – so heißt das Ganze im Fachjargon – startet schon wenige Meter vor dem Hotel in Chengdu. Plötzlich haben wir uns in einem soliden Verkehrsknäuel festgefahren. Es scheint, als hätten sich alle zwölf Millionen Einwohner der Stadt an diesem Abend an einer einzigen Kreuzung verabredet. Ein Massenunfall? Weit gefehlt. Für das Chaos sind einige ungeduldige Falschabbieger verantwortlich, die anschließend auf der Gegenfahrbahn ihr Heil suchen. Es dauert also – eine Nervenprobe nach einem zehnstündigen Langstrecken- und einem vierstündigen Inlandsflug. Aber Audi-Qualitätsexperte Werner Zimmermann nimmt es gelassen: "Dann beginnt unsere Erprobungsfahrt eben nicht morgen früh, sondern schon heute abend."

Der normale chinesische Alltag bedeutet für die Automobile einen bis zu 60-prozentigen Leerlaufanteil. Schuld sind Staus, aber auch die Unsitte, Motor und Klimaanlage im Sommer sogar beim Parken laufen zu lassen. Das gleiche Spiel wiederholt sich im Winter, nur dass dann Motor und Heizung im Stand bollern. Selbst wenn der Chinese einmal nicht im Stau steht, so die Analyse der Audi-Scouts, lässt er die Triebwerke meist nur bis 2.000 Touren drehen. Deshalb werden sie für den China-Einsatz speziell präpariert – beispielsweise die Vorspannung der Kolbenringe. Und deshalb muss jeder Motor vor der Freigabe erst einmal einen Dauerlauf über bis zu 160.000 Kilometer absolvieren. Auch um zu zeigen, dass er mit der zum Teil lausigen Spritqualität vor allem in den ländlichen Regionen klarkommt.

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auto motor und sport 09/2012
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Audi S8 und Q3 auf 4.400 Meter

Die eigentliche Testfahrt beginnt am nächsten Morgen mit einem Audi S8 und drei Q3, die hier im Laufe des Jahres eingeführt werden sollen. Es geht von Chengdu in ein 477 Kilometer entferntes Bergressort nach Jiu-zhaigou auf 2.500 Meter, doch den Gipfel erreicht die Testcrew erst auf einem 4.400 Meter hohen Pass.

Sinn und Zweck solcher Qualitätsfahrten ist die Beurteilung von Fahrzeugen aus der Vorserie, die bereits mit Serienteilen gefertigt wurden, aber – beispielsweise im Innenraum – noch nicht den bekannten Audi-Standard erreichen. "Die Teile sind noch nicht in ihrer Passgenauigkeit aufeinander abgestimmt", erklärt Zimmermann, der diese Detailarbeit anschließend mit den Zulieferern in der Fabrik am so genannten "Meisterbock" abwickelt.

In jedem Fahrzeug gibt es eine Liste, auf der alle Probleme, Grate, Passungenauigkeiten oder Klappergeräusche protokolliert werden. Jedes Teil wird bewegt und beurteilt: Lässt sich die Abdeckung des Schminkspiegels ohne Widerstand bewegen, rastet der Temperaturregler vorschriftsmäßig? Wenn man Zimmermann fragt, was die Audi-Truppe von anderen Autobauern gelernt habe, dann nennt er das "Auge-führt-Hand-Prinzip" der Japaner. Soll heißen: Vieles, was das Auge übersieht, kann man mit den Händen erfühlen. Die Japaner haben es einst vorgemacht. "Aber jetzt sind wir vorn", konstatiert Zimmermann selbstbewusst. "Doch die anderen holen auf." Und dies gilt nicht allein für die anderen Premiumhersteller, sondern längst auch für Volumenmarken aus Korea oder Frankreich. Deshalb will man bei Audi nichts dem Zufall überlassen. Selbst der Vorstand fährt neue Modelle in verschiedenen Entwicklungsphasen immer wieder. "Das macht sonst kein anderer Hersteller." Vor der eigentlichen Freigabefahrt werden die Autos über 10.000 Kilometer gefahren. Erst dann gibt es das Okay zur Serienproduktion durch Zimmermann – und Konzernchef Martin Winterkorn persönlich.

