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Audi Quattro in der Service Station

Teurer Spaß

Audi Quattro, Seitenansicht Foto: Fact 9 Bilder

Der Kauf eines der legendären Audi Quattro-Modelle hat angenehme und unangenehme Folgen. Denn der sportliche Allradler bietet viel Faszination, sorgt aber andererseits durch teure Reparaturen oder Teileengpässe für Verdruss.

15.10.2013 Bernd Woytal Powered by

Audi Quattro-Fahrer kennen keine Traktionsprobleme, können aber leicht ins Schleudern geraten - zumindest in Hinsicht auf ihre Finanzen. Speziell wer sich ohne vorab zu informieren einen Urquattro zulegt, lernt den attraktiven Allradler leicht von seiner teuren Seite kennen, was nicht nur an dem Auto selbst liegt. Oft entstehen Schäden, "weil viele an den Quattro schrauben, aber keine Ahnung haben", sagt der Schweizer Manfred Balmer von der Garage Balmer südlich von Thun.

Echte Spezialisten sind Gold wert

Das betrifft Werkstätten wie Hobby-Schrauber. Doch wem es an Fachwissen mangelt, dem helfen meist keine Tipps in Internetforen oder Ferndiagnosen. Echte Audi Quattro-Spezialisten sind daher Gold wert. Sie können teure Folgeschäden vermeiden, andererseits aber kaum verhindern, dass sich die Wartung und etliche Technikreparaturen nicht ganz billig gestalten, selbst wenn sich der Wagen in gutem Zustand befindet.

So kommen sogar regelmäßig anfallende Service-Arbeiten oft teurer als vermutet. Zum Beispiel, weil beim Wechsel der fünf Zündkerzen auf die originalen Platin-Kerzen von Audi zurückgegriffen werden sollte. Oder weil für den Austausch des Luftfilters beim Audi Quattro statt weniger Sekunden etwa 30 Minuten benötigt werden. Die schlechte Zugänglichkeit gewisser Bauteile treibt auch die Preise für andere Reparaturen nach oben. So kostet das Erneuern des Kühlmittelthermostats bei den 20V-Versionen um 120 Euro, weil unter anderem die Servopumpe zu demontieren ist.

Ein Wechsel des Zahnriemens für den Nockenwellenantrieb steht beim Audi Quattro etwa alle acht Jahre an. "In diese Arbeit integrieren sollte man ein Ersetzen der beiden Simmerringe für die Kurbelwelle und die Nockenwelle, die Umlenkrolle und in der Regel auch den Tausch der Wasserpumpe", rät Hans Vierlbeck. Das ließe sich für etwa 600 Euro erledigen, doch der in Plattling in Niederbayern ansässige Quattro-Experte macht auf mögliche zusätzliche Probleme aufmerksam.

Zusatzarbeiten erhöhen die Kosten

"Für diese Reparatur muss die Frontschürze des Audi Quattro entfernt und wieder montiert werden, was länger dauern kann als der reine Zahnriemenwechsel, weil oft die zur Befestigung verwendeten Blechschrauben weggerostet sind." Doch das ist nicht alles. "Bei älteren Motoren zeigt die Fläche unter dem Dichtring der Wasserpumpe meist Korrosionsnarben, was Abdichtprobleme hervorruft", ergänzt Vierlbeck und mahnt: "Die vordere Schraube der Kurbelwelle muss man unbedingt mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen, damit sich nicht die untere Riemenscheibe löst."

Der Zahnriemenwechsel beim 1989 eingeführten Vierventiler 20V kostet übrigens nur unwesentlich mehr. Bei dieser Motorversion entfällt wegen der Hydrostößel auch das Einstellen des Ventilspiels, was einen finanziellen Vorteil bedeutet. Allerdings ist das Einstellen der Ventile beim 10V recht selten nötig.

Teilenachschub macht Probleme

Dafür lauern bei den mit Bosch K-Jetronic ausgerüsteten 10V andere Kostenfallen wie etwa undichte Einspritzdüsen. Noch teurer und vor allen Dingen heißer geht es auf der rechten Motorseite zu. Unter der Hitze, die dort bei über die Autobahn gejagten Audi Quattro entsteht, leiden Turbolader, Abgaskrümmer, Ladedruckregler und das Motorlager, das bei den späteren Quattro als Hydrolager ausgeführt wurde.

