An diesem Geißbock führt bei Audi kein Weg vorbei. Zumindest dann nicht, wenn man in das Zentrum für Qualitätssicherung gelangen möchte. Noch vor einer dicken Stahltür wacht der störrische Vierbeiner - aus Plüsch, zugegeben, aber quasi als 1:1-Modell. Es symbolisiert ironisch die so genannten Meisterböcke, die künftigen Modellen als Urmeter dienen, um den hohen Fertigungsstandard der Audi-Fahrzeuge für die Serie festzulegen. Der Geißbock erlaubt aber auch eine andere Symbolik: Kein anderer Premiumhersteller stemmt sich derart trotzig gegen den Abwärtstrend in der Branche wie Audi. Und kaum ein anderer Hersteller wird im kommenden Jahr ähnlich viele neue Produkte auf den Markt bringen.
Audi A8 kommt Anfang 2010 in den Handel
Den Anfang macht die Neuauflage des Audi A8. Die Oberklasse-Limousine wird Ende 2009 enthüllt. In den Handel kommt das neue Topmodell (interne Bezeichnung: AU 641) zu Beginn kommenden Jahres. Vor allem das niedrige Gewicht soll den Verkäufern als Argument gegenüber den Konkurrenten dienen. Obwohl die Limousine künftig Komponenten des modularen Längsbaukastens nutzen wird, bildet die Basis weiterhin der typische Aluminium-Spaceframe.
Zusätzlich kommen Magnesium, ein hoher Anteil hochfester Stähle und neuartige Dämmmaterialien zum Einsatz, so dass die Basisversion die 1,7-Tonnen-Marke unterbieten kann. Je nach Version sinkt das Gewicht um rund zehn Prozent. In Kombination mit neuen und überarbeiteten Motoren - unter anderem bekommt der aus dem S4 und A6 bekannte Kompressor-V6 einen Platz unter der A8-Haube - dürfte die gebotene Agilität selbst verwöhnte Luxusklasse-Kunden verblüffen. Trotz Downsizing kommt Audi aber nicht am Zwölfzylinder vorbei. "Durch die hohe Nachfrage in China und Saudi Arabien rechnet sich dieses Triebwerk auch in der neuen Modellgeneration", heißt es in Ingolstadt - abgesehen davon hält auch die Konkurrenz an der prestigeträchtigen Zylinderzahl fest. Die Entwicklung eines völlig neuen Triebwerks sparen sich die Ingolstädter allerdings. Vielmehr wird der bekannte W12-Motor mit Benzin-Direkteinspritzung und Zylinderabschaltung aufgewertet.
Audi R8 Spider kommt 2010. Diesel-Version geht nicht in Serie
Noch nicht entschieden ist, ob daneben der V12 TDI Verwendung findet. Für den Audi R8 (zum Testbericht) - von dem es ab Frühjahr 2010 auch einen Spider geben wird - kommt dieser Diesel nicht in Serie: Beim Mittelmotor-Konzept macht die Kühlung des extrem belasteten Getriebes Probleme. Nur im A8 könnte der Diesel einen Teil seiner hohen Entwicklungskosten wieder hereinfahren. Beim Benziner ist Aufladung hingegen kein Thema, auch beim V8 FSI nicht.
Am unteren Ende der künftigen Modellpalette sieht das anders aus: Der Audi A1 wird der erste Audi sein, den es ausschließlich mit aufgeladenen Benzin- und Dieselmotoren gibt. Mit dem Kleinwagen will die Marke den Premium-Gedanken in das A-Segment tragen. Das wird dann auch mit einem entsprechenden Preisaufschlag gegenüber dem VW Polo (zum Testbericht), dessen Plattform der Audi A1 nutzt, verbunden sein. Daher erwarten die Käufer vor allem beim Interieur die seit langem als Branchen-Maßstab geltende Audi-Qualität. Im Frühsommer kommt zunächst der Zweitürer auf den Markt, und schon ein halbes Jahr später - so die Planungen - folgt der Viertürer. Im Motorraum dieses Audi arbeitet die neueste Generation der Vierzylinder-TSI- und TDI-Motoren. Im Innenraum erblickt und ertastet der A1-Fahrer eine geschäumte Armaturentafel, die den Einstiegs-Audi von Brot-und-Butter-Kleinwagen abheben soll. Wann die neue Generation des Infotainment-Systems MMI, die im A8 debütiert, ihren Weg in die Basis findet, ist jedoch noch offen.
