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Audi Quattro

Verdammt Lang quer

Foto: 20 Bilder

Vor 25 Jahren veränderte Audi mit dem Quattro die automobile Welt. Motor Klassik machte eine Probefahrt mit dem erfolgreichsten Rallye-Audi und erzählt die ­Story von einem nahezu unverwüstlichen Auto.

14.01.2007 Peter Göbel Powered by

Mit dem Rallye-Quattro demonstrierte Audi eindrucksvoll den Sieg einer Idee, die seinerzeit ihresgleichen suchte und bis heute unvergessen ist. Der automobile Flug zum Mond hieß 1981 Quattro, hatte Allradantrieb in der Großserie und revolutionierte über Nacht auch den Rallyesport.

Der erste Quattro startete bei der Jänner-Rallye in Österreich. Die Allrad-Demonstra­tion auf nationaler Ebene begann mit einem Sieg – nicht  minder erfolgreich war der Quattro dann auch in der Weltmeisterschaft. Von 1981 bis 1987 gewannen die Ingolstädter 23 WM-Rallyes, wurden in den Jahren 1982 und 1984 Markenweltmeister und gewannen mit Hannu Mikkola (1983) und Stig Blomqvist (1984) auch die Fahrer-WM.

Auch in Deutschland zelebrierte man den Vorsprung durch Technik im Rallyesport - und wie. Mit 21 Siegen in vier Jahren wurde der Audi des Nürnberger Tuners Konrad Schmidt zum erfolgreichsten Quattro überhaupt. 25 Jahre später, pünktlich zum Jubiläum, steht der All­radler für eine Probefahrt ­bereit. Grobe Schotterreifen, markante Karosserieverbreiterungen und große Zusatzscheinwerfer lassen unschwer erkennen, dass dieser Quattro nicht zum Spielen gebaut wurde. Ganz abge­sehen von seiner auffälligen Kriegsbemalung und dem brachialen Klang des Fünf­zylinders, an dem sogar die Macher von Jurassic Parc ihre Freude gehabt hätten.

Doch viel hat sich in den Jahren nicht verändert. Noch immer sorgt das Turboloch für einen verzögerten Tritt ins Kreuz, eh sich die Leistung voll entfaltet. Noch immer ist die Benzineinspritzung von Pierburg so zuverlässig wie die Wettervorhersage, weil man damals auf mechanische Bauteile setzte. Und noch immer gleicht der Wendekreis des Rallye-Quattro einer Umlaufbahn, weil ein starrer ­Antrieb eben auch einen begrenzten Lenkeinschlag zur Folge hat.

380 PS zerren am Getriebe

Getriebeprobleme gab es  kaum, doch weil bis zu 380 PS am Getriebe zerren, wurden die Bauteile so sehr für die Ewigkeit dimensioniert, dass Schaltvorgänge die Feinmotorik eines Hammerwerfers erfordern. Letztlich bekommen Designer beim Anblick der Instrumententafel noch immer Sinnkrisen, weil diese nicht schön, sondern nur praktisch gestaltet war.

Fast überall haben die sportlichen Jahre ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur 21 ­Siege, sondern auch ein paar ungeplante Pleiten, Pech und Pannen formten den Quattro im wahrsten Sinn des Wortes zur Legende. Später gaben ihm die Mechaniker deshalb sogar den Namen "Christine", nach dem selbstreparierenden Auto aus dem gleichnamigen Kinomärchen.  

Ein solcher Vorfall ereignet sich 1984 bei der Hessen-Rallye. Mit Motorproblemen kriecht Fahrer Harald Demuth in Zeitlupe über die Sonderprüfung. Beim Überholversuch rammt Erwin Weber den Quattro versehentlich von der Piste. Demuth scheidet aus, später sind 20 Mechaniker nötig, um den Audi aus den Büschen zu befreien.

Bei der Rallye Vorderpfalz zwingen den Audi Probleme an der Benzineinspritzung zum Kriechgang. Zum Glück erkennt der später gestar­tete Audi-Privatier Gustav Edelhoff das Problem, fährt dem Werks-Quattro gefühlvoll ins Heck und schiebt ihn im Rallyetempo bis ins Ziel der Sonderprüfung, wo das Serviceteam den Fehler beheben kann.

Gaststarts hinterließem Blessuren

Blessuren an der Karosserie gibt es auch beim Gaststart bei der Rallye Boucles de Spa 1985. Weltmeister Björn Waldegård kann den Lauf in Belgien zwar gewinnen, aber der massiven Einsatzbereitschaft des Schweden fallen alle vier Ecken des Quattro zum Opfer.

Doch Christine bereitet dem Team Schmidt Motorsport nicht nur Sorgen. Bei der Rallye du Vin dotieren die Organisatoren jede WP-Bestzeit mit einer Kiste Wein. Demuth gewinnt 33 von 34 Prüfungen, ebenso unvergessen verläuft die ­Siegerehrung.

Dass zum Erfolg neben Fahrer und Technik auch ein komplettes Team gehört, war für Teamchef Konrad Schmidt immer eine Selbstverständlichkeit. Geht nicht gab es nicht, auch nicht bei der Deutschland-Rallye, als das Werksteam mit dem stärkeren Sport Quattro gegen die kleine Truppe aus Nürnberg antritt.

Vor einer ultraschnellen Sonderprüfung demons­trieren die Mechaniker geschlossen ihre Einsatzbereitschaft und tauschen in nur zehn Minuten das Getriebe. Demuth ist mit einer län­geren Übersetzung ganze 19 Sekunden schneller als der amtierende Weltmeister Hannu Mikkola – nach dem Husarenstreich wird das alte Getriebe wieder eingebaut.

"Besser als die GSG9"

„Manchmal war unser Team besser als die GSG9“, flachst Konrad Schmidt heute. „Man musste ihnen bloß eine Koordinate auf der Welt geben, und das Prob-lem wurde behoben.“

Manche lösten sich auch  von selbst. So beim letzten Sieg von Christine während der Metz-Rallye 1985. Obwohl Fahrer Marc Duez mit der letzten Ausbaustufe des Gruppe B-Quattro an den Start ging, kamen nur die WM-Stars Stig Blomqvist im Audi Sport Quattro oder der Schwede Kalle Grundel auf  Peugeot 205 Turbo als Sie-ger in Frage.

Doch weil das Ziel einer Prüfung ohne das Wissen ­aller Teams verkürzt wurde, rodelte Blomqvist noch mit Vollgas durch die Stop-Kontrolle und musste zurück­setzen. Eine Minute später passierte Grundel dasselbe – der Peugeot bohrte sich mit Karacho ins Audi-Heck. Übrig bleiben zwei Schrotthaufen und ein überrasch-ter Sieger Duez.

Mittlerweile reden nur noch ein paar ewig Verliebte vom Quattro, von Blomqvist, Mouton, Mikkola oder Röhrl. Auch um Christine ist es ruhig geworden. Zuletzt startete sie im Mai diesen Jahres bei der ersten historischen Metz-Rallye. Statt Vollgas- gab es nur noch Gleichmäßigkeitsprüfungen. Doch auch da zeigte der Quattro keine Schwächen und landete auf Platz drei.

So lange die Ingolstädter nicht mit einem modernene Boliden in die Rallyeszene zurückkehren, müssen halt die Ehemaligen die Kohlen aus dem Feuer holen.

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