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Audi Q3 Trans China Tour 2011, Tag 4

Straßen-Karate um Shanghai

Audi Q3 Trans China Tour 2011, Tag 4 Foto: Audi 19 Bilder

Am vierten Tag der Audi Trans China Tour gilt es Kampfsport-Kompetenz einzusetzen. Wir reden hier allerdings nicht von Kung Fu, sondern vom erbitterten Kampf im Straßenverkehr auf dem Weg nach Shanghai.

20.10.2011

Die Sonne scheint, das ist auch bei wolkenlosem Himmel nicht selbstverständlich. Als die Audi-Trans-China-Tour am Abend am Stadtrand von Nanjing einrollte, hing die Sonne in dunkelstem Gelb am Himmel und tauchte die Umgebung in ein schwefeliges Gelb. Die Kraftwerke der Stadt pusten so viel Ruß in den Himmel, dass das Farbenspiel deutlich intensiver wird als gewöhnlich.

Aber die Reisenden haben Glück, dass bisher an keinem Tag eine dicke Smogglocke über ihnen hängt, und so rollen die 20 Audi Q3 in der Morgensonne vom Hotelparkplatz, die Insassen mit sonnigen Gemütern, bis auf die, die jetzt schon der Abschiedsschmerz packt, weil es für die erste Reisegruppe der letzte Tag sein wird.

Audi Q3 Trans China Tour Nanjing  Shanghai 4:02 Min.

Kanal bei jedem Wetter befahrbar und frei von Piraten

Mit 435 Kilometern ist die Strecke heute nicht übermäßig lang, dennoch gestaltet sich der Morgen zäh. Schon gestern haben wir 600 Kilometer Autobahn abgeritten, nun geht es wieder mit Tempo 120 über die G055 stur geradeaus. Die Route führt parallel zum Jangtse-Fluss nach Osten, entlang des alten Kaiserkanals. Schon um 600 ließen die Sui-Kaiser den künstlichen Wasserlauf erheblich ausbauen, gegen 1300 wurde er bis in die neue Hauptstadt verlängert. Über 500 Jahre war der Große Kanal Chinas wichtigster Transportweg, auch weil er bei jedem Wetter befahrbar war und frei von Piraten.

Der Hofstaat in der Verbotenen Stadt bekam seine Reis- und Fischlieferungen über den 1.800 Kilometer langen Kanal, der allerdings in Teilen unbrauchbar wurde, als der Gelbe Fluss sein Bett nach Süden verlegte. Heute sähe die chinesische Regierung die längste künstliche Wasserstraße der Welt gerne ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen, dafür müsste sie aber zunächst wieder komplett schiffbar gemacht werden.

Wir reisen weiter über Asphaltstraßen, und nach zwei Stunden Autobahnfahrt geht es erfreulicherweise mal wieder ein Stückchen über Land. Eine schmale Piste windet sich durch ein enges Dorf, Menschen, die in der Jugend ein Stück größer waren - weil die Beine noch gerade – schleppen auch als Senioren noch ihre Lasten mit einer Stange über der Schulter. Wer es sich leisten kann, hat einen Minitraktor mit tuckerndem Einzylinder. Das ständige "Tak, Tak, Tak" ist der Rhythmus des ländlichen China.

40 Meter hohe Wiesen

Es geht durch ein Bambuswäldchen, wobei Wald eigentlich der falsche Ausdruck ist, denn Bambus gehört zu den Süßgräsern. In China gibt es allein 500 Arten, keine Pflanzenart wächst schneller, und die größten werden knapp 40 Meter hoch. Wir rollen also quasi durch eine Wiese.

