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Audi-Absatzziel

Trotz Krise packen wir die Million

Foto: Audi

Audi-Vertriebs- und Marketingchef Peter Schwarzenbauer spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über Absatzziele weltweit und in Märkten wie den USA und China, über Investitionen, das Handelsnetz und neue Modelle.

17.12.2008 Harald Hamprecht

Wie reagiert Audi auf die makroökonomischen Herausforderungen?
Schwarzenbauer: Wir sind eine der wenigen Automobilmarken, die nicht klagen können. Wir hatten dieses Jahr beim Absatz den besten September und den besten Oktober unserer Geschichte. Und per November lagen wir mit 920.690 Auslieferungen drei Prozent über Vorjahr. Wir wollen dieses Jahr die Marke von einer Million Einheiten packen. Damit sind wir der einzige Hersteller, der sein Ziel vom Jahresbeginn bestätigt. Aber natürlich bereiten auch wir uns darauf vor, dass 2009 für alle Beteiligten ein schwieriges Jahr wird.

Wie?
Schwarzenbauer: Wir fahren auf Sicht. In der  Produktion verlängern wir die normale Weihnachtspause um fünf Tage - als reine Vorsichtsmaßnahme. Danach schauen wir uns das Geschäft quartalsweise an. Keiner kann sagen, wie schwierig es wird und wie lange die Krise noch dauert.  Unser Vorteil ist, dass wir in der Produktion sehr flexibel aufgestellt sind – dank Arbeitszeitkonten und unserer Drehscheibe zwischen Ingolstadt und Neckarsulm. Wir können also wöchentlich reagieren, wenn sich die Märkte weiter schlecht entwickeln.
 
Wie sehen Ihre Pläne für 2009 aus?
Schwarzenbauer: Wir haben aktuell die jüngste Modellpalette im Markt und auch für 2009 weitere Produktneuheiten im Köcher. Auf dieser Basis wollen wir uns im nächsten Jahr definitiv besser entwickeln als unser Wettbewerb. Derzeit eine Aussage zu Stückzahlen zu machen, wäre aber fahrlässig;  auch die Prognosen zum Gesamtmarkt schwanken aktuell stark. Einige Studien sagen für nächstes Jahr einen Rückgang des jährlichen Automobilabsatzes von zuletzt 59 Millionen Fahrzeugen auf 48 - 49 Millionen voraus. Wie stark dieser Rückgang am Ende auch sein wird – ganz wird sich keine Automobilmarke diesem negativen Effekt entziehen können.
 
Halten Sie an den 1,5 Millionen Einheiten für das Jahr 2015 fest?
Schwarzenbauer: Ja, an unserer Langfriststrategie rütteln wir nicht.
 
Trotzdem werden Sie bestimmt auch in Ihrem Vorstandsressort die Spar-Anstrengungen verschärfen, oder?
Schwarzenbauer: Unsere Strategie 2015 beinhaltet im Kern die Ausweitung der Modellpalette von heute 26 auf 40 Modelle. Dahinter steht eine umfassende Investitionsplanung – die wir auch und gerade in schwierigen Zeiten für entscheidend halten. Wir investieren in die Zukunft der Marke, um stärker aus der Krise hervorzugehen.
 
In welchen Segmenten wollen Sie noch Ihr Produktportfolio erweitern?
Schwarzenbauer: Das sehen sie schon an unserer Nomenklatur. Zwischen dem Audi A3 und dem Audi A1 haben wir eine Lücke gelassen, zwischen dem A6 und A8 ebenfalls. Und auch für  die bestehenden Baureihen haben wir noch Ideen für Varianten.
 
Welche Segmente stehen besonders im Fokus?
Schwarzenbauer: Im Moment ist ein Trend in Richtung A0-Segment zu erkennen. Kleinere Modelle werden - gerade in großen Metropolen– stärker nachgefragt. Deswegen ist es geradezu perfekt, dass wir den A1 im übernächsten Jahr auf den Markt bringen können. Kleinere SUVs sind etwa in den USA das am schnellsten wachsende Segment – hier bringen wir mit unserem neuem Audi Q5 das richtige Modell. Grundsätzlich wollen die Kunden aber weiterhin sportlich unterwegs sein und erwarten Platz und Komfort von einem hochwertigen Auto. Beides machen wir bei Audi möglich – und kompatibel mit zeitgemäßer Verbrauchseffizienz. 
 

