Audi-Chef Rupert Stadler ist ein Mann, der die Spannung liebt: "Wir werden interessante Impulse für das Elektroauto setzen", verkündet der Herr der Ringe, der auf den großen Auto-Messen der letzten Monate durchgängig alternative Antriebskonzepte präsentierte: zuerst den großen E-Tron auf Basis des R8, dann den Kompakt-E-Tron auf der Mittelmotor-Plattform von VW und schließlich einen Hybrid-A1-Kleinwagen mit einer Kombination von E-Motor und Wankel-Triebwerk.
Audi E-Tron startet 2012
Doch wie immer stellt sich bei solchen Studien die Frage, was davon wirklich kommt – und auch hier hat Stadler eine klare Vision: "Mit dem Sportwagen E-Tron werden wir starten." Ab 2012 gibt es also den R8-Ableger in einer verkürzten Form als sprichwörtlichen Strom-Schnellen: Die E-Variante ist 313 PS stark, hat ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern und schafft über 200 km/h. Die Verbreitung dürfte sich aufgrund des hohen Preises jedoch in homöopathischen Stückzahlen bewegen; um die Absatzkurve weiter anzukurbeln, bedarf es anderer Wunderwaffen.
Neue Sportwagenreihe mit Mittelmotorkonzept
Zum Beispiel in Form eines Autos, das kleiner und günstiger sein dürfte: Die Rede ist von der neuen Sportwagenreihe, die mit Mittelmotor-Konzept als Kompakt-E-Tron auf der Detroit Auto Show im Januar Premiere feierte. "Die Modellbezeichnung E-Tron wird bei uns künftig eine Bedeutung bekommen wie vor 30 Jahren der Begriff Quattro", unterstreicht Audi-Designchef Stefan Sielaff die Bedeutung dieses Projekts.
Der Buchstabe A steht somit für die Limousinen, das Q für SUV, R für Sportwagen und E-Tron für alternative Antriebe. Zwei E-Motoren mit zusammen 204 PS und 2.650 Newtonmeter Drehmoment sorgen in Kombination mit einer Lithium-Ionen-Batterie für eine Reichweite von rund 250 Kilometern und sportwagentypische Beschleunigungswerte: Null auf 100 km/h sind in weniger als sechs Sekunden geschafft, und von 60 auf 120 km/h rückt die Uhr gerade mal fünf Sekunden weiter.
Audi R4 wird unterhalb des Audi TT positioniert
Die Zeit bleibt bei Audi also nicht stehen – zumal es den kleinen Sportwagen unterhalb des TT als Coupé mit der Modellbezeichnung R4, aber wohl auch als Roadster mit kleinen Benzin- und Dieselmotoren geben wird. Der 1,4-Liter-TSI bringt es auf 180 PS, der Zweiliter-TDI auf bis zu 170 PS. Mit einem Gewicht von rund 1.150 Kilogramm und einer hecklastigen Gewichtsverteilung von 40 zu 60 könnte der R4 besonders den japanischen Konkurrenten Mazda MX-5 das Fürchten lehren, zumal er sich in etwa auf dessen Preisniveau (ab 22.100 Euro) bewegen wird – und dabei weit entfernt von einer roadstertypisch kargen Ausstattung sein soll. Zum Verkaufsstart 2013 kann der Fahrer über sein iPhone schon von zu Hause aus die Route bequem vorprogrammieren und dann in die Navigationssoftware des Autos übertragen.
Audi A2 kommt wieder
Quo vadis – wohin gehst du? – war auch beim 2005 eingestellten Audi A2 lange die Frage. Aber mittlerweile steht fest: Er kommt wieder. Rupert Stadler hegt mit dem Nachfolger ambitionierte Pläne: "Wir haben für den A2 einige spannende Ideen, mit denen wir wichtige Anregungen für das Elektroauto geben." Für die nächste Generation wird eine eigene E-Plattform entwickelt, die aus dem Cityflitzer ein echtes Ökoauto machen soll. Zunächst wird es den A2 also als rein strombetriebenes Modell geben. Im Boden des Hochdach-Kleinwagens ist ausreichend Platz für die Lithium-Ionen-Batterie, so dass der Kofferraum im Gegensatz zu anderen E-Autos ein klassenübliches Format behält. Möglicherweise schiebt Audi aber später noch eine Variante mit einem Verbrennungsmotor als Range Extender nach, um die Reichweite des A2 zu erhöhen. Diese Rolle übernimmt jedoch nicht der Wankelmotor, den Audi im A1 E-Tron auf dem Genfer Autosalon vorgestellt hat, denn er schafft nicht die geforderten Abgasgrenzwerte.
