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Audi

Volumenwachstum nicht um jeden Preis

Peter Schwarzenbauer Foto: Audi 74 Bilder

Audi-Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer spricht mit auto-motor-und-sport-Redakteur Harald Hamprecht über Absatzziele, Rabatte, Kurzarbeit, neue Modelle und das Thema Verbrauchseffizienz.

09.03.2009 Harald Hamprecht

Herr Schwarzenbauer, in den Augen Ihrer Wettbewerber BMW und Mercedes sind Sie ein aggressiver Angreifer, der gerade mit einer Dumpingstrategie die Preise verdirbt.
Schwarzenbauer:  Sicherlich greifen wir in den USA an – allerdings über attraktive Produkte und starke Markenkommunikation, nicht über Rabatte. In Europa gibt es zum Preisgebaren der Hersteller leider keine objektiven Daten. In den USA indes werden Transaktionspreise von unabhängigen Stellen wie J.D. Power erhoben. Dort können Sie ablesen, welche Strategie wir im Vertrieb verfolgen: Entscheidend ist für uns profitables Wachstum – nicht Volumen um jeden Preis. Grundsätzlich halte ich überhaupt nichts davon, durch heftige Incentivierung Nachfrage künstlich zu generieren.
 
Warum?
Schwarzenbauer: Weil sie kein nachhaltiges Wachstum darstellt, sondern eine Preisspirale auslöst. Die Hersteller müssen sich wieder an der natürlichen Nachfrage im Markt ausrichten.

Wie wird sich Ihr Absatz in diesem Jahr entwickeln?
Schwarzenbauer: 2008 haben wir den Rekordwert von einer Millionen verkaufter Fahrzeuge eingefahren. Dieses Jahr erwarten wir einen Einbruch von etwa zehn Prozent; dabei gehen wir von einem Rückgang des Weltmarktes um 15 bis 20 Prozent aus. In Europa werden wir im Jahr 2010 die Nummer eins sein, vor unseren Kernwettbewerbern. In China sind wir heute schon die führende Premiummarke. Weltweit werden wir 2015 die Nummer 1 sein.
 
Mit einem Absatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen.
Schwarzenbauer: Nein, wir haben gesagt, wir wollen der erfolgreichste Premiumanbieter sein. Damals waren haben wir als Größenordung 1,5 Millionen genannt. Aber: Erfolg als starke Premiummarke ist für uns nicht vorrangig ein Volumenthema. Wwir wollen auch der profitabelste Hersteller sein.

Wie steht es um das Thema Kurzarbeit?
Schwarzenbauer: Für die der Faschingswoche hatten wir Kurzarbeit angemeldet und dabei zwölf- bis dreizehntausend Einheiten rausgenommen. In der Karwoche werden wir in Ingolstadt erneut Kurzarbeit haben. Damit passen wir unsere Produktion flexibel an die Nachfrage an. Es macht keinen Sinn, Autos zu bauen, hinter denen kein Kundenauftrag steht.
 
Brauchen Sie ein Werk in den USA?
Schwarzenbauer: Das untersuchen wir noch. Eine Entscheidung wird es vor Mitte 2009 nicht geben.

Werden Sie den A1, der 2010 auf den Markt kommt, auch in den USA verkaufen?
Schwarzenbauer: Momentan ist das nicht vorgesehen. Zu einem späteren Zeitpunkt wäre das Thema aber durchaus noch mal eine Überlegung wert.
 
Laufen Sie damit in die gleiche Falle wie BMW und verderben sich die Margen mit immer mehr kleineren Fahrzeugen?
Schwarzenbauer: Auch ein Audi A1 muss unsere Vorgaben für Rendite und Ergebnisbeitrag erfüllen. Der A1 wird auch keine Antwort auf das Thema Downsizing sein. Der A1 wird neue Kundengruppen erobern. Diese ganze Downsizing-Debatte können wir für Audi nicht bestätigen. Ein A6-Fahrer etwa wechselt so schnell nicht ins nächstkleinere Segment – er ist Komfort und Raumangebot der oberen Mittelklasse gewohnt. Was wir sehen, ist ein Trend zu kleineren Motoren – und da sind wir mit unseren hochaufgeladenen Vier- und Sechszylindern gut aufgestellt.
 
