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Audi und seine italienischen Töchter

Auf Entdeckungstour mit dem RS5 Cabrio

Audi RS5 Foto: Archiv 20 Bilder

Noch einmal Sonne tanken, bevor der Herbst kommt? Gute Idee. Doch eine Cabriotour macht doppelt Spaß, wenn das Ziel selbst eine Attraktion ist. Also los: In einem Audi RS5 Cabriolet über die Alpen zu Lamborghini, Ducati und Italdesign Giugiaro, den italienischen Audi-Töchtern.

24.10.2013 Michael Harnischfeger

Schon der Druck auf den metallisch schimmernden Startknopf des Audi RS5 Cabriolet tut gut. Brausend atmet ein großer V8 aus, massiert sich die Muskeln mit Leichtlauföl warm und verfällt in einen seidigen Leerlauf. Kein auf dem Prüfstand so viel sparsamerer Sechszylinder-Turbo, wie er anderswo zum Einsatz kommt. Nein, acht Töpfe sind es mit zusammen 4,2 Litern Hubraum für 450 Hochdrehzahl-PS. Sie ließen August Horch selig wohl die Freudentränen in die Augen schießen.

Horch, im Stammbaum der heutigen Audi AG ganz unten als eine der ältesten Wurzeln zu finden, war schließlich 1899 Gründer jener Horch-Werke, die 1926 mit dem herrschaftlichen Horch 8 Typ 303 den ersten Achtzylinder-Wagen Deutschlands auf den Markt gebracht hatten. Drei Liter groß war dieser Reihenachtzylinder, der seine zwei Nockenwellen über Königswellen steuerte. Königswelle? Ja, wir werden sie wiedertreffen bei Ducati. Doch erst einmal schiebt uns der RS5 mit geschlossenem Dach, auf das Regentropfen fallen, über die Autobahn Richtung Alpen, die wir natürlich – Pass muss sein auf dem Brenner überqueren.

Im Audi RS5 Cabriolet Richtung Terra dei Motori

Uns treibt die reine Neugier Richtung Bologna, ins Herz der Terra dei Motori. So nennt sich dieses Biotop für hochkarätige Automobile und Motorräder zwischen dem Po im Norden, der Adria im Osten, dem Piemont im Westen und dem Apennin im Süden. Diese Region der Emilia-Romagna ist und war seit dem frühen 20. Jahrhundert Heimat vieler, deren Gedanken um Performance, Technik und Design kreisten. Maserati, Ferrari, Stanguellini und Pagani mit ihren großartigen Autos gehen uns durch den Kopf, während das Audi RS5 Cabriolet uns nach Kauf eines Kurzzeit-Pickerls über die kurvigen Straßen des Brennerpasses schiebt.

Irgendwo in den Alpen setzt sich die Sonne gegen die schwer zwischen den Bergen hängenden Regenwolken durch. Kurzer Halt, Fingerschnipp, das Dach des Audi RS5 Cabriolet macht sich hinter den Rücksitzen klein, und wir cruisen den Rest des Weges im Cabrio-Modus. Der Großteil der V8-Power bleibt dabei Reserve. Italien nimmt das Rauchverbot zwar ernster als Tempolimits, doch wenn man es zu doll treibt, versteht die Polizia keinen Spaß.

Besuche bei Lamborghini, Ducati und Italdesign Giugiaro

Eine Verspätung wäre ohnehin ziemlich unpassend, schließlich liegen die Termine bei Lamborghini und Ducati in Bologna sowie Italdesign Giugiaro in Turin dicht an dicht. Bei allen drei Unternehmen, die nach und nach in den Audi-Konzern integriert wurden, wollen wir erkunden, was die Menschen dort antreibt, was sie zu idealen Partnern macht für die Audi-Jungs, deren Produkte immer wieder für Innovationen gut waren – von Quattro über TDI, Aluminium-Leichtbau und Diesel-Hybrid.

Bei Lamborghini dient uns als Anschauungsobjekt der in einer Ultrakleinserie produzierte Veneno, den sich Lamborghini selbst zum 50. Firmenjubiläum geschenkt hat. Ducati hat mit der 1199 Panigale R die Idee des Traum-Superbikes noch einmal vorangetrieben und bietet den Kunden viel im Rennsport erfolgreiche Technik für die Straße. Italdesign Giugiaro in Turin wiederum, seit 45 Jahren Gestalter von Industrieprodukten und Automobilen, versprach uns ein Treffen mit der unkonventionellen Studie Parcour. Erster Halt nach wenig Schlaf in einem entzückenden Landhotel in Sant’Agata Bolognese, in dem uns am frühen Morgen die Testfahrer mit Zehn- und Zwölftonmusik wecken: Lamborghini.

Erfahren Sie alles über unseren Besuch bei Lamborghini im zweiten Teil unserer Serie "Audi und seine italienischen Töchter".