Ab 2013 gibt es den A2 als etwa 3,80 Meter langen Fünfsitzer, wobei der teure Alu-Space-Frame des Vorgängers ebenso entfällt wie der Zugang zum Ölmessstab über eine Serviceklappe. Audi setzt auf konventionelle Lösungen, stattet den A2 aber dafür mit der gesamten Multimedia-Technik aus, mit der ab Sommer bereits der A1 glänzen wird: ausklappbarer Monitor mit hochauflösendem Farbdisplay, Kartendarstellungen auf dem Niveau des A8, Bluetooth-Schnittstelle und das MMI-System Navigation plus 60-Gigabyte-Festplatte, ein Laufwerk für Audio- und Video-DVDs inklusive Sprachsteuerung – so etwas darf heute auch in einem Umweltauto nicht mehr fehlen.
Keine E-Variante vom Audi A1, aber ein Hybrid
Eine Zukunft unter Strom ist für den Audi A1 dagegen nicht vorgesehen. Jedenfalls keine reine E-Variante, denn dafür wurde der Polo-Ableger nicht konstruiert. Wahrscheinlicher ist der Einsatz eines Hybrids, doch zunächst einmal führen alle Modelle Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie-Rückgewinnung serienmäßig mit an Bord. Kurz nach dem Verkaufsstart im Sommer präsentiert Audi der Öffentlichkeit bereits neue Ableger des A1. Nachdem es auf dem GTI-Treffen am Wörthersee im Mai Einblicke in die Individualisierungsmöglichkeiten bis hin zu einer FC Bayern-Version gab, folgt auf dem Pariser Autosalon die Vorstellung des Sportablegers in Form des S1, der es auf rund 200 PS bringen soll.
A1-Familie wächst um einen Sportback, einen S1 und ein Cabrio
Fest steht bereits, dass der A1 ein variantenreiches Leben führen wird, um im boomenden Kleinwagensegment auf Kundenfang zu gehen. Dem Zweitürer folgt rasch der Sportback genannte Viertürer, der ebenfalls als S1 aufgelegt wird. Und wenn die Verkaufskurve der neuen Modellreihe nach oben zeigt, kommt auch ein Stoffdach-Cabrio. Ab 15.800 Euro ist der A1 als 86 PS starkes Basismodell 1.2 TFSI erhältlich und wird neben dem Mini vor allem den A3 in seinen letzten Lebensmonaten unter Druck bringen. So eine umfangreiche Ausstattung wie das neue kleine Geschwisterchen hat der Kompakt-Audi schließlich nicht zu bieten. Das ändert sich erst 2012, wenn der Nachfolger noch einige Monate vor der nächsten VW Golf-Generation (ab 2013) an den Start geht.
Neuer Audi TT kommt 2014
Und noch ein anderer bewährter Vertreter im Audi-Modellprogramm könnte unter Druck kommen: Wenn es den kleinen R4 gibt, dann braucht der TT als Coupé und Cabrio eine neue Nische. Der Sportwagen mit Frontmotor darf in seinen Abmessungen aber nicht größer werden und soll in seiner Neuauflage im Jahr 2014 vor allem filigraner anmuten als bislang. So lauten zumindest die ersten Überlegungen aus dem Designstudio. Fest steht: Kleiner ist bei Audi zur Zeit auf jeden Fall eine Nummer feiner.
Audi E-Tron als Modellbezeichnung
Der Name Audi E-Tron steht nicht für Studien ohne Zukunftsaussichten, sondern künftig für eine ganze Familie: Ab 2012 startet der Verkauf des großen E-Tron auf Basis des R8 als reines E-Auto. Audi konkurriert damit direkt gegen den Mercedes SLS AMG, den es auch in einer Strom-Version geben wird.
Weil E-Tron bei Audi generell für alternative Antriebskonzepte steht, trägt auch die Detroit-Studie eines Kompakt-Sportwagens diese Bezeichnung: Hier handelt es sich ebenfalls um ein reines E-Auto. Die A1-Studie auf dem Genfer Autosalon war dagegen mit der Kraft der zwei Herzen als Hybrid zu sehen – auch hier unter dem Namen E-Tron.