Nach Informationen von auto motor und sport wollen Sie auch einen A2 auf den Markt bringen – um die Modellpalette bis 2015 von jetzt 28 auf 40 Modelle auszubauen.
Schwarzenbauer: Dazu gibt es noch keine Entscheidung. Wir denken noch darüber nach. Bereits mit dem Audi A1 bringen wir ein sportliches, kleines Stadtauto, für das wir uns eine Vielzahl von Motorenvarianten vorstellen können. Ein weiteres Modell unterhalb des A3  mit viel Raumangebot wäre möglicherweise eine interessante konzeptionelle Ergänzung. Der alte Audi A2, mit Hybridantrieb und Leichtbau, lief schon in diese Richtung, war damals aber seiner Zeit noch voraus.
 
Und einen Ableger des VW-Up und des kompakten VW-Mittelmotor-Roadsters, der in Detroit gezeigt wurde?
Schwarzenbauer: Dazu gibt es aktuell keine Planung.

Wird es ein A1-Cabrio geben?
Schwarzenbauer: Unser Einstiegsmodell kommt zunächst als Drei- und Fünftürer auf den Markt. Weitere Derivate sind grundsätzlich immer denkbar. Wir dürfen uns aber nicht verzetteln. Schauen Sie nur, wir bringen allein dieses Jahr sechs neue Modelle. Wir dürfen unsere Organisation und unsere Händler auch nicht überlasten.
 
Wie schätzen Sie den US-Markt ein?

Schwarzenbauer: Im schlimmsten Fall könnte der Gesamtmarkt in diesem Jahr auf 9,5 Millionen Einheiten zurück gehen. Bis zum dritten Quartal sehen wir auch keinerlei Aussicht auf Besserung. Erst ab Ende des Jahres sind hier erste Lichtblicke möglich.
 
Wo steht Audi in den USA?
Schwarzenbauer: Im Premiumsegment stehen wir per Februar bei 7,1 Prozent Marktanteil, nach 6,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Bis Jahresende erwarte ich einen Segmentanteil von 7,6 Prozent.

Wie sieht es in China aus?
Schwarzenbauer: Wir haben im Februar einen im Vergleich zum Gesamtmarkt erneut starken Monatsabsatz hingelegt mit rund 9.300 Fahrzeugen – ein Plus von sieben 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.Natürlich sind wir aus den letzten Jahren in China verwöhnt durch ständige Steigerungen im zehn- bis 20-Prozent-Bereich. In der aktuellen Situation hatten wir aber sogar noch mit mehr Gegenwind in China gerechnet. In den nächsten Jahren sehen wir hier noch großes Potenzial für weiteres Wachstum.
 
Ihre Wettbewerber fahren Sparprogramme. Was steht bei Ihnen an?
Schwarzenbauer: Wir investieren auch in diesem Jahr in vollem Umfang in unsere Modelloffensive. Alles was nicht mit dem Produkt zu tun hat, schauen wir uns genau an und priorisieren.
 
Aus dem Audi-Handel verlautet, dass der R8 steht wie Blei.
Schwarzenbauer: Weltweit finden sich auch in schwierigen Zeiten weiterhin Fans unseres Supersportwagens. Der V10-Motor wird zudem neue Impulse bringen.
 
Wie verkauft sich Ihr großer Geländewagen, der Audi Q7?

Schwarzenbauer: Hier ist das Bild gemischt. In Russland und in China läuft das Modell weiterhin gut. Im Gesamtjahr 2008 hatten wir trotzdem lebenszyklusbedingt ein Minus von rund 25 Prozent – und dieses Jahr erwarten wir ein Minus von etwa 15 Prozent. Das liegt aber wie gesagt auch am fortgeschrittenen Lebenszyklus.
 
Welche Ziele haben Sie hinsichtlich der Verbrauchseffizienz Ihrer Modelle?
Schwarzenbauer: Wir haben heute 96 Motoren-Modell-Varianten im Portfolio, die Euro 5 erfüllen – und bieten damit das bei weitem umfangreichste Angebot im Wettbewerbsvergleich. Unseren durchschnittlichen C02-Ausstoß wollen wir bis 2012 um weitere 20 Prozent auf unter 140 Gramm senken.

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