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Audi Q3 Trans China Tour 2011, Tag 5

Falsche Führerscheine, verlorene Gesichter

10/2011, Audi Q3 Trans China Tour 2011, Tag 5 Foto: Markus Stier 15 Bilder

Am  fünften Tag der Audi-Q3-Trans-China-Tour machen einige Teilnehmer einen unfreiwilligen Besuch auf dem Präsidium der Autobahn-Polizei, während andere sich schon vor einer Nudelsuppe erschrecken können.

21.10.2011

Stellen Sie sich vor, Sie müssten zur Arbeit vom äußeren Stadtrand ins Zentrum und dabei mal kurz eine Distanz überwinden, die der Größe des Saarlandes entspräche. Willkommen in Shanghai. Je nachdem, welche Bereiche man mitzählt, kommt man in der Mega-Stadt an der Mündung von Jangtse und Huang Po auf 23 Millionen Einwohner. Die Stadt der Superlative hat mittlerweile den größten Hafen der Welt und wächst in rasantem Tempo weiter. So richtig begann der Boom erst 1990 mit dem Bau der Sonder-Wirtschaftszone Pudong auf der Nordseite des Huangpo-Flusses, wo sich auch die eindrucksvollsten Wolkenkratzer und der Fernsehturm befinden.

Wegen seiner Lage im Jangtse-Delta findet sich allerorten Wasser. Allein 122 Quadratkilometer an Seen weist Shanghai auf. Mit erheblichem technischen Aufwand versucht die Zentralregierung dem Jangtse Jahr für Jahr mehr Land abzutrotzen. Die vom deutschen Architekten Hermann Tilke gebaute Formel-1-Rennstrecke wurde in einem Sumpfgebiet gebaut und ruht auf Millionen von Styroporblöcken, die dem Untergrund Auftrieb verleihen.

Audi Q3 Trans China Tour Shanghai  Hangzhou 4:01 Min.

Der Schwede geht, der Schweizer kommt

Das alltägliche Rennen auf den Straßen hat in den vergangenen Jahren derart zugenommen, dass die Stadtverwaltung nur noch 5.000 Neuzulassungen pro Jahr ausstellt, für die Mancher Tausende Euro zahlt, um auf der Warteliste bis nach oben zu gelangen.

Wir wollen dagegen nur raus, und morgens um zehn fließt der Verkehr stadtauswärts gar nicht so schlecht. Trotzdem dauert es über eine Stunde, bis wir die äußeren Bezirke hinter uns gelassen haben und wieder einmal eine imposante Brücke übers Wasser in Angriff nehmen, die die Mündung des Qiangtang-Flusses im Ostchinesischen Meer nach Süden abkürzt.

An diesem Donnerstag stehen geruhsame 350 Kilometer auf dem Programm. Die Neuankömmlinge sollen am ersten Tag nicht überfordert werden. Die erste Reisegruppe tritt bereits den Heimweg an, und so haben wir uns schweren Herzens von Nils Svärd, dem Kollegen der schwedischen auto motor und sport getrennt. Fröhlicher Neuzugang in Wagen drei ist Jörg Petersen, Redakteur der Schweizer Partnerzeitschrift Auto-Illustrierte.

Stier rettet die Eiweiß-Patina

Aber Moment mal, bei der morgentlichen Schlüsselausgabe hieß es auf einmal: Petersen und Stier in Wagen eins. So geht es ja nicht. Da haben die Audi-Kollegen extra peinlich genau darauf geachtet, dass unser Q3 von jeder Waschstraße ferngehalten wird, und nun sollten wir in den blitzblanken Einser umsteigen? Der Fall ist schnell geklärt und so tragen wir mit Stolz auf der Autobahn die Fliegen der ersten vier Tage auf dem Kühlergrill.

Apropos Eiweiß: Stier hat es in seiner Schreibwut nicht rechtzeitig zum morgentlichen Briefing geschafft und muss nun von Kollege Petersen beiläufig erfahren, dass es heute keine Mittagspause gibt. Ein jeder halte durch bis zur Ankunft in Hangzhou oder versorge sich aus der selbstbefüllten Lunchbox. Das wäre ja gelacht. Gegen eins laufen wir eine Autobahn-Raststätte an, was bei einigen einigen Mitreisenden eine Gefühlsmischung aus Faszination und Grusel hervorruft. Mancher ist zum ersten Mal in China, hat aber bereits legendär schlimme Erlebnisberichte von chinesischen Autobahntoiletten gehört. Tatsächlich hockt man sich für größere Geschäfte häufig in nur dürftig durch ein halbhohes Mäuerchen abgetrennte Boxen. Hier ist es halb so wild, es gibt sogar Türen. Wer drinnen aufsteht, kann allerdings dennoch seine Nachbarn grüßen.

Tüte auf, heiß Wasser drauf

Für weitere Schauer über den Rücken sorgt die Gasse zwischen den kleinen Schnellrestaurants und dem Supermarkt, wo ein übler Geruch herrscht, wie er von gammelndem Fleisch aufwabert. Im Supermarkt gibt es allerlei Schauerliches, Fotografin Nicole hat eine Tüte mit winzigen Fischen ergattert, die sich der Eingeborene gern als Knabberzeug mitnimmt. Die männlichen Reisenden interessieren sich eher für die ferngesteuerten Hubschrauber, die in China an jeder Ecke feilgeboten werden. 19 Euro kostet ein kleiner, 38 ein großer. Man sollte nur nicht allzu große Hoffnungen bezüglich der Lebenserwartung der Fluggeräte haben.

