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Audi und seine italienischen Töchter (Teil 2)

Zu Besuch bei Lamborghini

Audi Cabrio Foto: Archiv 22 Bilder

Im zweiten Teil unserer Serie "Audi und seine italienischen Töchter" besuchen wir den Sportwagenbauer Lamborghini. Dabei bekommen wir das persönliche Jubiläumsgeschenk der Italiener zu bestaunen.

24.10.2013 Michael Harnischfeger

Das Werk liegt etwas außerhalb von Sant’Agata Bolognese inmitten weiter Felder. Ferruccio Lamborghini sah sicherlich aus seinem Bürofenster so manchen Bauern, der mit einem Lamborghini-Traktor seine Felder bearbeitete. Wir grüßen die vielen aus Reisebussen stolpernden Fans mit einer Prise Zwischengas, ehe es tief ins Innere des Werkes geht, wo der Lamborghini Veneno auf uns wartet.

Lamborghini Veneno zum 50. Markenjubiläum

Aus welcher Richtung man sich diesem Auto auch nähert: Handzahm wirkt es wirklich nicht. War auch nicht so geplant. Der Auftrag an Maurizio Reggiani, Direktor Forschung und Entwicklung, lautete schlicht, zum Jubiläum in Sachen Design und Aerodynamik den besten straßenzugelassenen Lamborghini zu bauen. Dass der Lamborghini Veneno nach Art des Hauses nicht frei ist von vogelwilder Dramatik im Auftritt, versteht sich von selbst. Schließlich gab Marcello Gandini mit dem schroffen Countach 1974 eine verstörende Linie vor, deren Kernaussage Lamborghini bis heute recht konsequent beibehielt.

Geduckt und übersät von scharfen Linien, wirkt der nur 1,17 Meter hohe Lamborghini Veneno so konsequent auf nur eine Funktion perfektioniert wie ein Rennsport-Prototyp. Oder wie ein Fisch aus dem tiefsten Ozean, dem niemand beim Tauchen begegnen möchte. Dieser Tauchgang wäre wohl definitiv der letzte.

Dabei ist, so Reggiani, nichts Show am Veneno. Die Trennung der Kotflügel vom Karosseriekörper etwa diene der aerodynamisch optimierten Luftführung für Abtrieb sowie zur Kühlung von Bremsen und Motor. Die am Dach ansetzende Finne wiederum, die im gewaltigen Heckspoiler ausläuft, stabilisiere den Geradeauslauf, was bei 355 km/h Topspeed sicher kein Fehler ist.

Selbst entwickelte Leichtbaumaterialien im Innenraum

Von Hand im Prototypenbau gefertigt, zeigt die aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigte Karosserie mit vielen in sündigem Rot lackierten Kanten eine makellose Qualität wie auch der Innenraum. Hier setzt Lamborghini neuartige, selbst entwickelte Leichtbaumaterialien ein, etwa den Verbundwerkstoff Forged Composite oder die mit Handschmeichler-Qualität gewebte Kohlenstofffaser Carbon Skin am Armaturenbrett. Ein weiches, edel wirkendes Material, das so erklärt Reggiani alle Qualitätsvorgaben des Audi-Konzerns erfüllt.

Wie überhaupt alles, was Lamborghini entwickelt und testet. Gegenüber dem Lamborghini Aventador, der technischen Basis, speckte der Veneno durch Leichtbautechnologien und -materialien 125 Kilogramm ab. In den Genuss, ihn zu fahren, kommen nur drei Menschen weltweit, die den Kaufpreis von drei Millionen Euro netto angezahlt haben.

Ihr persönliches Exemplar des Lamborghini Veneno entsteht nun nach und nach in reiner Handarbeit im Prototypenbau, unser Fotomodell rollt ins Werksmuseum. Reine Fingerübung also das alles? "Nein", sagt Maurizio Reggiani. "Wir tun nichts ohne Blick auf einen Serieneinsatz, sei es das Monocoque des Sesto Elemente im Verbundmaterial Forged Composite oder eben Carbon Skin beim Veneno." Und natürlich sei dieses Know-how in Sachen Leichtbau nicht reserviert für Lamborghini, fügt er hinzu. Die ganze Audi-Gruppe könne partizipieren. Ganz so viel können die Jungs hier wohl nicht mehr lernen, denken wir am nächsten Tag bei Ducati.

Im dritten Teil unserer Serie "Audi und seine italienischen Töchter" erfahren Sie alles über Ducati.

Das ist Lamborghini:

Vor 50 Jahren gründete Ferruccio Lamborghini auf einer grünen Wiese in Sant’Agata Bolognese die Firma Automobili Lamborghini. Der Legende nach hatte sich der studierte Ingenieur, der als Produzent von Traktoren, Heiz- und Klimageräten zum Millionär geworden war, zuvor über mangelhafte Qualität der von ihm gefahrenen Ferrari geärgert. Der erste Serien-Lamborghini war 1963 das klassische V12-Coupé 350 GT, mit dem Miura lieferte Lamborghini 1966 die Blaupause für alle späteren Mittelmotor-Straßensportwagen. 1972 zog sich der Firmengründer aus dem Automobilgeschäft zurück, die Eigentümer wechselten bis zur Übernahme durch Audi im Jahr 1998 mehrfach. Mitarbeiter: 969, Auslieferungen an Kunden: 2.083, Umsatz: 469 Mio. € (Zahlen für 2012).

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft