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Audi Q3 Trans China Tour 2011, Tag 10

Kung-Fu-Löwen und falsche Wasserleichen

10/2011 Audi Q3 Trans China Tour 2011, Tag 10, Guangzhou-Zhaoqing Foto: Markus Stier 27 Bilder

Am zehnten Tag reist die Audi-Q3-Trans-China-Tour in der Provinz Kanton über Land, begegnet kämpfenden Knirpsen, wählerischen Wasserbüffeln und neugierigen Kantonesen.

27.10.2011

Jeder Europäer kennt Hongkong, keiner kennt Guangzhou. Indirekt kennt man es schon, wenn der europäisierte Name fällt: Guangzhou heißt bei uns Kanton und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Der Startort der zehnten Etappe der Audi-Trans-China-Tour trägt noch einen weiteren Beinamen: "Fabrik der Welt." Viele Waren der Neunmillionen-Metropole am Perlfluss, die den Aufdruck "Made in China" tragen kommen von hier. Einst ließ die Zentralregierung in Peking die Gegend wirtschaftlich hochrüsten, um der Sonderhandelszone Hongkong Konkurrenz zu machen, heute hat Guanghzou die ehemalige britische Kolonie als Industriestandort längst abgehängt. Gleich zwei Mal im Jahr findet in der Stadt des höchsten Fernsehturms der Welt (600 Meter) auch die größte Im- und Exportmesse Chinas statt.

Audi Q3 Trans China Tour Guangzhou-Zhaoqing 2:54 Min.

Mit Spannung und Körperspannung zum Kung-Fu

Schon gestern rauschten auf dem Weg hierher ohne Pause Vorstädte und Industriegebiete am Seitenfenster vorbei, und auch am heutigen Morgen sind noch 80 Kilometer zu absolvieren, bis Wagen drei endlich "draußen" auf dem Land ankommt. Wen die endlosen Häuser und Hallen und die unzähligen, riesigen Werbetafeln an den Schnellstraßen ordentlich eingelullt haben, der wird nach der Mautstelle an der Autobahnausfahrt schlagartig wach, als zwei  kurz aufeinander folgende Bodenwellen das Hinterteil des Q3 in die Luft werfen.
 
Der kleine Zwischenfall sorgt aber schon einmal für die nötige Körperspannung, denn kurz danach wird abgebogen. Wir besuchen eine  Kung-Fu-Schule. Im Ursprung bedeutet das Wort eigentlich "gongfu" und bezeichnet nicht notwendigerweise eine Kampfkunst, sondern das Bemühen, sich selbst durch größte und andauernde Anstrengung zu vervollkommnen. Das kann ebenso für einen Kalligraphen oder einen Musiker gelten.

Die Bruce Lee-Legende

Kung Fu war in unseren Breiten völlig unbekannt, bis der Sohn einer aus Hongkong nach Kalifornien übergesiedelten Familie seine Mutter bat, eine Selbstverteidigungsausbildung machen zu dürfen, damit das schmächtige Bürschlein bei Schulhofprügeleien nicht ständig den Kürzeren zog. Einige Jahre später landete der Heranwachsende vor dem Richter. Die Mutter eines Schulkameraden hatte ihn nach einer Schlägerei angezeigt. Der Richter drohte beim nächsten Vorfall mit Gefängnis, die Mutter schickte den Junior nach San Francisco.
 
Bruce Lee wurde ein Freund von Steve McQueen und unterrichtete den Superstar zuweilen im Kung Fu, ebenso den Karate-Weltmeister Chuck Norris. Seine Martial-Arts-Filme sind heute Legende. In Hollywood erhielt er einen Stern auf dem Walk of Fame, in Hongkong wurde ihm zu Ehren vor wenigen Jahren eine zweieinhalb Meter schwere Bronzestatue aufgestellt. Zur Legende wurde Bruce Lee erst nach seinem Tod. Die Dreharbeiten zum Film "Der Mann mit der Todeskralle" hatten ihn so überansprucht, dass er mit einem epileptischen Anfall zusammenbrach und kurze Zeit später starb. Er wurde nur 32 Jahre alt.