Eine Wiederbelebung des Audi A2 gewinnt an Priorität
Theoretisch kann Audi sogar noch kleiner. Nachdem VW die Serienversion des Up im kommenden Jahr auf den Markt bringt und Skoda sowie Seat (2011) in gebührendem Abstand folgen, wäre auch eine Interpretation mit den vier Ringen im Kühlergrill möglich. Inzwischen hat jedoch die Wiederbelebung des Audi A2 einige Positionen in der Prioritätenliste übersprungen und rangiert nun vor dem Audi City genannten Up-Derivat. Für Letzteres zeichnet sich derweil eine Antriebs-Alternative zum von Entwicklungvorstand Michael Dick favorisierten Elektromotor ab. So lässt VW-Konzernvorstand Martin Winterkorn nach anfänglichen Vorbehalten nun doch einen Zweizylinder-Benziner prüfen. Dabei handelt es sich um ein Aggregat mit rund 0,8 Liter Hubraum, das bis zu 70 PS leisten soll.
Audi A3 TDIe und Audi Q5 Hybrid als neue Spritspar-Könige
Der nächste Spritspar-König heißt dagegen Audi A3 TDIe - er kommt noch in diesem Jahr und soll dank dem neuen 1,6-Liter-Dieselmotor unter 100 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. Dieses Triebwerk soll später in einer entsprechenden Version des A1 für einen neuen Tiefstwert bei den Emissionen sorgen. Bei den Crossover-Modellen muss in dieser Disziplin künftig der Q5 Hybrid die Messlatte hoch legen. Bereits Ende nächsten Jahres wird der SUV in den Ausstellungsräumen der Händler erwartet. Für Vortrieb soll dann eine Kombination aus dem bekannten V6-Benzin-Direkteinspritzer mit 3,2 Liter Hubraum sowie einem Elektromotor sorgen. Die Energie kommt von Lithium-Ionen-Akkus, die im Heck untergebracht sind.
Ein weiteres Q-Modell folgt erst 2011. Dann rollt im spanischen Martorell bei Seat der Q3 vom Band. Rund 300 Millionen Euro investiert der Konzern in die neue Produktionsstätte. Bei der Technik nutzt Audi ebenfalls die Synergien aus dem Konzern: Die Architektur entspricht im Wesentlichen jener des VW Tiguan.
Audi A7 läuft ab Ende 2010 in Neckarsulm vom Band
Aus deutscher Produktion stammt hingegen der Audi A7. Der Viertürer mit großer Heckklappe wird ab Ende 2010 in Neckarsulm vom Band laufen, da in Ingolstadt kaum noch Kapazitäten frei sind - selbst für die eher geringen Stückzahlen des A7 nicht. Das Produktionsvolumen dürfte sich auf dem Niveau des A8 einpendeln. Audi gibt sich davon überzeugt, in der Oberklasse mit einem Fließheckmodell Erfolg zu haben. Erste Erkenntnisse werden sich aus der Akzeptanz des A5 Sportback ergeben, der ab Spätsommer zu Preisen ab 36.050 Euro angeboten wird.
Der Audi A5 Sportback wurde auf höchste Qualität getrimmt
Die Käufer soll speziell die Mischung aus coupéhafter Linienführung, unterstrichen von rahmenlosen Seitenscheiben, und die deutlich höhere Variabilität gegenüber einer konventionellen Limousine überzeugen. Vor allem Fahrer von Schrägheckmodellen aus den Volumen-Segmenten wünscht sich der Hersteller als Käufer. Dafür wurde der A5 Sportback - wie alle anderen Audi auch - auf den Meisterböcken auf höchste Qualität getrimmt. Der Geißbock am Eingang kann das bezeugen.