Der schwedische auto-motor-und-sport-Kollege Nils zückt die Kamera, um die sich wiegenden Gräser im Wind digital zu verewigen, da kommen plötzlich ein Lastwagen und ein Audi A4 um die Kurve, letzterer überholend und auf unserer Spur. Haarscharf bringen wir unseren Audi Q3 rechtzeitig zum Stehen, so dass der entgegenkommende Audi rechtzeitig einscheren kann. Um ein Haar hätte sich die schön auf die Motorhaube gepinselte Dreiwochenroute zu einer Tagesreise verdichtet. Obwohl auf dem Weg nach Suzhou und weiter nach Shanghai noch einige fahrerische Herausforderungen warten, soll es die einzige Schrecksekunde des Tages bleiben.

Verkehrsregel Nr. 1: Fahren wo Platz ist

An dieser Stelle ist es angebracht, auf ein paar Grundsätzlichkeiten im chinesischen Verkehrsverständnis hinzuweisen. Selbstverständlich gibt es auch in China Verkehrsregeln, Ampeln und dergleichen, aber eigentlich basiert der Straßenverkehr auf räumlichem Vorstellungsvermögen. Jeder fährt da, wo Platz ist. Sollte es mal keinen geben, drückt der Vorwärtsstrebende die Hupe. Wer nämlich nicht angehupt wird denkt, es kommt schon keiner, und so ist es keine Seltenheit, dass eine Mutter mit Kind seelenruhig ohne Blick nach rechts oder links eine achtspurige Hauptstraße mit dem Moped überquert.

Sollte sich der Behupte als ranghöher einstufen, wird er den Warnton ignorieren und weiter in die Lücke stoßen, die man sich eigentlich selbst ausgeguckt hat. In dem Fall gilt es, Entschlossenheit zu zeigen. Anders als im Konfuzianismus geht im Verkehr nicht Alter vor Schönheit, sondern Masse schlägt Klasse. Wer das dickere Auto fährt, glaubt, er hat recht.

Geduld ist nicht des Chinesen Stärke, und wenn 1,3 Milliarden Menschen sich an das Rechtsfahrgebot, rote Ampeln und Rechts vor Links halten würden, kämen sie ja nie irgendwo hin. Wenn sich also drei überladene Lastwagen mit dem Geschwindigkeitsunterschied von 1,3 km/h auf der Autobahn überholen, lenkt der eilige Chinese ohne Zögern sein Auto nach rechts und schießt ungebremst über den Standstreifen an der Straßensperre vorbei.

20 Audi Q3 im Rennen ums Mittagessen

Derlei Gepflogenheiten versetzten den an Ordnung gewöhnten Teutonen anfangs in Schockstarre und Empörung, aber die lässt schnell nach, wenn erstens die Polizei das gleiche Gebaren an den Tag legt und zweitens die Kollegen in den anderen Q3 mit dieser Methode schneller beim Mittagessen sein könnten. In Suzhou gibt es Hot Pot.

Der heißte Topf war angeblich ursprünglich ein Helm, den mongolische Krieger vor 1.000 Jahren der Einfachheit halber mit Wasser gefüllt übers Feuer hingen. In Hot-Pot-Restaurants fragt die Kellnerin zunächst, ob man es lieber mild oder scharf mag. Dementsprechend wird eine reine Hühnersuppe im Topf erhitzt oder eine düster orange warnende Brühe, die zügig die Mundhöhle in Flammen setzt und die Brillen von innen beschlagen lässt.

Ständig werden neue Teller und Platten gereicht. Von schmalen Rindfleischstreifen, Hühnchenstücken, Garnelenkügelchen bis zu Pilzen, Sojasprossen, Salatblättern und Nudeln wird alles in den Topf geworfen, was nicht niet- und nagelfest ist und in kürzester Zeit gargekocht. Weil all diese Speisen ungewürzt sind, rührt sich der Gast selbst aus einem Dutzend Zutaten ein paar Dipsößchen an. Dummerweise geht gerade, als die Erdnusssoße mit gehackten Frühlingszwiebeln, einem Spritzer Sojasoße, einem Schäufelchen in Öl gestampftem Chili, einer Stäbchenspitze Wasabi und einem Löffelchen Austernsoße zur höchsten Harmonie gereicht wird, das Hühnchen aus.