Die Kung Fu-Löwen

Die meisten Bürschlein, die nun vor uns stehen, sind dagegen älter als 13. Angetrieben von einem Trommler und dem Geschepper der Becken führt zunächst ein alter Meister einige martialische Bewegungen aus. Danach dürfen ein paar der Knirpse und ein junger Mann ihre Körperbeherrschung im Schattenkampf aufführen. Höhepunkt der Show ist aber der Auftritt der Löwen. In bunten Kitschkostümen turnen jeweils ein Junge und ein Jugendlicher gemeinsam unter einem Kostüm auf bis zu drei Meter hohen Stangen herum. Dabei dürfen sie die tellergroßen Tritte nicht verfehlen. Auch wenn unter den Stangen weiche Matten liegen, würde ein Absturz ernsthaft schmerzhaft. Den anstrengenderen Job hat der junge Kämpfer, der das Hinterteil des Löwen darstellt. Wenn sich das Tier aufrichten und zum Sprung ansetzen soll, muss er blitzschnell den Knirps vor ihm auf die Schultern heben und anschließend kontrolliert auf den nächsten Stangen landen lassen.
 
Die altehrwürdigen Gebäude sind heute eher ein Museum als eine aktive Kung-Fu-Schule. Das heutige aus mehreren Kampfdisziplinen entstandene und in verschiedenen Stilen bekannte Kung Fu dient längst nicht mehr dem Selbstzweck der eigenen Vervollkommnung. Die bunten Löwen treten heute bei Hochzeiten und anderen Feiern gegen Bezahlung auf. Die bekannteste Showtruppe dieser Art sind die Shaolin-Mönche, die mittlerweile für Vorführungen durch die ganze Welt reisen.

Zu Besuch bei den Allesessern

Wir reisen dagegen endlich mal wieder über Land. Die Etappe ist heute nur rund 200 Kilometer lang. Wir haben Zeit, und so stoppt Wagen drei schon in der ersten Kleinstadt, um einen Blick auf einen echten chinesischen Markt zu werfen. Unter einem Dach mit offenen Seitenwänden hocken am Tisch vier Kartenspieler, die sich über die Ankunft der Fremden königlich amüsieren. Sobald der Neuankömmling den Fotoapparat zückt, verbergen einige schüchtern ihr Gesicht, um dann aber gleich begeistert auf einen anderen zu zeigen, den man doch unbedingt ablichten müsse. Und so weist die eine Fleischerin auf die nächste, die hätte gern ein Bild von dem Jungen der Bäckersfrau, weil der gerade isst.
 
Menschen, die mit vollen Backen beim Essen fotografiert werden, rufen auf dem Markt so viel Begeisterung, Schadenfreude und Gekicher hervor, dass im hinteren Teil die eingepferchten Gänse an zu schnattern fangen, und die Hühner nervös werden. Die Art wie Tiere in China gehalten werden, ist nichts für zart besaitete Gemüter. "Was wundert dich das, wenn du siehst, wie hier die Menschen behandelt werden", sagte einst ein Chinese.
 
Das traditionell arme und überbevölkerte Kanton ist selbst bei Chinesen berüchtigt. Die Bewohner stehen in dem Ruf, alles zu essen, was schwimmt, fliegt oder läuft, außer U-Booten, Flugzeugen und Tischen. Egal ob Frösche, Schlangen oder Hunde, alles was Energie lieferte, landete früher im Kochtopf, und tut es zuweilen heute noch. Ein Kollege probierte am Abend eine gebratene Ratte.
 