Das große Problem dieser Geschichte: Weder Turbolader, Ladedruckregler noch Krümmer sind für den Audi Quattro neu erhältlich - auch nicht bei der Audi Tradition. Da ist es im Falle eines Defekts kein Trost, dass ein Turbolader theoretisch 200.000 Kilometer und die wassergekühlte Version im 20V sogar 300.000 Kilometer halten kann. Zwangsläufig hilft nur Gebrauchtware aus der Misere. Im Falle eines gerissenen Krümmers hilft Vierlbeck mit einem fachgerecht reparierten Austauschteil für rund 500 Euro weiter.

Stammen hörbare Undichtigkeiten im Bereich des Krümmers nur von durchgebrannten Krümmerdichtungen, besteht noch kein Grund zur Freude. Denn beim Wechsel reißen meist die Stehbolzen des Krümmers, wodurch die eingeplanten 400 Euro deutlich übertroffen werden.

Zylinderkopf nicht mehr lieferbar

Pech hat man übrigens auch, wenn der Zylinderkopf Risse zeigt, was nicht untypisch für einen Audi Quattro ist. Der Kopf ist seit 2005 bei Audi nicht mehr lieferbar, er muss also instand gesetzt oder durch ein Gebrauchtteil ersetzt werden. Verständlicherweise ist die Quattro-Szene nicht ganz glücklich über diese Teilesituation und findet sich nur ungern mit Empfehlungen ab, wie im Falle einer verschlissenen Stabi-Lagerung bei Modellen bis 1983 auf komplett andere und teure Achsteile umzurüsten. Deshalb hilft oft nur die Suche nach Gebrauchtteilen oder bei freien Anbietern beziehungsweise im Zubehör weiter.
Doch bleiben wir noch kurz beim Antrieb.

Kapitale Motorschäden entstehen vorwiegend dann, wenn der Zustand der Ölleitungen des Ölkühlers außer Acht gelassen wird. Dort, wo der Schlauch mit dem Rohrstück verpresst ist, kommt es zu Korrosion, und "meist löst sich dann die Verbindung unter vollem Druck bei Autobahnfahrt" weiß Vierlbeck. Bis der Audi Quattro-Fahrer das merkt, ist es oft zu spät.

Für das echte Quattro-Gefühl braucht es eine intakte Technik

Als unproblematisch erweist sich das Getriebe des Audi Quattro. Das hintere Differenzial ist auf der linken Seite oft undicht, aber der entsprechende Simmerring ist nicht mehr lieferbar. Bei den Versionen ohne Torsendifferenzial lassen sich meistens die Differenzialsperren nicht mehr einlegen "aber dann ist in der Regel am Differenzial hinten der kleine Umlenkhebel festgerostet", erklärt Vierlbeck.

Zu den typischen Reparaturen im Bereich des Fahrwerks zählen eine Erneuerung der Lager des vorderen und hinteren Aggregateträgers, was jeweils um 400 Euro kostet - wenn keine Probleme auftreten.

Defekter Bremsdruckspeicher kann gefährlich werden

Die Federbeindomlager des Audi Quattro müssen alle paar Jahre erneuert werden, wofür mit 80 Euro pro Seite zu kalkulieren ist. Für das Wechseln der Lagerungsbuchsen der Querlenker berechnet die Werkstatt pro Achse etwa 250 Euro. Auch ausgeschlagene Spurstangenköpfe können für ein Problem sorgen: Während der Recherche für diese Geschichte wurden die der Vorderachse aus dem Audi-Teileangebot gestrichen, und man kann sie von keinem anderen Audi-Modell übernehmen.

Hans Vierlbeck macht noch auf einen typischen, nicht ungefährlichen Schaden der Audi Quattro-Bremsanlage aufmerksam: ein defekter Bremsdruckspeicher. Bei gemütlicher Fahrt und normalem Treten des Bremspedals ist davon nichts zu spüren. "Muss man aber plötzlich bremsen und tritt entsprechend heftig auf das Pedal, wirkt dieses steinhart und der Wagen bremst zunächst nicht, sondern erst, wenn sich das Pedal nach einer gewissen Verzögerung langsam durchtreten lässt."

