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Auf den Punkt

Rennsport vs. Sparsport?

Audi R18 e-tron quattro - Le Mans-Präsentation 2014 Foto: Audi 34 Bilder

Marcus Schurig über den Konflikt zwischen purem Racing und möglicher Spritsparknauserei in den Topklassen des Motorsports, was die Piloten dazu (nicht) sagen und was die Fans an der Strecke wirklich erwartet.

20.05.2014 Marcus Schurig Powered by

Die Botschaft hör` ich wohl, allein mir fehlt der Glaube – so oder so ähnlich geht es vielen bei der Bewertung der neuen Effizienz-Reglements im Motorsport. In den zwei Top-Rennsportklassen – Formel 1 und LMP1 – wurde der Spritverbrauch von einer Saison auf die andere per Reglement um gut 30 Prozent gekappt. Das soll die Vollgasbranche vor politischen Anfeindungen retten. Ein Teil der verlorenen Power wird über Hybridsysteme wieder eingespeist, so ist es zu erklären, dass die Rundenzeiten kaum schlechter werden – oder im Falle der LMP1-Wagen sogar besser werden.

Strenge Verbrauchslimits in der Formel 1 und der LMP1

Die Botschaft passt in unsere Zeit, aber die Mutter aller Fragen lautet doch: Wie verändert sich der Sport auf der Rennstrecke? Sehen wir weniger Überholmanöver, weil die Piloten mit einem Auge auf den Verbrauch schielen und lieber im Windschatten hinterherzuckeln, anstatt einen Angriff zu riskieren? Dürfen die Piloten überhaupt noch voll fahren? Oder müssen sie lange vorm Bremspunkt lupfen – neudeutsch: Sailing oder Coasting –, weil sie sonst am Ende der Runde das strenge Verbrauchsziel verfehlen? Und was sagen eigentlich die Betroffenen dazu, nämlich die Fahrer?

Die Formel-1-Saison hat ja bereits begonnen, sodass wir hier konkrete Anhaltspunkte haben: Die Piloten fahren fast nur voll, Punkt. Nur bei vier von 19 Rennen ist der Verbrauch überhaupt ein Thema. Und nur bei diesen vier GP müssen die Piloten im ersten Renndrittel mitdenken und handeln, aber sobald sie im grünen Bereich sind, können sie voll attackieren – und Rennen im klassischen Sinne fahren. Eine Beeinträchtigung der Show auf der Rennstrecke ist nicht festzustellen – wie der Grand Prix in Bahrain recht eindrucksvoll belegte.

Wird es in der Sportwagen-WM genauso laufen? In der LMP1-Klasse gelten wie in der Formel 1 ebenfalls strenge Verbrauchslimits, aber wir haben beim Saisonvortest der WM in Le Castellet keinen LMP1-Fahrer getroffen, der eine Runde voll fahren konnte oder durfte.

Spritspartechniken gefragt

Zwar hat der Fahrer weiterhin die Kontrolle über den Verbrauch, um aber die Werte einzuhalten, sind Spritspartechniken gefragt. Die Piloten reden bei Media-Briefings gerne von der neuen Aufgabenstellung, die man als Herausforderung sehen müsse. Sobald die Mikrofone abgeschaltet sind, hört sich das anders an: "Das hat nichts mehr mit purem Racing zu tun." Oder: "Wir können uns nicht mehr auf unseren Instinkt und unsere Kompetenz verlassen, also so spät wie möglich zu bremsen oder so früh wie möglich ans Gas zu gehen, um die Rundenzeit zu optimieren. Stattdessen trödeln wir herum, um Sprit zu sparen."

Wie kommt es, dass die gleichen Regelprinzipien in zwei Klassen zu so unterschiedlichen Ergebnissen führen? Offenbar hat die Formel 1 besser gerechnet und so viel Luft beim Verbrauchsziel eingerechnet, dass pures Racing möglich ist. Und vermutlich hat man bei den LMP1-Prototypen die Schraube eine Umdrehung zu weit hereingedreht, weshalb der Sport auf der Strecke leiden könnte.

Sieht jemand den Torpedo?

Rennsport bedeutet Attacke, Vollgas, Zweikampf, Ausbremsmanöver. Wenn das Verbrauchsreglement diese essenziellen Grundwerte aushebeln oder beeinträchtigen sollte, dann hat der Rennsport ein Problem.

Wir hätten dann der Gesellschaft etwas Gutes getan, sprich den Verbrauch gesenkt, dem Motorsport aber einen Bärendienst erwiesen, weil die Show versaut ist und sich die Zuschauer unter Umständen abwenden könnten. Das zweite Problem: Die Verantwortlichen – und das sind die Hersteller– sehen diesen Torpedo nicht mal kommen. Sie haben die Regeln so gesteuert, dass sie bei ihrem Vorstand weiterhin Geld für "effizienten" Motorsport bekommen. Ja, die Botschaft hör` ich wohl – allein mir fehlt noch der Glaube.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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