Auf dem Markt riecht es für unsere Geschmäcker nicht eben einladend nach verwesendem Fleisch und trocknendem Blut. Dabei legen gerade die Kantonesen erheblichen Wert auf Frische. Weil ihre Küche nicht besonders scharf ist, muss der Geschmack von anderen Ingredienzien wie Gemüse kommen. Die Menschen im Südosten sind in China als verfressene Schleckermäuler verschrien, und so verbringen sie erhebliche Zeit mit dem Einkauf von Zutaten, wenn sie nicht gerade nach Europa auswandern, um ein Restaurant zu eröffnen. Chinesische Restaurants, wie wir sie in Deutschland kennen, bieten überwiegend eine abgeschwächte und abgewandelte Form der kantonesischen Küche.
 
Kein schöner Anblick ist dagegen das Töten. Fische liegen oft lange nach Luft schnappend auf dem Trockenen, am Ende bekommen sie Schläge auf den Kopf und werden – tot oder nur benommen, aufgeschlitzt und ausgeweidet. Den Hühnern wird die Kehle aufgeschlitzt. Dann setzt man sie, oft noch zappelnd in heißes Wasser, wo die Haut weich wird. Anschließend kommen sie in ein trocknerartiges Gerät, dass wir Hühnerzentrifuge getauft haben. Nach dem Schleudergang ist das arme Tier der meisten Federn entledigt.

Wir verlassen den lärmenden Markt und fahren über die Dörfer durch die Stille eines Flusstals. Zwischen Bananenbäumen und Baumschulen auf den sanften Hügeln liegen Reisfelder. Die Menschen arbeiten auf den Feldern, bessern die Straße aus oder hocken in den Dörfern scharenweise um kleine Tische, wo sie unter großem Gejohle Karten kloppen. Eine alte Frau mit zu einer ewigen, tiefen Verbeugung verkrümmten Wirbelsäule zieht wie eh und je ihren Karren über die Straße. Ein äußerlich gesunder Mann in den Fünfzigern überholt sie mit einem Elektrofahrrad.

Wasserleiche entdeckt

An einem der zahllosen Fischteiche bildet sich eine Menschenansammlung. Zahlreiche Wagen aus dem Audi-Begleittross stehen am Straßenrand. Einige chinesische Mitarbeiter schauen mit einer  Mischung aus Grusel und Belustigung ins Wasser, aus dem vier Finger ragen. Knapp unter der Oberfläche ist auch ein Daumen zu sehen. Gegenüber repariert ein Eingeborener sein Motorrad und schielt neugierig herüber, was die Fremden da treiben. Die kommen zu dem Schluss, dass die aus dem trüben Wasser nach üben greifende Hand keine alte Wasserleiche, sondern ein schwimmender Gummihandschuh ist. Die eine Gruppe hält die nächste an, um sie mit dem Anblick zu verstören und anschließend in Gelächter auszubrechen.

Es ist ein vergnüglicher Tag, an dem wir eine gefährlich aussehende Spinne treffen, und Stier vergeblich versucht, einen Wasserbüffel zu füttern. "Du weißt schon, wie weit seine Leine reicht", sagt Audi-Ingenieur Alex Riedel. Wo soll das Problem sein, wenn sich Stier und Büffel treffen? Wir sind schließlich irgendwie Brüder.  Über eine schön gewundene Betonpiste surfen wir durch eine grün wuchernde Idylle dem Sonnenuntergang entgegen, der allerdings wieder einmal woanders stattfindet, denn es ist zu verhangen.

Wagen drei kommt nach einem Tag voller Abenteuer und Attraktionen in einem protzigen Hotel in Zhaoqing an. Wir sind eines der letzten Autos im Ziel. In einer Stunde gibt es schon Abendessen. Aber vorher müssen wir erst mal dringend auf die Herrentoilette. Nicht dass der Blasenruck so enorm wäre, aber man hat uns verraten, dass auf dem Klo ein Riesenaquarium mit zwei Meter großen Fischen steht. Das ist eben China. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

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