Planen Sie ein Stadtauto analog zum Project i von BMW?
Schwarzenbauer: Mit dem Audi A1 bringen wir ein tolles Stadtauto – sogar mit Hybrid-Antrieb. Der A1 passt in Metropolen weltweit, ohne regional individuelle Anpassungen.
 
Wie wird der Audi-Ableger des VW Up aussehen?
Schwarzenbauer: Zu einem Auto auf dieser Basis gibt es noch keine Entscheidung.
 
Welche Modelle kommen 2009 in den Markt?
Schwarzenbauer: Der Audi Q5 kommt 2009 voll zum Tragen, und der Ausbau unserer Modellpalette geht im nächsten Jahr weiter. Im Frühjahr folgen das A5 Cabrio und der R8 mit dem V10-Motor. Im weiteren Verlauf des Jahres  bringen wir unter anderem ein weiteres spannendes Derivat der A5 Baureihe. Damit haben wir die jüngste Modellpalette unter allen Premiumherstellern im Markt.
 
Kommen wir zurück zum Thema Kosten: Streichen Sie das Marketing-Budget zusammen?
Schwarzenbauer: Unsere Marketingausgaben bleiben stabil. In einigen Märkten, wie den USA, wollen wir unser Marketingbudget nicht kürzen, sondern eher erhöhen. Wir werden uns also antizyklisch verhalten. Wir sehen in dieser Krise durchaus auch Chancen für die Marke.

Was ist mit Investitionen ins Vertriebsnetz?
Schwarzenbauer:
Wir haben einen klaren Plan, wie wir die Händlerstruktur weltweit aufbauen wollen. Das bedeutet für uns: Exklusivität erhöhen, Qualität noch weiter rauf. Dabei wird die aktuelle Zahl von rund 2.500 Partnern weltweit weitgehend bestehen bleiben. Auch für unsere Vertriebsoffensive gibt es klare Investitionspläne, an denen wir nicht rütteln. Gemeinsam mit unseren Händlern investiert die Audi AG bis 2015 sechs Milliarden Euro allein in Gebäude.
 
Werden Sie weiter eine Absatzfinanzierung für Ihre Händler bieten?
Schwarzenbauer: Wir lassen unsere Händler nicht im Regen stehen, denn ihr Erfolg ist unser Erfolg. Unsere starke Entwicklung bei der Kundenzufriedenheit geht zu einem hohen Prozentsatz auf das Konto unserer Partner; wir unterstützen sie in ihrer Arbeit mit dem Ziel, Kosten für unseren Handel zu senken und Profitabilität zu steigern.
 
Nichtsdestotrotz werden die Refinanzierungskosten auch für Sie steigen. Wird das in Preiserhöhung ausufern?
Schwarzenbauer: Noch ist der Kreditfluss zwischen den Banken nicht wieder richtig in Bewegung gekommen. Wenn hier keine Besserung eintritt, müssten wir einen Teil der Erhöhungen an die Kunden weitergeben – in Form von steigenden Leasing- und Finanzierungsraten. Wir glauben aber, dass in den nächsten Monaten noch Bewegung in den Markt kommt.
 
Kommen wir zur Sparsamkeit bei Antrieben – da scheinen Sie – im Vergleich zu BMW -  Nachholbedarf in Technik und Kommunikation zu haben.

Schwarzenbauer: Wir haben mit unseren immer weiter optimierten TDI- und TFSI-Motoren heute hocheffiziente Technologien auf dem Markt, die im Wettbewerb ausgezeichnet abschneiden. Bei allen Motoren haben wir Verbrauch und C02-Ausstoß reduziert. Unser neuer A6 etwa verbrennt über alle Aggregate 15 Prozent weniger Kraftstoff. Sein neuer 2.0 TDIe Motor verbraucht nur 5,3 Liter bei einem Ausstoß von 139 Gramm CO2  – eine Größenordnung, die in dieser Klasse noch nie darstellbar war.
Das e-Modell des Audi A3, der A3 1.9 TDIe, kommt bei einem CO2 Wert von 119 Gramm auf 4,5 Liter. Bis 2012 wollen wir über unsere Flotte einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 140 Gramm erreichen – wenn möglich sogar darunter liegen. Damit werden wir auch in Zukunft hervorragend aufgestellt sein.
 