Dass es dann zu spät sein kann, leuchtet jedem ein, weshalb man eine Erneuerung des Druckspeichers in Erwägung ziehen sollte, die etwa 350 Euro kostet. Das Fahren eines Audi Quattro hat also seine Tücken und ist nicht billig. Am ausgereiftesten erweisen sich zwar die Vierventiler, aber für alle Versionen gilt: Je besser der Pflegezustand, desto geringer die Gefahr, finanziell ins Schleudern zu geraten.

Service-Tipp Audi Quattro

Ein jährlicher Ölwechsel, verbunden mit einer technischen Durchsicht, empfiehlt sich beim Audi Quattro. Wobei auch dem Rost an der Karosserie die nötige Aufmerksamkeit gebührt. Beim Öl- und Filterwechsel beim 10V sollte man nicht den Ölfilter für den Turbo vergessen. Damit der Turbolader beim 10V-Motor möglichst lange hält, sollte man nach strammer Fahrt den Motor nicht sofort ausmachen, sondern den Turbo etwa durch einige Kilometer gemächlicher Fahrt abkühlen lassen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Ölschläuche (Blick ins rechte Radhaus). Den Tank vor längeren Standzeiten des Audi Quattro vollmachen, damit er nicht rostet. Als Neuteil ist er nicht mehr erhältlich.

Arbeiten am MotorZirka-Preise (Alle Preise sind lediglich Richtwerte. Sie können je nach Ersatzteilpreisen und nötigen Zusatzarbeiten sowie den jeweiligen Stundensätzen der Werkstatt deutlich abweichen
Keilriemenwechsel (Fahrzeug mit Klimaanlage)150 Euro
Motorölwechsel mit Filtereinsatz (für Motor und Turbo)140 Euro
Zündkerzenwechsel140 Euro
Ventilspiel prüfen und einstellen (10V), je nach Menge der benötigten Einstellschraubenab 250 Euro
Zahnriemenwechsel inkl. Wasserpumpe und Simmeringe für Kurbelwelle und Nockenwelle (10 V)ab 600 Euro
Neuen Luftfilter montieren50 Euro
Check der Einspritzanlage (K-Jetronic)200 Euro
Erneuern der Dichtringe für die Einspritzdüsen (10 V)100 Euro
Alle Einspritzdüsen erneueren (10 V)400 Euro
Kraftstoffilter erneuern70
Kühlmittelthermostat erneuern (10V/20 V)80/120 Euro
Wasserpumpe erneuern (10 V)400 Euro
Wasserkühler (kleine Version) erneuern500 Euro
Neuer Auspuff ab Krümmer (Edelstahl für Cabrio)270 Euro
Kupplungswechsel (mit Ausrücklager)800 Euro
Zylinderkopfdichtung erneuernab 600 Euro
Motorüberholung ohne Einbau, je nach Aufwandab 2.500 Euro
Arbeiten an Fahrwerk, Bremsen etc.-------------------------------
Überprüfen und Einstellen der Achsgeometrie und Einstellen der Achsgeometrieab 100 Euro
Lenkung ersetzeFederbeindomlager erneuern (pro Achse)n im AT mit Vermessen160 Euro
Alle Spurstangengelenke neu vorn inkl. Vermessen600 Euro
neue Lagerbuchsen für die Querlenker vorn/hintenje ab 250 Euro
Lager des Aggregateträgers erneuern, vorn/hintenje ab 400 Euro
Einbau neuer Stoßdämpfer rundum1.000 Euro
Austausch eines Radlagers vorn200 Euro
Austausch eines Radlagers hinten200 Euro
Wechsel der Bremsbeläge vorn/hinten180/160 Euro
Wechsel des Bremsdruckspeichers350 Euro
Wechsel der Bremsbeläge vorn plus neue Bremsscheiben plus neue Bremssättel (Einkolben-Bremssattel)600 Euro
Sonstige Arbeiten--------------------------------
Neue Gelenkwellenmanschette außen/innenje ca. 100 Euro
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