Der Autor dieser Zeilen erntet derweil eine Mischung aus Abscheu und Bewunderung, als er eine Instant-Nudelsuppe ersteht. Krabbengeschmack steht drauf, aber neben künstlichen Aromen beschränkt sich der Inhalt an Meeresgetier auf ein winziges Plastiktütchen, wie sie vermutlich auch Kokain-Dealer verwenden. Was soll’s, es ist bloß eine Fertigsuppe wie tausend andere auch, und eine der großartigsten Errungenschaften des Service-Paradieses China ist die kostenlose Versorgung mit kochend heißem Wasser, das sich die Nation von Teetrinkern an der Raststätte einfach an einem Boiler abholt. In drei Minuten sind die Nudeln gar. Dummerweise war es wohl zu viel Wasser, und so schmeckt die dünne Suppe ein bisschen fade.

Das gilt auch für die Fahrt, die ausschließlich über Autobahnen führt. 100 Kilometer vor dem Ziel Hangzhou böte sich im Süden eine exotische Hügellandschaft, überwuchert mit Bambuswäldern, aber wir müssen weiter auf der G329 nach Westen. Dafür erreichen wir das Etappenziel Hangzhou schon am frühen Nachmittag, was allerdings nicht für alle Besatzungen gilt.

Drei Audi Q3 werden beschlagnahmt

So sah sich eine deutsche Paarung hinter einer Mautstelle plötzlich einem streng blickenden Polizisten gegenüber. Im Normalfall dauert eine Überprüfung der Papiere in China allenfalls fünf Minuten, aber in diesem Fall wird der Vorfall zur Beschlagnahme der Führerscheine und Pässe, sowie der Wagenschlüssel von drei Audi Q3 führen und zu einer Kolonnenfahrt zum Präsidium der Autobahnpolizei, deren Amtsgebäude solche Ausmaße hat, dass manche Bananenrepublik mit Freuden ihr Parlamentsgebäude dafür eintauschen würde.

Grund für die Aktion ist der Umstand, dass der eifrige Schutzmann die chinesischen Führerscheine für gefälscht hält, insofern ein ungeheurer Vorwurf, weil sich die Wirtschaftsgroßmacht China ansonsten kein bisschen an der Nachahmung stört. Von Apple-Computern bis Nike-Turnschuhen wird ohnehin eine große Zahl an westlichen Konsumgütern in China produziert, die Blaupausen für die Produkte landen meist alsbald auf dem auf dem großen Schwarzmarkt in Peking, wo auch Diplomatengattinen gefälschte Prada-Täschchen erstehen und sich der italienische Außenminister angeblich beim Erwerb einer getürkten Rolex hat erwischen lassen. Franco Frattini war zu einem EU-China-Gipfel angereist, auf dem die Europäer die Chinesen zum Schutz geistigen Eigentums ermahnen wollten. Die Regierung selbst sieht sich der offenen Anklage ausgesetzt, seit jeher in großem Stil Statistiken zu fälschen, selbstverständlich nur in Fällen wo Ordnung und Harmonie gestört werden.

Offenbar will man aber Ausländern jeglichen Plagiatismus verbieten, und so verbringen die armen Delinquenten einige Stunden auf der Wache, wo es weder Wasser und Brot, ja nicht einmal eine Nudelsuppe mit gefälschten Meeresfrüchten gibt. Am Ende stellt sich heraus, dass der beflissene Uniformierte falsch lag, die Papiere sind echt. Weil er gegenüber den Langnasen aber bei Eingeständnis des Irrtums sein Gesicht verlöre, werden die Dokumente nicht den Besitzern zurückgegeben, sondern den chinesischen Übersetzern in Audi-Diensten.

Am See die Seele baumeln lassen

Als die Verspäteten Hangzhou erreichen, quälen sie sich zunächst im Etappenziel Hangzhou durch gewohnt hässliche Vorstädte und durch zähesten Feierabendverkehr. Aber die Mühsal lohnt sich, denn die beschauliche Provinzstadt mit ihren sechs Milliönchen an Einwohnern bietet mitten im Zentrum eine Oase des Friedens. Der gewaltige West Lake mit seinen Pagoden an bewaldeten Ufern liegt mitten in der Stadt und verläuft sich in zahllosen mit Baumkronen überwucherten Kanälen und Inselchen, auf denen die Trans-China-Reisegruppe mit Bötchen gleitet, während über dem See die blaue Stunde einen ansonsten grauen Tag überdeckt.

Im Heck jedes Bootes sitzt eine hübsche Chinesin, die auf Geige oder Flöte alte Weisen spielt. Besonders unter den beleuchteten Brücken klingt die Flöte eindrucksvoll. "Das ist Musik für die Seele", sagt ein englischer Kollege mit asiatischen Wurzeln.

Aus dem grüne Dickicht lugen mit Lichterketten geschmückte Häuser, eines davon ist unser Restaurant, das mitten in einem Garten liegt. Die geöffneten Seitentüren geben einen Blick auf eine Bühne frei, auf der zum Auftakt eine Schöne in blauem Seidenkostüm mit wehenden Ärmeln einen anmutigen Tanz vorführt.

Nebenbei bemerkt: Der West-See Xi Hu mit seinen 60 Sehenswürdigkeiten gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und ist in China derart populär, dass er bereits mehrfach kopiert wurde. Auf die Schnelle ließ sich nicht nachprüfen, ob es sich um autorisierte oder illegale Kopien handelt.

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