2.200 Mann kümmern sich weltweit um die Qualität

Insgesamt 2.200 Mann kümmern sich weltweit um die Qualität. 400 bis 500 Autos werden dabei jährlich durch die Qualitätsmühle gedreht – Tendenz steigend. Das Wachstum will nicht nur bewerkstelligt, sondern auch qualitativ abgesichert werden – Toyota und die Rückrufwelle lassen grüßen. "Passieren kann immer etwas", erklärt Zimmermann. "Aber man muss ein Problem erkennen – und dann schnell abstellen." Beispielsweise bildet Audi wieder Sattler aus, "obwohl wir keine Sitze herstellen. Aber wir brauchen die Kompetenz", weiß der oberste Qualitätsmann. Deshalb werden die Autos auch in den unterschiedlichsten Ländern gefahren, und die Strecken haben es in sich. Anstelle von Randstreifen lauern hier in China links und rechts tiefe Gräben, die jedes Fahrwerk killen. Zudem sind die Straßen alle paar Meter rund 30 Zentimeter tief ausgebaggert. Hinterhältige Fallen, denn Warnhinweise gibt es keine.

Wir fahren durchs Erdbebengebiet in der Provinz nördlich von Chengdu. Man muss auf alles gefasst sein, auch dass nach einer Kurve einfach die halbe Straße fehlt. Manchmal sogar die ganze – dann geht es eben auf Schotter weiter. Verschärft wird die Situation durch den chinesischen Fahrstil. Wenn einer überholt, dann hängen sich alle dran. Man kommt um eine Biegung und steht vor einem Lastwagen, der gerade von einem Bus überholt wird.

Wir bewegen uns auf der Tour nicht unbedingt im Stil eines typischen chinesischen Chauffeurs, der es bei 2.000 Touren bewenden lässt. Aber die Techniker wollen schließlich sehen, wie es beispielsweise um die Karosseriequalität bestellt ist. In Jiuzhaigou haben wir unsere Audi Q3 gegen A6 in der landestypischen Langversion getauscht, deren Produktion in den nächsten Monaten in Changchun nördlich von Peking anlaufen soll.

Im Innenraum liegt noch einiges im Argen

Aus steuerlichen Gründen bekommt der chinesische Audi A6 einen 2,5-Liter-V6 mit 190 PS spendiert, was ihn in Verbindung mit der stufenlosen Automatik nicht gerade zu einem Dynamiker macht. "Aber die Chinesen mögen genau diese Kombination", versichert Zimmermann. Die Vorserienautos haben an den Türen Markierungsstriche. "So können wir schnell feststellen, ob sich die Türen absenken", ergänzt er.

Die Karosserien sind noch nicht im finalen Trimm, wirken aber schon sehr solide – zumindest gibt es keine Klappergeräusche. Dafür liegt im Innenraum noch einiges im Argen: Die Lederbezüge der Sitze von einem lokalen Lieferanten schlagen Falten, auch die Passungen der Armaturenbretter stimmen noch nicht. Bis auf eines. "Aber das kommt komplett aus Deutschland", gesteht Zimmermann lächelnd. Dann erregt der Cockpit-Abschluss am Scheibenrand das Interesse des Qualitätssicherers: Der Hersteller hat ein Teil geliefert, bei dem die Werkzeugteilung genau im Sichtfeld der Passagiere einen Grat hinterlassen hat. "Das muss natürlich abgestellt werden", erklärt der Audi-Mann und notiert das Problem.

Nach der 1.000-Kilometer-Tortur über chinesische Bergstraßen sind die Mängellisten lang – und die Detailarbeit geht in Changchun im Werk weiter. Dort wartet auf die Testautos bereits der nächste Härtetest: der strenge chinesische Winter mit bis zu minus 40 Grad. Andere Kandidaten haben es auch nicht besser: Sie brüten in der Hitze von Südafrika oder Arizona. Hier geht es um die Ausdünstungen von Kunststoffen im Innenraum und bei der extremen UV-Strahlung um die Lackqualität. "Auf die sind wir bei Audi besonders stolz", erklärt Zimmermann und streicht einem Audi A6 zärtlich übers Blech. Eine Geste, die zeigt: Bei Qualitätsfanatikern wie ihm geht Liebe durch den Wagen.

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