Welche Rolle spielen der Diesel- und Hybrid-Antrieb in dieser Strategie?
Schwarzenbauer: Der Dieselanteil in Europa liegt bei etwa 60 Prozent – und wir gehen davon aus, dass dieser Wert auch 2009 stabil bleibt. Im April 2009 starten wir in den USA den Vertrieb des Audi Q7 3.0 TDI, den wir mit „Ultra Low Emission“-System als saubersten Diesel der Welt anbieten. Wir rechnen im ersten Jahr mit einem Dieselanteil von 10 bis 15 Prozent beim Audi Q7, und wir wollen weitere Baureihen mit Diesel in die USA bringen
 
Welche Hybrid-Strategie verfolgen Sie?
Schwarzenbauer: Ende 2010 planen wir einen Audi Q5 mit Hybridantrieb auf den Markt zu bringen.
 
Wann gibt es reine Elektroautos von Audi?
Schwarzenbauer: 2012 werden wir die ersten rein elektrisch angetriebenen Kleinwagen auf die Straße schicken. Eine Serienreife ist aber aus heutiger Sicht nicht vor 2014 machbar. Der Benzin- und der Diesel-Motor werden noch lange weltweit die dominierende Rolle spielen.
 
Planen Sie, auch den A1 in den USA einzuführen, wenn er 2010 auf den Markt kommt?
Schwarzenbauer: Das prüfen wir noch. Bisher ist das Modell nur für Europa vorgesehen.

Welches Absatzziel haben Sie insgesamt für die USA?
Schwarzenbauer: Dieses Jahr rechnen wir mit einem leichten Rückgang von 93.500 auf rund 90.000 Einheiten. Trotz niedrigerer absoluter Zahlen gewinnen wir dabei deutlich Marktanteile in einem einbrechenden Gesamtmarkt. Wir lagen 2007 im Premiumsegment bei einem Anteil von 6,2 Prozent in den USA - und rechnen dieses Jahr mit sieben Prozent. Unser Ziel für nächstes Jahr ist es, diese Position im Wettbewerb weiter auszubauen.
 
Das heißt, auch 2009 werden Sie die Marke von 100.000 Verkäufen in den USA noch nicht durchbrechen?
Schwarzenbauer: Einige Spezialisten erwarten dieses Jahr nur noch 12,3 Millionen Verkäufe in den USA – nach 17,5 Millionen in guten Jahren. Da wäre eine solche Aussage vermessen.
 
Aber das Langfristziel für die USA steht – 200.000 Verkäufe im Jahr 2015?
Schwarzenbauer: Auf die genaue Jahreszahl würde ich mich nicht festlegen. Wir wissen ja nicht, wie lange die Krise noch dauert. Grundsätzlich hat der Markt das Potenzial für 17 Millionen Fahrzeuge – und wir haben die richtigen Produkte in der Pipeline.
 
Was ist mit der Audi-Produktion in den USA?
Schwarzenbauer: Diese Entscheidung werden wir Mitte 2009 treffen.
 
Woher kommt diese Verzögerung?
Schwarzenbauer: Wir haben im Audi-Vorstand noch nie ein anderes Datum diskutiert. So eine Standortentscheidung trifft man nicht nebenbei. Wir haben nicht die gleiche Entscheidungsbasis wie VW – aufgrund eines kleineren Volumens. Und wir wollen alle Alternativen sorgfältig prüfen.
 
Wie entwickelt sich Ihr Geschäft in China – Ihrem zweitgrößten Markt weltweit?
Schwarzenbauer: In den ersten elf Monaten haben wir hier 108.737 Automobile ausgeliefert – 17,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nicht zuletzt dank der Langversion des A4, die wir vor wenigen Wochen eingeführt haben. Viele chinesische Privatleute haben dort einen Chauffeur. Aber auch China wird von der Krise nicht verschont. Nichtsdestotrotz ist China für uns ein wichtiger Zukunftsmarkt. Wir halten entsprechend  an unseren Expansionsplänen fest und weiten die lokale Produktion aus: Den Audi Q5 starten wir 2010 in lokaler Fertigung für den lokalen Markt. Das wird unserem Absatz hier zur rechten Zeit einen Schub geben.
 
Deutschland ist ihr größter Markt weltweit – vor China, UK und USA. Bleibt es bei diesem Ranking?
Schwarzenbauer: In den nächsten drei bis fünf Jahren könnten andere Exportmärkte für Audi an Bedeutung gewinnen und sich in unserer Absatzstatistik vor UK schieben. Deutschland aber bleibt sicher unser größter Markt. Schon per November haben wir in unserem Heimatmarkt mit 232.444 Einheiten einen Marktanteil von 8,0 Prozent verbuchen können – und damit im Gegensatz zum Markt leicht zugelegt. Im Gesamtjahr erwarten wir einen Rekordmarktanteil von etwa 8,1 Prozent – nach 7,9 Prozent im Vorjahr.

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