Das ist Audi:

Mit Ducati, Lamborghini und Italdesign Giugiaro bildet die Audi AG innerhalb von Volkswagen den Audi-Konzern. Technologien wie der Allradantrieb Quattro, der TDI-Motor, Aluminium-Leichtbau und im Sport erfolgreiche Hybrid- Antriebe schärfen das Profil des Premium-Herstellers. Seine Wurzeln reichen bis zur Firma August Horch & Cie., die August Horch 1899 gegründet hatte, ehe er ab 1909/10 in Zwickau Audi-Automobile baute.

1932 schlossen sich Audi, DKW, Horch und die Automobilsparte der Wanderer-Werke in Chemnitz zur Auto Union AG zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Ingolstadt die Auto Union GmbH, die die Volkswagenwerk AG Mitte der 1960er-Jahre übernahm. 1969 fusionierte die Auto Union mit der NSU Motorenwerke AG zur Audi NSU Auto Union AG, 1985 erfolgte die Umbenennung in Audi AG. Mitarbeiter: 68.804, Auslieferungen an Kunden: 1,634 Mio., Umsatz: 48,8 Mrd. € (Zahlen für 2012).

"Die Organisation ist ultra-effizient aufgestellt"

Drei Fragen an Audi-Enwicklungschef Ulrich Hackenberg zur Positionierung der Marken Audi, Lamborghini und Ducati innerhalb des VW-Konzerns.

Was zeichnet Audi im Konzern aus?

Hackenberg: Audi steht für sportlich-dynamische Automobile von der Kompakt- bis in die Oberklasse. Mit unserem Portfolio genießen wir einen Markterfolg, der uns zu einem der führenden Anbieter im Premiumsegment macht. Audi steht mit langer Tradition für Schlüsseltechnologien wie den permanenten Allradantrieb, intelligenten Leichtbau oder effiziente Antriebe. Oft haben wir diese Technologien direkt von der Rennstrecke auf die Straße gebracht – Quattro zum Beispiel und den TDI-Motor.

Uns wird außerdem hohe Design-kompetenz und überragende Verarbeitungsqualität zugeschrieben. Hinter den Innovationen und den Automobilen steht eine engagierte Mannschaft. Die Organisation ist auch dank des eingespielten Konzerts über Marken und Modulbaukästen hinweg ultra-effizient aufgestellt. Den Erfolg der Zukunft bauen wir auf weiteren neuen Schlüsseltechnologien auf. Eine davon ist der Plug-in-Hybridantrieb im Audi A3 E-Tron. Damit zeigen wir, wie dynamisch die Mobilität der Zukunft bei Audi sein wird. Der A3 E-Tron leistet 204 PS, erreicht 222 km/h Spitze – bei 50 Kilometer elektrischer und zusätzlich 890 Kilometer hybridischer Reichweite. Und das bei einem Normverbrauch von 1,5 Liter/100 Kilometer.

Was ist besonders an Lamborghini?

Hackenberg: Die Marke ist extrem spitz positioniert, was man auch daran ablesen kann, dass sie ausschließlich zwei Modellreihen von Supersportwagen anbietet. Sie ist eine italienische Marke mit großer Tradition und magischer Anziehungskraft. Technisch gesehen steht Lamborghini für konsequenten Leichtbau in Aluminium und Kohlefaser, für überlegene Traktion durch Allradantrieb, für Sicherheit und für Fahrwerke von höchster Präzision und natürlich für ein absolut radikales Design. Ein Lamborghini erlaubt sportliches Fahren in kompromissloser Form. Der V12-Motor mit 700 PS (515 kW) und einem Drehmoment von 690 Nm ist einzigartig in der Welt der Supersportwagen.

Was verspricht sich Audi von Ducati?

Hackenberg: Mit dem Erwerb der italienischen Premiummarke Ducati hat Audi an seine Wurzeln angeknüpft und ist ins Motorradgeschäft zurückgekehrt. Audi und Ducati haben viele gemeinsame Interessen und haben bereits im ersten Jahr der Zusammenarbeit einen intensiven Gedankenaustausch auf Technologie-Ebene betrieben. Ich habe in meinem Sommerurlaub einige Tage bei Ducati verbracht: Besonders beeindruckt hat mich die Expertise bei den hochdrehenden Motoren mit ihrem charakteristischen Sound, aber auch die Erfahrungen bei der Visualisierung von Technologie. Denken Sie nur an den Gitterrohrrahmen bei der legendären 916, der in weiterentwickelter Form die Modelle bis heute prägt und zugleich ein exzellentes Beispiel dafür ist, wie sich die Werkstoffe und die hochwertige Verarbeitung sichtbar machen lassen.

Hinzu kommt bei unseren 1.100 Kollegen in Bologna ein umfassendes Knowhow in den Bereichen Leichtbau, Fahrwerksregelung und Ventilsteuerung. Verbunden mit den klaren Prozessen und der hohen Kompetenz sehen wir durchaus das Potenzial, dass sich Ducati mit weiteren Modellen erfolgreich in neuen Marktsegmenten positioniert.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft