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Audi und seine italienischen Töchter (Teil 4)

Formgeber Italdesign Giugiaro

Italsdesign Giugiaro Foto: Archiv 24 Bilder

Im vierten und letzten Teil unserer Serie "Audi und seine italienischen Töchter" machen wir Station bei Italdesign Giugiaro. Hauptdarsteller des Tages ist das Mittelmotor-SUV Parcour.

24.10.2013 Michael Harnischfeger

Auf der Schlussetappe von Bologna nach Turin im Nordwesten Italiens ist entspanntes Rollen angesagt. Die Sonne brennt vom Himmel, und der Wind pfeift das Lied der Straße nur ganz leise und melodiös. Das Stadtzentrum dieser mondänen Hauptstadt des guten Automobilgeschmacks, wo nahezu alle italienischen Designer wirkten, muss warten. Wir verlassen die Autostrada im nahe gelegenen Moncalieri und erreichen in einem schlichten Industriegebiet unser letztes Ziel.

Nicht nur Designer, sondern Ingenieure

Das breite Tor zu Italdesign Giugiaro öffnet sich leise, und unser Audi RS5 Cabrio rollt in eine ruhige, helle Welt. Die unaufgeregte Architektur ist klar und zweckmäßig und dennoch elegant. Die Wände eines breiten Gangs zieren bunte Kinderzeichnungen von mehr oder weniger fantastischen Autos – angefertigt am Wochenende beim Familienfest mit 1.500 Gästen. Die alle Skizzen verbindenden Elemente: Räder in stets gleichem Achsabstand, Lenksäule nebst Lenkrad und zwei Sitzreihen. "Wir sind ja nicht nur Designer, sondern Ingenieure. Ohne Package-Vorgaben wäre dieser Malwettbewerb ja witzlos", heißt es augenzwinkernd zur Erklärung. Der Geist Giorgetto Giugiaros – er ist auch hierin spürbar.

Denn Giugiaro verstand sein Unternehmen nie als reines Zeichenbüro, das schöne Vorschläge macht – ohne Rücksicht auf die Umsetzbarkeit. Von Anfang an bot Giugiaro seinen Kunden daher nicht nur gestalterische Kreativität an. Das Spektrum der Dienstleistungen von Italdesign Giugiaro umfasste auch die technische Planung, den Bau von Vorserien-Prototypen und schließlich die Unterstützung beim Produktionsanlauf.

Hauptdarsteller des Tages ist das Mittelmotor-SUV Parcour. Fabrizio Giugiaro, Sohn des Firmengründers Giorgetto, entwarf es mit großer Freude, nachdem ihn die Konzernführung freundlich gebeten hatte, mal etwas ganz Neues zu denken und zu bauen. Über den Antriebsstrang des Lamborghini Gallardo legte Giugiaro dazu eine eng anliegende Sportwagen-Karosserie aus Aluminium und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff mit kurzen Überhängen, die an die lebensfrohen Strandbuggys der 1970er-Jahre erinnern. Zu diesem Allzeit-bereit-Look passen die großen Räder des Parcour mit grob profilierten Reifen und eine Bodenfreiheit, von der jeder Fahrer eines Sportwagens träumt, wenn es nicht auf die Rundstrecke geht, sondern in eine simple Tiefgarage.

Italdesin Giugiaro Parcour mit Lausbuben-Charme

Gekrönt wird der Zweisitzer von einer leichten Kanzel, die aus schmalen A-Säulen in ein partiell transparent ausgeführtes Dach wächst und in Höhe des Mittelmotors in Stabilität verheißenden Säulen ausläuft. Leicht wie Segel wirken diese Partien dennoch. Lausbuben-Charme umweht dieses Design, das frei ist von Aggressivität oder aufgesetzter Sportlichkeit, gleichwohl unter der Haut trainierte Muskeln und Sehnen erkennen lässt; kein Fett.

Das Cockpit ist ausgeschlagen mit viel weichem Leder. Sein Weiß springt geradezu hervor, wenn die federleichten Karbon-Türen nach oben schwingen. Digitalcockpit, Multifunktionslenkrad mit Drehreglern statt der üblichen Tasten, transparent ausgeführte Hebel in der illuminierten Mittelkonsole – das alles wirkt nicht sonderlich futuristisch.

Ohnehin prescht der Italdesin Giugiaro Parcour nicht vor und hofft, die technische Entwicklung komme irgendwann nach. Bei seiner Entstehung, sagt Fabrizio Giugiaro, war der technische Status quo verbindlich, will heißen: Der 550 PS starke Parcour ist voll funktionstüchtig – von der elektrischen Verstellung der Pedale bis zum Fahrwerk, das die Bodenfreiheit um zehn Zentimeter variieren kann. Weiterhin stehen vier Fahrmodi zur Verfügung, die Fahrwerk und Antriebsstrang für den jeweiligen Untergrund konfigurieren: Comfort, Offroad, Ice und Speed.

Audi Nanuk Quattro Concept als weitergedachter Parcour

So wird der Italdesin Giugiaro Parcour zum Supersportler für alle Gelegenheiten. "Wir wollten ein universell einsetzbares Mittelmotorauto bauen, das mehr bietet als Highspeed und Exotik auf der Straße", erklärt Fabrizio Giugiaro. Es gebe ja viele SUV mit wirklich Power fürs schnelle Fahren, doch er und sein Team von Italdesign Giugiaro seien das Thema einmal anders angegangen. Mittelmotor goes Offroad sozusagen.

Mittlerweile hat diese Idee einen ersten tastenden Schritt in Richtung Serie gemacht. Audi zeigte auf der IAA mit dem Audi Nanuk Quattro Concept einen weitergedachten Parcour, den ein Fünfliter-V10-TDI in 3,8 Sekunden auf 100 km/h beamt. Käufer dürften ihren Spaß haben und bei Bedarf auch mal über Dünen springen können, wie es Fabrizio Giugiaro bei der Arbeit vorschwebte. Wird er gebaut? Noch ist nichts entscheiden. Doch Audi geht ja gern auch mal neue Wege. Ducati, Lamborghini und Italdesign Giugiaro scheinen dafür die perfekten Partner zu sein. Wir machen uns auf den Heimweg. Giugiaro winkt uns zu. "Bella Macchina!", lobt er das Audi RS5. Ja.

Das ist Italdesign Giugiaro:

Gerade 29 Jahre alt, gründete Giorgetto Giugiaro mit dem Ingenieur Aldo Mantovani 1967 in einem Vorort Turins die Firma Ital Design, aus der Italdesign Giugiaro hervorging. Zuvor hatte Giugiaro bereits für Fiat, Bertone und Ghia gearbeitet. Giugiaro spezialisierte sich sehr früh darauf, außer Designentwürfen auch Dienstleistungen im Bereich Prototypenbau und Engineering anzubieten. Giugiaro, der die Verantwortung für das auch im Industriedesign erfolgreiche Unternehmen mittlerweile an seinen Sohn Fabrizio abgetreten hat, gestaltete mehr als 200 Autos, über 50 Millionen Serienfahrzeuge – von Alfa Romeo bis Zastava – gingen daraus hervor. Mitarbeiter: 900, Umsatz: 179,8 Mio. Euro.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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