Shanghai ab 16 Uhr geschlossen

Zurück auf der Autobahn heißt es, sich sputen.In Shanghai herrscht die größte Verkersdichte Chinas, und wenn am Nachmittag 22 Millionen Chinesen nach Hause in die Vorstädte wollen, wird jedes Fleckchen Asphalt gebraucht, und es darf niemand mehr in die Stadt hinein. Es gilt also, die entscheidende Mautstelle bis spätestens 16 Uhr zu passieren. "Keine Angst, für die, die es nicht rechtzeitig schaffen, haben wir vor der Stadt Zelte aufgebaut", heißt es beim Morgenbriefing.

Für den Q3-Trupp ist diese Schreckensvision natürlich willkommener Anlass zur Eile. Und so wird das Tempolimit nicht immer ganz eingehalten. In Wagen Nummer drei gilt zu schnelles Fahren dagegen als unsportlich. Auch wenn das Datenblatt einen Topspeed von 230 verspricht, um mehr als zehn km/h Toleranz wird der Tacho nicht ausgereizt. Die höchste Kunst, also gewissermaßen den elften Dan im Straßen-Karate erlangt jener, der an der Grenze des Erlaubten mit gleichbleibendem Tempo durch den Verkehr strömt, ohne je die Geschwindigkeit reduzieren zu müssen.

Dazu muss man wissen, dass die meisten Autofahrer in China nach dem Überholen keinesfalls die linke Spur räumen. Es fährt eigentlich jeder konstant auf der gleichen Bahn. Sollen doch die Hintermänner sehen, wie sie vorbeikommen. Wir haben zu unserem Schutz einen Krankenwagen im Beritt, und dessen Besatzung nimmt die Autobahnauffahrt in Suzhou mit eingeschaltetem Blaulicht. Der Trick: "Lassen Sie mich durch. Ich bin Arzt", funktioniert eben immer noch am besten.

Krankenwagen-Verfolgung auf dem Standstreifen

Und so rauscht der Transporter mit voller Weihnachtsbeleuchtung über den Standstreifen, und vier Q3 hinterher. Erst als die Autobahn nach Shanghai erreicht ist, trennen sich die Wege und wir nehmen Abschied von den bis dato mitreisenden Kollegen. Nach fünf Minuten ist kein weiterer Audi Q3 mehr im Rückspiegel zu sehen. "Es hat was von einem Computerspiel", sagt Nils. Tatsächlich öffnen und schließen sich vor dem Auge Lücken und Korridore, blitzschnell müssen Geschwindigkeiten und Distanzen eingeschätzt werden, es ist ein bisschen eine Mischung aus Eisschnelllauf und Schach. Die 37 Kammer der Straßen-Shaolin hat der Fahrer überstanden, der vier oder fünf Fahrzeuglängen vorausplanen kann und auch den schwindenden Raum zwischen dem Bus auf der Mittelspur und dem langsameren Truck auf der rechten ohne messbare Pulserhöhung und ohne jede Hektik durchmisst.

Die Mautstelle ist mühelos um halb drei erreicht, nur danach dauert es. Satte 16 Kilometer Stau liegen zwischen uns und dem Ziel am Bund, der alten Prachtstraße von Shanghai. Und so haben wir Zeit, ein bisschen übers Auto zu resümieren. Wir waren ziemlich zufrieden mit unserem fahrbaren Untersatz. Nils würde sich einen größeren Verstellbereich des Lenkrades wünschen, Stier ein verstellbares Fahrwerk, dass bei langen Geradeausfahrten auf Wunsch weicher abrollt. Die Sitze sind bequem, das Raumangebot absolut ausreichend für zwei. Der Zweiliter-TFSI hat mit seinen 211 PS allemal genug Bumms, Fahrwerk und Lenkung bieten ebenfalls wenig Grund zum Tadel. Nils hat allerdings für China noch einen entscheidenden Verbesserungsvorschlag: "Die Hupe müsste leichtgängiger sein."

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